Den Ausgleichsbeton kann man mit Tuppe und Handmixer anrühren. Oder mit einem Zwangsmischer, wie ich gestern erfahren habe. Das ginge viel einfacher, spare Kraft und Zeit, sagte mir ein Freund. Das überzeugt mich natürlich gleich. Man könne sie auch ausleihen, in Baumärkten, für etwa 12-15 Euro am Tag.
Zwangsmischer, was für ein merkwürdig beklopptes Wort. Um zu dechiffrieren, was dahinter steht, google ich erstmal "Zwangsmischer Mieten Berlin". Ich bekomme ein paar wenige Ergebnisse angezeigt, keines davon in Berlin, aber wenigstens kann ich mir schon mal ein Bild von dem Gerät machen.
Um vier vor 20.00 Uhr erreiche ich tatsächlich noch jemanden in der Mietwerkzeugabteilung eines Baumarkts. Zwangsmischer vermieten sie jedoch nicht.
Als ich am nächsten Morgen meine Recherche fortsetze, werde ich nach diversen Telefonaten doch noch fündig. Es gibt einen Zwangsmischer, der noch zu vermieten ist.
Kurz später stehe ich da, mit meinem Mietvertrag, und habe den Vermieter überredet mir zu helfen, den Zwangsmischer in mein Auto zu heben.
"Mein Auto ist eher klein." hatte ich ihn vorab an der Theke informiert.
"Hmm. Habe ich schon gesehen." antwortet er mit einem Blick, den ich deuten könnte, aber ich tu es lieber nicht.
Ich stehe schon am Auto, habe alles vorbereitet, Rückbank umgeklappt, Tücher ausgebreitet und mich mental darauf eingestellt, gleich einen großen Anteil der 80 Kg zu wuchten, denn ich sehe außer diesem Mann niemand anderen.
"Der passt nicht rein."
"Na sicher passt der rein. Wir müssen ihn mit den Rollen zuerst rein heben, so, dass sie dort rechts liegen. Wo sind denn die anderen starken Männer?" frage ich, und schaue mich sicherheitshalber nochmal um.
"Keiner da." Das reicht ja im Prinzip als Antwort aus.
"Ah, die werden schon kommen. Wir warten einfach." Also warten wir.
40 Sekunden später verliere ich die Geduld.
"Ich glaube, wir sollten vielleicht lieber jemand fragen." denke ich laut vor mich hin.
Er geht zurück in sein Büdchen und telefoniert. Gleich kommen bestimmt ein bis zwei kräftige Bauhausmitarbeiter, spekuliere ich so bei mir. Aber irgendwie tut sich nichts. Da erspähe ich ganz in der Nähe auf dem Parkplatz ein Auto, auf dem Beifahrersitz ein männliches Gesellschaftsmitglied. Der Wagen steht dort, das Fenster aufgekurbelt. Ich gehe mal hin, denke ich mir, kann ja nicht schaden. Als ich näher komme, sehe ich, dass eine Frau am Steuer sitzt.
Oh, vielleicht haben die ein Beziehungskrisengespräch oder ein Parkplatzrendevouz? frage ich mich und entscheide dann, dass eine kleine Abwechslung, nämlich einen Zwangsmischer in ein kleines Auto zu heben, sicher der Entspannung des Gesprächs dienlich ist.
"Sind Sie stark?" frage ich den Mann.
"Nein." antwortet er, und schüttelt den Kopf.
"Doch, bestimmt sind Sie das!" er kann mich doch nicht foppen, obwohl, wenn er ein Rückenproblem hätte, wär das natürlich blöd. "Es geht um meinen Zwangsmischer. Wir sind nämlich nur zu zweit, und der muss in mein Auto rein, da brauchen wir unbedingt Hilfe. Ist nicht schwer, bestimmt." locke ich ihn.
Ein Blick zur Frau, und dann steigt er aus.
"Hallo!" rufe ich in das Büdchen. Er telefoniert noch. "Ich habe jemand gefunden."
Zu dritt stehen wir nun vor dem Auto.
"Wollen Sie das Auto mit dem Betonmischer transportieren?" fragt der Neue.
Ich starre auf den Zwangsmischer, und dann auf mein Auto. Der war gut. Ich lache.
"Der passt da nicht rein." sagt er als nächstes. Der war nicht so gut, und ich lache auch nicht.
"Ja, habe ich auch gesagt." mischt sich der erste ein.
"Natürlich passt der rein. Den nehme ich jetzt mit. Los, fassen Sie mal mit an." Ich kippe den Zwangsmischer schon mal ein bisschen, um anzudeuten, dass es mir ernst ist.
Widerwillig heben sie die Maschine an.
"Das Unterteil zuerst" schlage ich vor.
"Dann liegt aber der Motor in der Mitte, das geht nicht."
"Wieso?" frage ich mich, und die beiden.
"Das ist zu schwer."
"Ach was, das Ding wiegt doch nur 80 Kg. Neulich habe ich Steinplatten und Betonsäcke mit bestimmt 250 Kg transportiert," übertreibe ich ein wenig, "da schafft der 80 locker!"
