Ich habs getan. Heute habe ich meine Wohnung gekündigt. Ich verspüre ein wenig Wehmut, denn ich liebe diese Wohnung. Seit Mai 2001 wohne ich nun hier. Seitdem wir hier eingezogen sind, habe ich mich unglaublich verändert. Mein Leben ist immer leichter geworden und glücklicher. Auch wenn heutzutage fast alle meine Strumpfhosen pieken, weil winzige spitze, unsichtbare Glasfaserdämmmattenpartikel hartnäckig im Stoff sitzen, die selbst durch mehrfaches Waschen nicht herausgespült werden konnten. Das muss passiert sein, als ich den Dämmmatten mit Nachdruck in die Müllsäcke verholfen habe. Wider besseres Wissen übrigens. Deshalb ignoriere ich die feinen Stiche auch jetzt einfach, denn sonst würde ich mich vielleicht ärgern. Dazu ist mir aber meine Zeit zu schade.
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, glücklicher. Genau. 2001, das Jahr der Trennung. 2002, das Jahr des Ausstiegs. 2003, das Jahr der Weltreise. 2004, das Jahr der Meditation. 2005, Konsolidierung als Hausfrau und Mutter. 2006/07, Reisejahre. 2008, das Jahr der Ver- und Entlobung. 2009, das Jahr meines Buchs "Ich tue NICHTS für Glück". 2010, das Jahr des Hauses.
Der 31. Dezember ist ein besonderer Tag für mich geworden: in 2008 schrieb ich an diesem Tag mein erstes der 365 Kapitel "Ich tue NICHTS für Glück", in 2009 ging an diesem Tag die Summe meiner aufgelösten privaten Rentenversicherung auf meinem Konto ein und dieses Jahr erhält mein Vermieter an diesem Datum meine Kündigung. Impulsgebende Tage für ein großartiges neues Jahr.
Was darf aus 2011 werden?
Ich sage: 2011 wird das Jahr für Alles Gute. Das Jahr für Alles Gute garantiert mindestens eins: Alles Gute. Das ist schonmal die halbe Miete und halbe Miete ist gut. Ab April 2011 zahle ich nur noch halbe Miete. Denn ich habe ja heute gekündigt.
Guten Rutsch für dich und viel Glück, Freude und auch sonst: Alles Gute : )
The story of the HAUS - das Tagebuch der Geschichte unseres Hauses. Bitte denk dran, ein Blog ist von unten nach oben aufgebaut. Wenn du beginnen möchtest, fange mit der ersten Geschichte vom Januar 2009 an und lese dich dann hoch. Am Ende des ersten Kapitels gibt es einen kleinen Link "Neuerer Post". Den Klicken, dann kommt Kapitel 2, am Ende des zweiten Kapitels usw... Viel Spaß! Deine SCHINKEL-COMPANY
Freitag, 31. Dezember 2010
Donnerstag, 30. Dezember 2010
73 Three in one
Gestern waren Linda und Gertjan zu Besuch im Häuschen.
"Dein Schlafzimmer ist toll!", sagt Linda, als sie in meinem Schlafzimmer steht. "Es ist das einzige, das ich kenne, das einen Berg hat." Sie wippt auf dem einen Meter hohen Hügel auf und ab, und freut sich.
"Ja," sage ich, "mein Badezimmer ist auch das einzige, das in der Mitte einen Krater hat."
"Das stimmt." Linda und Gertjan nicken und beglückwünschen mich. Als Holländer haben sie einen Sinn für Außergewöhnlichkeiten.
Heute wird die Decke im großen Zimmer fertig. Die letzten Tage schon werkelt Ludwig emsig an den Gips-Platten, misst, schneidet, bricht, sägt, hobelt. Es sieht toll aus. Ein Augenschmaus. Inmitten des rohen Baus ordnet sich dort das herbeigeschaffte Material bereits in feinen, neuen Strukturen.
Draußen vor der Zimmertür sieht es ein wenig herber aus. Das Klima springt beim Übertreten der Schwelle von 'Gemäßigte Zone' zu 'Polare Zone'. So wie die Temperatur sich deutlich kantiger zeigt, so tut es auch die vorhandene Substanz der Materialien. Völlig unisolierte Bretterdecke, rohe Steinmauer, ungeschlossene Fensteröffnungen. Lässt man sich auf die Besonderheiten dieser Klimazone ein, ist aber auch hier zauberhafter Fortschritt zu beobachten.
Ich stehe viel in der gemäßigten Zone unter dem neu aussehenden Dach und schaue staunend nach oben. Meine Füße werden kalt, am Boden ist es knapp über 0°C. Auf Taillenhöhe sind es immerhin schon 5°C.
"Komm halt hoch, hier ist es wärmer." bietet mir Ludwig an.
