Heute will Ludwig eben noch die Mauer vom Bad unten verputzen. Während des Grabens stellt er etwas fest. Unter der Mauer gibt es gar kein Fundament. Und mir nichts dir nichts können wir betrachten, wie eine tragende Mauer halb in der Luft hängt.
Ludwig steht da und schüttelt den Kopf. Wie schon so oft. Mein Häuschen motiviert immer wieder mal, mit dem Kopf zu schütteln.
"Na, des gibbs ja ga ned! Da is ja überhaubd ga Fundamend drunda."
Kopfschütteln.
"Des is a tragende Wand, is des."
Bartkratzen.
"Da müssn wir soford a Fundamend drunda machen. Da fliegt mir ja sons die ganze Wand auseinand."
Kopfschütteln.
"Des kleine Dach hängt da drauf... Mannmannmann... ka Fundamend ned..."
Zum Glück hatten wir die Wand grad noch ausführlich verputzt, so trägt jetzt die dicke Putzschicht die Steine, die sonst vielleicht auseinandergebröselt wären.
Als Werner zu Besuch reinschaut, zeigt Ludwig ihm das Desaster.
"Dit is ne luftije Jeschichte!" sagt er, und die Lachfältchen breiten sich über sein freundliches Gesicht aus. "Kennt ihr die nich?"
Doch, jetzt schon.
Nun, wo die Fenster eingebaut sind, wirkt der Raum richtig wie ein Raum. Nicht mehr so wie eine winterliche Bahnhofsvorhalle. Oder eigentlich doch, denn es gibt fast keinen Zug mehr. Die Küche ist schon fast wohnlich, wenn auch der abgetragene Boden einen Hauch von Campingflair einfließen lässt. Ich weiß noch, als ich nach jahrelangen, sehnsüchtigen Otto-Katalog Studien der Rubrik Camping/Zelte, endlich mein erstes Zelt bestellen durfte. Ich muss etwa 13 gewesen sein, denn auf dem Foto trage ich noch keine Brille. Jedenfalls, das Zelt wurde geliefert, und es war unverhinderbar, dass ich es sofort und auf der Stelle, und zwar in unserem Wohnzimmer, aufbaute. Es war ein großer Tag in meinem Leben. 109,00 DM hat diese 70er Jahre Erinnerung gekostet. Damals gab es noch die DM und sowieso war alles anders. Ich bin heute mindestens so glücklich wie damals.
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