Sie heben ihn mit dem Oberteil nach vorn an. An der Öffnung bleiben sie hängen, der Durchmesser des Deckels ist zu groß. Umgehend stellen sie den Zwangsmischer wieder ab.
"Ich sage doch, der passt da nicht rein." Die Männer nicken sich bekräftigend zu.
Ich bin kurzfristig ratlos.
"Das kann ich nicht glauben. Ich dachte, das passt..."
"Jaja, wenn Frauen denken..." Sie werfen sich wissende Blicke zu, die beiden Männer. Ich sage jetzt mal nichts, beruhige ich mich, und scanne erneut die Größe der Maschine. Es passt, ganz sicher bin ich mir da. Etwas anderes will ich sowieso nicht glauben, denn schließlich will ich das Gerät mitnehmen. Ich will das.
"Ich muss dann mal." verabschiedet sich der zweite. Dann stehen wir wieder allein da.
"Also, ich bin sicher, dass es passt." sage ich dem Vermieter, der schon dabei ist, meine Maschine wieder zurückzurollern.
"Am besten, wir machen den Vertrag wieder rückgängig." Rückgängig, wie bitte?
"Hey!" begrüßt der Vermieter einen Mann, der nun die Szene betritt. Oh, denke ich, wie gut, er kann uns tragen helfen.
"Die da?" fragt er den Vermieter, der nickt, und dabei schaut er nicht auf mich, sondern auf meinen Zwangsmischer.
"Kannst du morgen haben. Sie ist für heute vermietet."
Ich schaue ihn an. Er ist gar nicht zum Helfen gekommen, der will meine Maschine.
"Die passt da niemals rein." Ohne es zu versuchen, geht er wieder.
Mittlerweile steht der Zwangsmischer wieder an seinem alten Platz.
"Das kann ich nicht glauben," sage ich zu dem Vermieter, "die passt da rein, bestimmt!"
Er guckt wirklich freundlich, und auch ein bisschen ratlos.
Ich habe das Gefühl, die Sache ist gelaufen. Trotzdem bleibe ich stehen. Den Zwangsmischer hier stehen lassen? Ohne wieder wegfahren? Und dann alles mit dem Handmixer mischen? Wie anstrengend das ist. Nein. Nein. Nein!
"Ich kann mich damit nicht abfinden!" Jetzt bin ich wieder bei mir. "Bitte, lassen Sie es uns noch einmal probieren. Nur noch einmal. Bitte!" Es ist nicht meine Art, aber jetzt lege ich mal ein Weibchengesicht auf. "Bitte." Ein bisschen Flehen, das schwache Geschlecht markieren. Wir sind schließlich auf dem Bau. Männer mögen das doch, oder?
"Na gut." Er schiebt den Zwangsmischer wieder zurück zu meinem Auto. Wir heben ihn zu zweit, diesmal bin ich stark genug. Ich will. An der Kante bleiben wir hängen. Wir stellen ihn wieder ab.
"Passt nicht, ich sage es ja."
"Bitte, jetzt machen wir es so, wie ich zuerst gesagt habe. Die Füße zuerst. So rein, dann kann er ruhig ein bisschen überstehen, er wird ja am Rand hängen bleiben, durch das Gewicht ist das sicher genug, der rutscht nicht raus."
Er ist schon fast drin, da bleibt ein Hebel an der Kante hängen.
"Passt nicht."
"Jetzt um 90° zu mir drehen." weise ich an.
Auf dem Weg nach Hause pustet die Heizung auf volle Pulle, die Klappe hinten steht ein bisschen offen. Ich singe laut zur Musik im Radio. Like a G6, Like a G6!!
"Das gibts nicht, das muss ich fotografieren, darf ich?" hatte der Vermieter mich bei meiner Abfahrt gefragt, und dann ein Nachher-Foto gemacht. Zu Hause poste ich vor Begeisterung das einzige Foto, das ich gemacht hatte. Ein Vorher-Foto.
Abends sitzen mein Sohn und ich beim Abendbrot. Ich brenne darauf, ihm endlich die sagenhafte Zwangsmischer-Geschichte zu erzählen.
"Weißt du, was mir heute passiert ist!?" hebe ich an.
"Nee, ich war noch nicht in facebook heute."
The story of the HAUS - das Tagebuch der Geschichte unseres Hauses. Bitte denk dran, ein Blog ist von unten nach oben aufgebaut. Wenn du beginnen möchtest, fange mit der ersten Geschichte vom Januar 2009 an und lese dich dann hoch. Am Ende des ersten Kapitels gibt es einen kleinen Link "Neuerer Post". Den Klicken, dann kommt Kapitel 2, am Ende des zweiten Kapitels usw... Viel Spaß! Deine SCHINKEL-COMPANY
Montag, 31. Januar 2011
Dienstag, 11. Januar 2011
80 Ne luftije Jeschichte
Heute will Ludwig eben noch die Mauer vom Bad unten verputzen. Während des Grabens stellt er etwas fest. Unter der Mauer gibt es gar kein Fundament. Und mir nichts dir nichts können wir betrachten, wie eine tragende Mauer halb in der Luft hängt.