Seit Tagen heizen wir den Ölofen. Die Isolierung lässt jetzt keine warme Luft mehr aus den Ritzen entweichen, und so staune ich, als ich jetzt das Gerüst nach oben klettere. Mir scheint, als klettere ich direkt in die Subtropen hinein. Es ist eine Wonne. Ich klettere dorthin, wo das Hochbett geplant ist, und lege mich gemütlich über die Balken. Von hier aus kann ich den Giebel noch viel leichter bestaunen, und während ich mir das fertig eingerichtete Hochbett vorstelle, tauen meine Zehen langsam wieder auf.

"Dein Schlafzimmer ist toll!", sagt Linda, als sie in meinem Schlafzimmer steht. "Es ist das einzige, das ich kenne, das einen Berg hat." Sie wippt auf dem einen Meter hohen Hügel auf und ab, und freut sich.
"Ja," sage ich, "mein Badezimmer ist auch das einzige, das in der Mitte einen Krater hat."
"Das stimmt." Linda und Gertjan nicken und beglückwünschen mich. Als Holländer haben sie einen Sinn für Außergewöhnlichkeiten.
Heute wird die Decke im großen Zimmer fertig. Die letzten Tage schon werkelt Ludwig emsig an den Gips-Platten, misst, schneidet, bricht, sägt, hobelt. Es sieht toll aus. Ein Augenschmaus. Inmitten des rohen Baus ordnet sich dort das herbeigeschaffte Material bereits in feinen, neuen Strukturen.Draußen vor der Zimmertür sieht es ein wenig herber aus. Das Klima springt beim Übertreten der Schwelle von 'Gemäßigte Zone' zu 'Polare Zone'. So wie die Temperatur sich deutlich kantiger zeigt, so tut es auch die vorhandene Substanz der Materialien. Völlig unisolierte Bretterdecke, rohe Steinmauer, ungeschlossene Fensteröffnungen. Lässt man sich auf die Besonderheiten dieser Klimazone ein, ist aber auch hier zauberhafter Fortschritt zu beobachten.
Ich stehe viel in der gemäßigten Zone unter dem neu aussehenden Dach und schaue staunend nach oben. Meine Füße werden kalt, am Boden ist es knapp über 0°C. Auf Taillenhöhe sind es immerhin schon 5°C.
"Komm halt hoch, hier ist es wärmer." bietet mir Ludwig an.
Seit Tagen heizen wir den Ölofen. Die Isolierung lässt jetzt keine warme Luft mehr aus den Ritzen entweichen, und so staune ich, als ich jetzt das Gerüst nach oben klettere. Mir scheint, als klettere ich direkt in die Subtropen hinein. Es ist eine Wonne. Ich klettere dorthin, wo das Hochbett geplant ist, und lege mich gemütlich über die Balken. Von hier aus kann ich den Giebel noch viel leichter bestaunen, und während ich mir das fertig eingerichtete Hochbett vorstelle, tauen meine Zehen langsam wieder auf.

Mittwoch, 29. Dezember 2010
72 Zwischen den Jahren
Zwischen den Jahren ist eine besondere, eine schöne, besinnliche Zeit. Man geht Spazieren, ruht sich gemütlich im Warmen zu Haus aus oder trifft sich mit Freunden, kocht etwas Leckeres, die Kinder gehen Rodeln.
Ich hab Haus. Auch zwischen den Jahren. Ludwig und die Musketiere auch, und so treffen wir uns einfach bei mir, im Haus, und machen das Beste draus.
"Nein, so geht das nicht, das geht hier nicht weiter."
"Drück doch mal, mensch da ist doch noch Platz."
"Ah, na, hier gehts doch ned weida, mensch, hier ist Schluss."
"Wenn der Ludwig da mal die Hand raus ziehen würde, dann hätten wir auch noch Platz."
"Das passt nicht, wie oft soll ich das noch sagen."
"Natürlich passt das. Ihr müsst halt noch a weng drehen."
"Zurück, Vorsicht, das bricht doch hier schon."
"Das kann doch nicht gehen, sag ich schon die ganze Zeit, aber hier hört ja keiner auf mich."
"Herr Doktor, Alle ignorieren mich. - Der nächste, bitte."
"Mann, was macht ihr denn da?"
"Zurück, habt ihr Watte auf den Ohren?"
Während die vier Männer unaufhörlich gereizt durcheinander zetern, beobachte ich das Ganze von unten. Die Rigipsplatte scheint einfach zu groß zu sein für die schmale Lücke und den engen Giebel. Ludwig besteht aber darauf, dass sie durchpasst. Und so ziehen, schieben und zerren die Vier an der Platte, vor, schräg, zurück, hin und her, bis sie sie doch erstmal wieder herunter lassen. Während der kurzen Verschnaufpause diskutieren sie lebhaft und versuchen es dann nochmal mit der nächsten Balkenöffnung.
"Weiter nach rechts!"
"Na, doch nicht so, hier rüber."
"Schieb doch mal."
"Was machst du denn da? Pause? Fass doch mal mit an!"
"Ich mach doch, Mann, ich muss erstmal hier rüber klettern, sonst fall ich doch runter, wenn ihr da schiebt."
"Red nicht, mach doch mal."
"Ich mach ja schon."
"Musst du immer dikutieren?"
