Zwischen den Jahren ist eine besondere, eine schöne, besinnliche Zeit. Man geht Spazieren, ruht sich gemütlich im Warmen zu Haus aus oder trifft sich mit Freunden, kocht etwas Leckeres, die Kinder gehen Rodeln.
Ich hab Haus. Auch zwischen den Jahren. Ludwig und die Musketiere auch, und so treffen wir uns einfach bei mir, im Haus, und machen das Beste draus.
"Nein, so geht das nicht, das geht hier nicht weiter."
"Drück doch mal, mensch da ist doch noch Platz."
"Ah, na, hier gehts doch ned weida, mensch, hier ist Schluss."
"Wenn der Ludwig da mal die Hand raus ziehen würde, dann hätten wir auch noch Platz."
"Das passt nicht, wie oft soll ich das noch sagen."
"Natürlich passt das. Ihr müsst halt noch a weng drehen."
"Zurück, Vorsicht, das bricht doch hier schon."
"Das kann doch nicht gehen, sag ich schon die ganze Zeit, aber hier hört ja keiner auf mich."
"Herr Doktor, Alle ignorieren mich. - Der nächste, bitte."
"Mann, was macht ihr denn da?"
"Zurück, habt ihr Watte auf den Ohren?"
Während die vier Männer unaufhörlich gereizt durcheinander zetern, beobachte ich das Ganze von unten. Die Rigipsplatte scheint einfach zu groß zu sein für die schmale Lücke und den engen Giebel. Ludwig besteht aber darauf, dass sie durchpasst. Und so ziehen, schieben und zerren die Vier an der Platte, vor, schräg, zurück, hin und her, bis sie sie doch erstmal wieder herunter lassen. Während der kurzen Verschnaufpause diskutieren sie lebhaft und versuchen es dann nochmal mit der nächsten Balkenöffnung.
"Weiter nach rechts!"
"Na, doch nicht so, hier rüber."
"Schieb doch mal."
"Was machst du denn da? Pause? Fass doch mal mit an!"
"Ich mach doch, Mann, ich muss erstmal hier rüber klettern, sonst fall ich doch runter, wenn ihr da schiebt."
"Red nicht, mach doch mal."
"Ich mach ja schon."
"Musst du immer dikutieren?"
"Ich diskutiere doch gar nicht."
"Machst du doch. Schon die ganze Zeit."
"Hahahaahaha!" lache ich laut heraus. "Ihr müsstet euch mal hören! Da ist ja eine Mädelsgruppe nichts dagegen! Die wären allerdings jetzt schon alle beleidigt und sauer aufeinander."
Die Vier halten inne, die Platte steckt derweil in der Balkenöffnung fest, und alle Vier schauen sie nun mich an.
"Ja." sagt Werner, "Das ist wie im Büro beim Wulff. Der hat fast nur noch Frauen und ständig gibt es Ärger. Man kann da schon nix mehr sagen, sofort wird die Frauenbeauftragte geholt."
Alle nicken einstimmig. Dann schieben sie weiter.
"Hier rüber, mann, bist du blind?"
"Na, da komm ich doch nicht weiter, guck doch mal selbst, hier ist die Latte im Weg."
"Ah, ned auf mir drauf."
"Das heißt doch nicht 'auf dir drauf'. Auf dir drauf ist was anderes."
Grinsen in der Runde.
"Red nicht, drück mal lieber hier her."
"Ich drücke schon die ganze Zeit. Seht ihr denn nicht, dass ihr da mal rechts rüber müsst, hier kann das doch gar nicht gehen."
"Ein Stück nach rechts?"
"Ja."
"Los, nach rechts, hey, hier fehlt nur noch ein Eckchen."
"Jawoll, so gehts, ja, schieben, schiiiieben!!"
"So?"
"Ja, gut!"
"Weiter so, ja, noch ein Zentimeter."
"Durch!!"
Gemeinsam freuen sie sich über ihren Erfolg und schauen zufrieden genervt. Besinnlichkeit kann ich grad nicht finden. Aber wer braucht schon Besinnlichkeit, wenn er Haus hat? Ich finde das allemal eine akzeptable Alternative.
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