Ludwig steht da und schüttelt den Kopf. Wie schon so oft. Mein Häuschen motiviert immer wieder mal, mit dem Kopf zu schütteln.
"Na, des gibbs ja ga ned! Da is ja überhaubd ga Fundamend drunda."
Kopfschütteln.
"Des is a tragende Wand, is des."
Bartkratzen.
"Da müssn wir soford a Fundamend drunda machen. Da fliegt mir ja sons die ganze Wand auseinand."
Kopfschütteln.
"Des kleine Dach hängt da drauf... Mannmannmann... ka Fundamend ned..."
Zum Glück hatten wir die Wand grad noch ausführlich verputzt, so trägt jetzt die dicke Putzschicht die Steine, die sonst vielleicht auseinandergebröselt wären.
Als Werner zu Besuch reinschaut, zeigt Ludwig ihm das Desaster.
"Dit is ne luftije Jeschichte!" sagt er, und die Lachfältchen breiten sich über sein freundliches Gesicht aus. "Kennt ihr die nich?"
Doch, jetzt schon.
Nun, wo die Fenster eingebaut sind, wirkt der Raum richtig wie ein Raum. Nicht mehr so wie eine winterliche Bahnhofsvorhalle. Oder eigentlich doch, denn es gibt fast keinen Zug mehr. Die Küche ist schon fast wohnlich, wenn auch der abgetragene Boden einen Hauch von Campingflair einfließen lässt. Ich weiß noch, als ich nach jahrelangen, sehnsüchtigen Otto-Katalog Studien der Rubrik Camping/Zelte, endlich mein erstes Zelt bestellen durfte. Ich muss etwa 13 gewesen sein, denn auf dem Foto trage ich noch keine Brille. Jedenfalls, das Zelt wurde geliefert, und es war unverhinderbar, dass ich es sofort und auf der Stelle, und zwar in unserem Wohnzimmer, aufbaute. Es war ein großer Tag in meinem Leben. 109,00 DM hat diese 70er Jahre Erinnerung gekostet. Damals gab es noch die DM und sowieso war alles anders. Ich bin heute mindestens so glücklich wie damals.
Ludwig steht da und schüttelt den Kopf. Wie schon so oft. Mein Häuschen motiviert immer wieder mal, mit dem Kopf zu schütteln.
"Na, des gibbs ja ga ned! Da is ja überhaubd ga Fundamend drunda."
Kopfschütteln.
"Des is a tragende Wand, is des."
Bartkratzen.
"Da müssn wir soford a Fundamend drunda machen. Da fliegt mir ja sons die ganze Wand auseinand."
Kopfschütteln.
"Des kleine Dach hängt da drauf... Mannmannmann... ka Fundamend ned..."
Zum Glück hatten wir die Wand grad noch ausführlich verputzt, so trägt jetzt die dicke Putzschicht die Steine, die sonst vielleicht auseinandergebröselt wären.
Als Werner zu Besuch reinschaut, zeigt Ludwig ihm das Desaster.
"Dit is ne luftije Jeschichte!" sagt er, und die Lachfältchen breiten sich über sein freundliches Gesicht aus. "Kennt ihr die nich?"
Doch, jetzt schon.
Nun, wo die Fenster eingebaut sind, wirkt der Raum richtig wie ein Raum. Nicht mehr so wie eine winterliche Bahnhofsvorhalle. Oder eigentlich doch, denn es gibt fast keinen Zug mehr. Die Küche ist schon fast wohnlich, wenn auch der abgetragene Boden einen Hauch von Campingflair einfließen lässt. Ich weiß noch, als ich nach jahrelangen, sehnsüchtigen Otto-Katalog Studien der Rubrik Camping/Zelte, endlich mein erstes Zelt bestellen durfte. Ich muss etwa 13 gewesen sein, denn auf dem Foto trage ich noch keine Brille. Jedenfalls, das Zelt wurde geliefert, und es war unverhinderbar, dass ich es sofort und auf der Stelle, und zwar in unserem Wohnzimmer, aufbaute. Es war ein großer Tag in meinem Leben. 109,00 DM hat diese 70er Jahre Erinnerung gekostet. Damals gab es noch die DM und sowieso war alles anders. Ich bin heute mindestens so glücklich wie damals.
Montag, 10. Januar 2011
79 Der Schnee von gestern
Endlich haben wir Über-Plus-Grade. Da können wir Fenster einsetzen, das Dach fertig machen, wir können die Küchenwand spachteln und lauter solche Sachen. Das ist toll.
Aber der Garten! Habe ich erwähnt, dass ich ihn gern aufgeräumt habe? Habe ich. Ich will mich ja nicht wiederholen, tue es aber jetzt trotzdem. In meinem Garten sieht es nämlich aus wie Kraut und Rüben. Tom kann das bestätigen. Könnte er, wenn man ihn fragte. Er war ja selbst heute da und hat es gesehen. Ihn hat es natürlich nicht gestört. Warum sollte es auch? Es ist schließlich eine Baustelle. Ein aufgeweichte, durchgematschte, vollgestellte Baustelle. Man erwartet das.
Vorhin ist mir klar geworden, dass mein Talent, das Haus jetzt schon so zu sehen wie es mal wird, nicht gleichzeitig die Fähigkeit beinhaltet, Müll, unordentliche Stapel ollen aufgeweichten Holzes und all die kleinen Styroporbröckchen aus meinem Sichtfeld zu blenden. Wenn ich das kann, stehen mir viele Wege offen. Die Politik zum Beispiel wäre einer davon.
Ich schweife ab. Obwohl. Da möchte ich nun doch gern noch einen Gedanken darauf verwenden. Wenn ich mir die Fähigkeit erhalte, schon jetzt zu sehen, wie es später aussieht, ohne gleichzeitig all das zu übersehen, was noch unaufgeräumt und zu tun ist, DANN kann ich in die Politik gehen. Die Politik von heute wäre dann Schnee von gestern.
Fabelhaft, zu welchen Erkenntnissen mein Häuschen gut ist. Nun, ich schweife wieder. Denn in die Politik zu gehen, entspricht nicht meinem größten Interesse. Nicht direkt jedenfalls. Es sei denn, sie kreieren ein Direktmandat für Glück. Parteilos. Das wär dann was anderes.
Aber der Garten! Habe ich erwähnt, dass ich ihn gern aufgeräumt habe? Habe ich. Ich will mich ja nicht wiederholen, tue es aber jetzt trotzdem. In meinem Garten sieht es nämlich aus wie Kraut und Rüben. Tom kann das bestätigen. Könnte er, wenn man ihn fragte. Er war ja selbst heute da und hat es gesehen. Ihn hat es natürlich nicht gestört. Warum sollte es auch? Es ist schließlich eine Baustelle. Ein aufgeweichte, durchgematschte, vollgestellte Baustelle. Man erwartet das.
Vorhin ist mir klar geworden, dass mein Talent, das Haus jetzt schon so zu sehen wie es mal wird, nicht gleichzeitig die Fähigkeit beinhaltet, Müll, unordentliche Stapel ollen aufgeweichten Holzes und all die kleinen Styroporbröckchen aus meinem Sichtfeld zu blenden. Wenn ich das kann, stehen mir viele Wege offen. Die Politik zum Beispiel wäre einer davon.
Ich schweife ab. Obwohl. Da möchte ich nun doch gern noch einen Gedanken darauf verwenden. Wenn ich mir die Fähigkeit erhalte, schon jetzt zu sehen, wie es später aussieht, ohne gleichzeitig all das zu übersehen, was noch unaufgeräumt und zu tun ist, DANN kann ich in die Politik gehen. Die Politik von heute wäre dann Schnee von gestern.
Fabelhaft, zu welchen Erkenntnissen mein Häuschen gut ist. Nun, ich schweife wieder. Denn in die Politik zu gehen, entspricht nicht meinem größten Interesse. Nicht direkt jedenfalls. Es sei denn, sie kreieren ein Direktmandat für Glück. Parteilos. Das wär dann was anderes.
Donnerstag, 6. Januar 2011
78 Vergiss das grad wieder
Heute, als ich vom Grundstück eines Nachbarn komme, und den Weg zurück zu meinem laufe, erblicke ich einen Fußgänger, der mir entgegen kommt. Ich grüße ihn und winke, und biege dann in mein Törchen ab. Als ich mich umdrehe, um den Haufen Schrott zu betrachten und zu überlegen, wie ich die Metallwanne in meinen Seicento bekomme, erkenne ich, dass der Fußgänger Heiner ist, der Nachbar meiner Freundin, und ja bald auch mein Nachbar, denn er wohnt mit seiner Familie etwa 70 Meter ums Eck.
"Heiner!" rufe ich, "Was machst du denn hier?"
"Hallo" sagt er und strahlt mich an. "Ick war jrad zum Briefkasten."
"Stell dir vor, hier wohne ich! Guck mal, das ist mein Häuschen." freue ich mich und schwenke meinen Arm über das Grundstück. "Frohes neues Jahr!"
"Ja, weeß ick doch." Er grinst. "Ick war jrad zum Briefkasten, und da hab ick dein Auto jesehn, da dacht ick, komm ick jetz ma kieken hier, wo du bald wohnen tust."
"Na los, komm rein, ich geb dir ne Führung", sage ich und schiebe ihn Richtung Eingang.
"Also hier kommt die Eingangstür hin." erkläre ich, "Die Tür hab ich versehentlich zu groß bestellt. Jetzt müssen wir das Haus der Tür anpassen. Blöd, gerade weil sie ja schon Sonderanfertigung ist. Extra teuer. Und da hab ich sie versehentlich zu groß gemacht."
"Nee, wa?" Heiner guckt.
"Naja, ach, wird schon." entgegne ich gelassen. "Was nicht passt, wird passend gemacht, wa?"
Wir lachen, auch wenn Heiner etwas skeptisch drein blickt.
"So." sagt er, läuft gerade hinein in den Flur, und schaut sich schon im Raum dahinter um.
"Haaalt!" bremse ich ihn, "komm mal gleich wieder, hierher, das darfst du noch gar nicht sehen! Vergiss jetzt sofort, was du gerade gesehen hast."
Er hält inne, kommt wieder vor zu mir, und wir betreten das Haus durch die provisorische Tür.
"Oh!" "Whoa." "Pff." "Nee, wa?" und ähnlich fassungslose Kommentare entweichen ihm fortwährend, als ich ihm die verschiedenen Räume zeige und erkläre.
"Und jetzt," sage ich erwartungsfroh "jetzt zeige ich dir die Küche!"
Als ich daraufhin die Bautür öffne, und sich ihm nun meine Küche dahinter offenbart, kommt spontan ein überaus überraschtes Staunen über seine Lippen.
"Wow!! Super!" und ich kann ihm ansehen, dass er den Raum eben gar nicht gesehen hat.
Hat er ja auch nicht. Denn ich habe ja ausdrücklich gesagt, dass er alles wieder vergessen soll. Und ich habe schließlich Hypnose gelernt.
Ein bisschen wundere ich mich dann schon noch, dass es so gut wirkt, obwohl ich nichtmal eine klitzekleine Anzüglichkeit, Doppeldeutigkeit oder F-Wörter verwendet habe. Aber das bleibt ja ein ganz anderes Thema.
Abends, als dann ein Freund von mir kurz noch vorbei kommt, um zu schauen, weiß ich schon, was zu tun ist.
"Langsam, langsam," bremse ich ihn, noch bevor er um die Ecke luken kann. "Das Museum muss vorschriftsmäßig durch die Vordertüre betreten werden."
"Bitteschön."
Drinnen, als ich ihm alles gezeigt habe, sagt er zu mir "Haste jut jemacht. Nee, würklisch! Ick bewundere deinen Mut und deine Fähigkeit, zu sehen wie et mal werden soll. Det wird echt schau!"
Und ich weiß gar nicht warum, aber diesmal fühle ich mich wie hypnotisiert.
"Heiner!" rufe ich, "Was machst du denn hier?"
"Hallo" sagt er und strahlt mich an. "Ick war jrad zum Briefkasten."
"Stell dir vor, hier wohne ich! Guck mal, das ist mein Häuschen." freue ich mich und schwenke meinen Arm über das Grundstück. "Frohes neues Jahr!"
"Ja, weeß ick doch." Er grinst. "Ick war jrad zum Briefkasten, und da hab ick dein Auto jesehn, da dacht ick, komm ick jetz ma kieken hier, wo du bald wohnen tust."
"Na los, komm rein, ich geb dir ne Führung", sage ich und schiebe ihn Richtung Eingang.
"Also hier kommt die Eingangstür hin." erkläre ich, "Die Tür hab ich versehentlich zu groß bestellt. Jetzt müssen wir das Haus der Tür anpassen. Blöd, gerade weil sie ja schon Sonderanfertigung ist. Extra teuer. Und da hab ich sie versehentlich zu groß gemacht."
"Nee, wa?" Heiner guckt.
"Naja, ach, wird schon." entgegne ich gelassen. "Was nicht passt, wird passend gemacht, wa?"
Wir lachen, auch wenn Heiner etwas skeptisch drein blickt.
"So." sagt er, läuft gerade hinein in den Flur, und schaut sich schon im Raum dahinter um.
"Haaalt!" bremse ich ihn, "komm mal gleich wieder, hierher, das darfst du noch gar nicht sehen! Vergiss jetzt sofort, was du gerade gesehen hast."
Er hält inne, kommt wieder vor zu mir, und wir betreten das Haus durch die provisorische Tür.
"Oh!" "Whoa." "Pff." "Nee, wa?" und ähnlich fassungslose Kommentare entweichen ihm fortwährend, als ich ihm die verschiedenen Räume zeige und erkläre.
"Und jetzt," sage ich erwartungsfroh "jetzt zeige ich dir die Küche!"
Als ich daraufhin die Bautür öffne, und sich ihm nun meine Küche dahinter offenbart, kommt spontan ein überaus überraschtes Staunen über seine Lippen.
"Wow!! Super!" und ich kann ihm ansehen, dass er den Raum eben gar nicht gesehen hat.
Hat er ja auch nicht. Denn ich habe ja ausdrücklich gesagt, dass er alles wieder vergessen soll. Und ich habe schließlich Hypnose gelernt.
Ein bisschen wundere ich mich dann schon noch, dass es so gut wirkt, obwohl ich nichtmal eine klitzekleine Anzüglichkeit, Doppeldeutigkeit oder F-Wörter verwendet habe. Aber das bleibt ja ein ganz anderes Thema.
Abends, als dann ein Freund von mir kurz noch vorbei kommt, um zu schauen, weiß ich schon, was zu tun ist.
"Langsam, langsam," bremse ich ihn, noch bevor er um die Ecke luken kann. "Das Museum muss vorschriftsmäßig durch die Vordertüre betreten werden."
"Bitteschön."
Drinnen, als ich ihm alles gezeigt habe, sagt er zu mir "Haste jut jemacht. Nee, würklisch! Ick bewundere deinen Mut und deine Fähigkeit, zu sehen wie et mal werden soll. Det wird echt schau!"
Und ich weiß gar nicht warum, aber diesmal fühle ich mich wie hypnotisiert.
Mittwoch, 5. Januar 2011
77 Hereinspaziert!
Das habe ich eben in wikipedia gefunden: >>Geometrie wird häufig naiv-intuitiv und nicht auf axiomatischer Basis behandelt.<<
So geht mir das mit meinem Haus. Ludwig bildet dabei die axiomatische Basis. Es gibt immer ein richtiges Ergebnis. Auch wenn ich manchmal nicht wirklich verstehe, wie die Formel funktionierte. Das war damals in der Schule ja nicht viel anders. Das Abi hab ich trotz Mathe prima geschafft. Mit Französisch, Erdkunde und 15 Sport-Punkten. Aber, ich schweife ab.
Geometrisch betrachtet befindet sich mein Haus derzeit in einer Sinuskurve. Sozusagen. Am Anfang, da war es im Prinzip bewohnbar. Den Standard lasse ich bei meiner Betrachtung jetzt mal außen vor. Und dann, im nächsten April, ist es schon wieder bewohnbar. Und auf einem Kurvenpunkt dazwischen, da liegen wir im Moment. Schon nicht mehr ganz bei -1. Glücklicherweise.
Den Kurvenverlauf finde ich sehr interessant, und lade alle meine Freunde ein, genau jetzt, in dieser Phase, zu kommen und zu gucken. Das tun sie auch, fast jeden Tag kommt jemand. Selbst die, die sich gar nicht für Geometrie interessieren.
Nächste Woche rutscht die Kurve nochmal gen -1, denn dann heben wir den Boden im gesamten Häuschen auf eine Tiefe von 22 cm aus. Im großen Zimmer hauen wir die Holzdielen und den darunter vermuteten Estrich raus. Mein direkter Nachbar freut sich schon über den großen Vorrat Brennholz, den ihm das beschert.
Andere Nachbarn und ich kaufen uns morgen gemeinsam ein motorbetriebenes Wägelchen. Den Fachausdruck habe ich vergessen. Sie haben gerade die gleichen geometrischen Aufgabenstellungen wie ich, im neuen Häuschen ihres Sohnes. Damit wir uns nicht wundschleppen bei der Material An- und Abfuhr, teilen wir uns das gebrauchte, vom einem professionellen Werkzeugverleih ausgemusterte und von uns dadurch günstig erstandene Fahrzeug. Ich sehe meiner ersten Fahrt bereits höchst erfreut entgegen.
Ja, und dann gibt es gute Wetternachrichten. Der Sommer steht vor der Tür! Nächste Woche werden 6-8°C erwartet. Plus! Das bedeutet, dass alle wegen der Kälte liegen gebliebenen Arbeiten erledigt werden können. Welch ein Glück!
So geht mir das mit meinem Haus. Ludwig bildet dabei die axiomatische Basis. Es gibt immer ein richtiges Ergebnis. Auch wenn ich manchmal nicht wirklich verstehe, wie die Formel funktionierte. Das war damals in der Schule ja nicht viel anders. Das Abi hab ich trotz Mathe prima geschafft. Mit Französisch, Erdkunde und 15 Sport-Punkten. Aber, ich schweife ab.
Geometrisch betrachtet befindet sich mein Haus derzeit in einer Sinuskurve. Sozusagen. Am Anfang, da war es im Prinzip bewohnbar. Den Standard lasse ich bei meiner Betrachtung jetzt mal außen vor. Und dann, im nächsten April, ist es schon wieder bewohnbar. Und auf einem Kurvenpunkt dazwischen, da liegen wir im Moment. Schon nicht mehr ganz bei -1. Glücklicherweise.
Den Kurvenverlauf finde ich sehr interessant, und lade alle meine Freunde ein, genau jetzt, in dieser Phase, zu kommen und zu gucken. Das tun sie auch, fast jeden Tag kommt jemand. Selbst die, die sich gar nicht für Geometrie interessieren.
Nächste Woche rutscht die Kurve nochmal gen -1, denn dann heben wir den Boden im gesamten Häuschen auf eine Tiefe von 22 cm aus. Im großen Zimmer hauen wir die Holzdielen und den darunter vermuteten Estrich raus. Mein direkter Nachbar freut sich schon über den großen Vorrat Brennholz, den ihm das beschert.
Andere Nachbarn und ich kaufen uns morgen gemeinsam ein motorbetriebenes Wägelchen. Den Fachausdruck habe ich vergessen. Sie haben gerade die gleichen geometrischen Aufgabenstellungen wie ich, im neuen Häuschen ihres Sohnes. Damit wir uns nicht wundschleppen bei der Material An- und Abfuhr, teilen wir uns das gebrauchte, vom einem professionellen Werkzeugverleih ausgemusterte und von uns dadurch günstig erstandene Fahrzeug. Ich sehe meiner ersten Fahrt bereits höchst erfreut entgegen.
Ja, und dann gibt es gute Wetternachrichten. Der Sommer steht vor der Tür! Nächste Woche werden 6-8°C erwartet. Plus! Das bedeutet, dass alle wegen der Kälte liegen gebliebenen Arbeiten erledigt werden können. Welch ein Glück!
Montag, 3. Januar 2011
76 Baumarkt 2011
Seit Oktober gehe ich nur noch begrenzt einkaufen: entweder im Bioladen oder im Baumarkt. Es passiert derzeit selten, dass ich dem Handel woanders die Ehre gebe.
Heute hatte ich dabei ein Erlebnis der besonderen Art. Ich war nämlich im Baumarkt. Was an sich ja jetzt keine Überraschung sein dürfte. Als ich jedoch in der großen Halle stehe, in der die Fassaden-Hartschaumdämmplatten für den Außenbereich stehen, und auf den Verkäufer warte, der einige Meter weiter einen Kunden bedient, wird mir nach einer Weile klar, was genau ich da gerade beobachte: der Herr bekommt nämlich seine Rigipsplatten mit dem Gabelstapler des Baumarkts direkt in seinen Anhänger geladen. In seinen Anhänger, der, und das realisiere ich sicher erst nach etwa drei Minuten, die ich ihm nun schon wartend zuschaue, direkt drinnen steht, in der Halle. Als ich daraufhin um mich blicke, entdecke ich Streifen auf dem Boden, Parkzonen, und eine breite Cart Strecke in der Baumarkthalle.
"Wow." denke ich, und "Da könnte ich ja..." und schon schlendere ich den Streckenverlauf entlang bis ich zum Ausgang gelange. Dort steht bereits ein PKW, der Fahrer spricht mit der Baumarktmitarbeiterin, übergibt ihr etwas, dann hebt sich die große Schiebetür und er rollt hinaus.
"Ich möchte auch gern mit dem Wagen hier herein fahren." sage ich zu der jungen Frau, die in dem Infohäuschen wartet. "Muss ich erst zur Kasse und bezahlen? Oder wie mache ich das hier?"
"Sie zahlen hier."
"Ja, aber muss ich mir da erst einen Warenschein geben lassen?"
"Nein nein, Sie machen das einfach wie der Mann eben. Sie laden die Ware in Ihr Auto, kommen zu mir, zahlen hier, und ich lass Sie dann raus."
Ich kann es gar nicht abwarten. DriveIn beim Baumarkt. Toll. Das einzige was fehlt, ist die Vorbestellung über Mikro. Das finde ich aber schon in Ordnung.
Heute hatte ich dabei ein Erlebnis der besonderen Art. Ich war nämlich im Baumarkt. Was an sich ja jetzt keine Überraschung sein dürfte. Als ich jedoch in der großen Halle stehe, in der die Fassaden-Hartschaumdämmplatten für den Außenbereich stehen, und auf den Verkäufer warte, der einige Meter weiter einen Kunden bedient, wird mir nach einer Weile klar, was genau ich da gerade beobachte: der Herr bekommt nämlich seine Rigipsplatten mit dem Gabelstapler des Baumarkts direkt in seinen Anhänger geladen. In seinen Anhänger, der, und das realisiere ich sicher erst nach etwa drei Minuten, die ich ihm nun schon wartend zuschaue, direkt drinnen steht, in der Halle. Als ich daraufhin um mich blicke, entdecke ich Streifen auf dem Boden, Parkzonen, und eine breite Cart Strecke in der Baumarkthalle.
"Wow." denke ich, und "Da könnte ich ja..." und schon schlendere ich den Streckenverlauf entlang bis ich zum Ausgang gelange. Dort steht bereits ein PKW, der Fahrer spricht mit der Baumarktmitarbeiterin, übergibt ihr etwas, dann hebt sich die große Schiebetür und er rollt hinaus.
"Ich möchte auch gern mit dem Wagen hier herein fahren." sage ich zu der jungen Frau, die in dem Infohäuschen wartet. "Muss ich erst zur Kasse und bezahlen? Oder wie mache ich das hier?"
"Sie zahlen hier."
"Ja, aber muss ich mir da erst einen Warenschein geben lassen?"
"Nein nein, Sie machen das einfach wie der Mann eben. Sie laden die Ware in Ihr Auto, kommen zu mir, zahlen hier, und ich lass Sie dann raus."
Ich kann es gar nicht abwarten. DriveIn beim Baumarkt. Toll. Das einzige was fehlt, ist die Vorbestellung über Mikro. Das finde ich aber schon in Ordnung.
75 Frohaus Neujahr!
Als ich am Abend des 01.01.2011 zum Häuschen komme, taut es bereits wie wild. Einerseits finde ich das gut. Es erleichtert Vieles. Andererseits treten jetzt plötzlich all die Haufen zutage, die die ganze Zeit schon im Garten herumliegen und auf so elegante Weise durch den Schnee wegdrapiert waren: Alte Bretter, unbrauchbares altes Dämmmaterial, Metallschrott, Fenster, Zementsäcke. Es liegen viele Haufen herum, und ich würde zu gern aufräumen. Ich finde es unästhetisch. Meinen Gedanken in Ehren, aber das ist nun wirklich totaler Quatsch. All das nasse, schmierige Zeug in mein Auto packen und zur BSR bringen, wo ich doch schon nächste Woche wieder einen Container bestellen werde, wenn wir den Boden aus dem großen Zimmer raushauen? Also nicht.
Als ich eintrete und versuche, den Stecker in die bereit hängende Steckdose zu stecken, höre ich stetiges Tropfen. Tropf. Tropf. Tropf. In etwa Sekundenabständen.
"Nicht gut, gar nicht gut." denke ich mir, während ich, die Dose haltend, mit der anderen Hand im Dunkeln die Position der beiden Löcher ertaste. Hat das übrigens schon mal jemand versucht? Ohne hinzugucken einen deutschen DIN-Norm Stecker, rund, in eine deutsche DIN-Norm Steckdose, rund, zu stecken? Man könnte beim bloßen Hingucken glauben, die äußeren Einbuchtungen und Metallklemmen würden zum Positionieren des Steckers beim Einsteckvorgang beitragen. Dem soll aber gewiss nicht so sein, habe ich heraus gefunden. Sie dienen nur der professionellen Dekoration des Steckersystems, eine hilfreiche Zusatzfunktion, wie die Erleichterung des Einsteckprozesses wird in jedem Fall verhindert.
Nun hängt die Steckdose ja auch ein bisschen hoch für mich, weil das Kabel des Stromzählers nicht mehr Raum hergibt. Das macht die Sache mindestens doppelt spannend für mich. Wann wird es mir diesmal gelingen? Wie oft rutsche ich ab? Und wie oft verschätze ich mich um wieviel Grad, wenn ich die Löcher mit den Fingern ertastet habe, und sie dann herausziehe, um dem Stecker Platz zu machen? 0.5 Grad reicht ja schon, um erfolglos zu bleiben. Die spannnenste Frage ist dann: Werde ich diesmal Geduld bewahren können, und hingebungsvoll ruhig bleiben, oder entschlüpft mir die eine oder andere Reaktion, die ich theoretisch gar nicht mehr habe. Eine schöne Übung.
Dabei lausche ich dem "Tropf, tropf, tropf."
Endlich. Licht. Ich erblicke in meinem Schlafzimmer eine Pfütze links vom Berg. Die Tropfen fallen alle von einer Stelle, nämlich von oben aus den Balken. Dort, wo es wohl mal gebrannt hat, denn sowohl die Dachbretter als auch die Dachpappe sind an der Stelle schwarz und kaputt.
Ich habe Geduld bewahrt beim Stecker einstecken und jetzt ist der erste Gedanke, den ich habe:
"Gut, dass es jetzt passiert, vor dem Aufdoppeln und Isolieren. Was habe ich nur für ein Glück!"
Die Meditation heute nacht hat mir augenscheinlich gut getan. Das mache ich jetzt einfach wieder öfter.
Als ich eintrete und versuche, den Stecker in die bereit hängende Steckdose zu stecken, höre ich stetiges Tropfen. Tropf. Tropf. Tropf. In etwa Sekundenabständen.
"Nicht gut, gar nicht gut." denke ich mir, während ich, die Dose haltend, mit der anderen Hand im Dunkeln die Position der beiden Löcher ertaste. Hat das übrigens schon mal jemand versucht? Ohne hinzugucken einen deutschen DIN-Norm Stecker, rund, in eine deutsche DIN-Norm Steckdose, rund, zu stecken? Man könnte beim bloßen Hingucken glauben, die äußeren Einbuchtungen und Metallklemmen würden zum Positionieren des Steckers beim Einsteckvorgang beitragen. Dem soll aber gewiss nicht so sein, habe ich heraus gefunden. Sie dienen nur der professionellen Dekoration des Steckersystems, eine hilfreiche Zusatzfunktion, wie die Erleichterung des Einsteckprozesses wird in jedem Fall verhindert.
Nun hängt die Steckdose ja auch ein bisschen hoch für mich, weil das Kabel des Stromzählers nicht mehr Raum hergibt. Das macht die Sache mindestens doppelt spannend für mich. Wann wird es mir diesmal gelingen? Wie oft rutsche ich ab? Und wie oft verschätze ich mich um wieviel Grad, wenn ich die Löcher mit den Fingern ertastet habe, und sie dann herausziehe, um dem Stecker Platz zu machen? 0.5 Grad reicht ja schon, um erfolglos zu bleiben. Die spannnenste Frage ist dann: Werde ich diesmal Geduld bewahren können, und hingebungsvoll ruhig bleiben, oder entschlüpft mir die eine oder andere Reaktion, die ich theoretisch gar nicht mehr habe. Eine schöne Übung.
Dabei lausche ich dem "Tropf, tropf, tropf."
Endlich. Licht. Ich erblicke in meinem Schlafzimmer eine Pfütze links vom Berg. Die Tropfen fallen alle von einer Stelle, nämlich von oben aus den Balken. Dort, wo es wohl mal gebrannt hat, denn sowohl die Dachbretter als auch die Dachpappe sind an der Stelle schwarz und kaputt.
Ich habe Geduld bewahrt beim Stecker einstecken und jetzt ist der erste Gedanke, den ich habe:
"Gut, dass es jetzt passiert, vor dem Aufdoppeln und Isolieren. Was habe ich nur für ein Glück!"
Die Meditation heute nacht hat mir augenscheinlich gut getan. Das mache ich jetzt einfach wieder öfter.
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