"Ich diskutiere doch gar nicht."
"Machst du doch. Schon die ganze Zeit."
"Hahahaahaha!" lache ich laut heraus. "Ihr müsstet euch mal hören! Da ist ja eine Mädelsgruppe nichts dagegen! Die wären allerdings jetzt schon alle beleidigt und sauer aufeinander."
Die Vier halten inne, die Platte steckt derweil in der Balkenöffnung fest, und alle Vier schauen sie nun mich an.
"Ja." sagt Werner, "Das ist wie im Büro beim Wulff. Der hat fast nur noch Frauen und ständig gibt es Ärger. Man kann da schon nix mehr sagen, sofort wird die Frauenbeauftragte geholt."
Alle nicken einstimmig. Dann schieben sie weiter.
"Hier rüber, mann, bist du blind?"
"Na, da komm ich doch nicht weiter, guck doch mal selbst, hier ist die Latte im Weg."
"Ah, ned auf mir drauf."
"Das heißt doch nicht 'auf dir drauf'. Auf dir drauf ist was anderes."
Grinsen in der Runde.
"Red nicht, drück mal lieber hier her."
"Ich drücke schon die ganze Zeit. Seht ihr denn nicht, dass ihr da mal rechts rüber müsst, hier kann das doch gar nicht gehen."
"Ein Stück nach rechts?"
"Ja."
"Los, nach rechts, hey, hier fehlt nur noch ein Eckchen."
"Jawoll, so gehts, ja, schieben, schiiiieben!!"
"So?"
"Ja, gut!"
"Weiter so, ja, noch ein Zentimeter."
"Durch!!"
Gemeinsam freuen sie sich über ihren Erfolg und schauen zufrieden genervt. Besinnlichkeit kann ich grad nicht finden. Aber wer braucht schon Besinnlichkeit, wenn er Haus hat? Ich finde das allemal eine akzeptable Alternative.
Ich hab Haus. Auch zwischen den Jahren. Ludwig und die Musketiere auch, und so treffen wir uns einfach bei mir, im Haus, und machen das Beste draus.
"Nein, so geht das nicht, das geht hier nicht weiter."
"Drück doch mal, mensch da ist doch noch Platz."
"Ah, na, hier gehts doch ned weida, mensch, hier ist Schluss."
"Wenn der Ludwig da mal die Hand raus ziehen würde, dann hätten wir auch noch Platz."
"Das passt nicht, wie oft soll ich das noch sagen."
"Natürlich passt das. Ihr müsst halt noch a weng drehen."
"Zurück, Vorsicht, das bricht doch hier schon."
"Das kann doch nicht gehen, sag ich schon die ganze Zeit, aber hier hört ja keiner auf mich."
"Herr Doktor, Alle ignorieren mich. - Der nächste, bitte."
"Mann, was macht ihr denn da?"
"Zurück, habt ihr Watte auf den Ohren?"
Während die vier Männer unaufhörlich gereizt durcheinander zetern, beobachte ich das Ganze von unten. Die Rigipsplatte scheint einfach zu groß zu sein für die schmale Lücke und den engen Giebel. Ludwig besteht aber darauf, dass sie durchpasst. Und so ziehen, schieben und zerren die Vier an der Platte, vor, schräg, zurück, hin und her, bis sie sie doch erstmal wieder herunter lassen. Während der kurzen Verschnaufpause diskutieren sie lebhaft und versuchen es dann nochmal mit der nächsten Balkenöffnung.
"Weiter nach rechts!"
"Na, doch nicht so, hier rüber."
"Schieb doch mal."
"Was machst du denn da? Pause? Fass doch mal mit an!"
"Ich mach doch, Mann, ich muss erstmal hier rüber klettern, sonst fall ich doch runter, wenn ihr da schiebt."
"Red nicht, mach doch mal."
"Ich mach ja schon."
"Musst du immer dikutieren?"
"Ich diskutiere doch gar nicht."
"Machst du doch. Schon die ganze Zeit."
"Hahahaahaha!" lache ich laut heraus. "Ihr müsstet euch mal hören! Da ist ja eine Mädelsgruppe nichts dagegen! Die wären allerdings jetzt schon alle beleidigt und sauer aufeinander."
Die Vier halten inne, die Platte steckt derweil in der Balkenöffnung fest, und alle Vier schauen sie nun mich an.
"Ja." sagt Werner, "Das ist wie im Büro beim Wulff. Der hat fast nur noch Frauen und ständig gibt es Ärger. Man kann da schon nix mehr sagen, sofort wird die Frauenbeauftragte geholt."
Alle nicken einstimmig. Dann schieben sie weiter.
"Hier rüber, mann, bist du blind?"
"Na, da komm ich doch nicht weiter, guck doch mal selbst, hier ist die Latte im Weg."
"Ah, ned auf mir drauf."
"Das heißt doch nicht 'auf dir drauf'. Auf dir drauf ist was anderes."
Grinsen in der Runde.
"Red nicht, drück mal lieber hier her."
"Ich drücke schon die ganze Zeit. Seht ihr denn nicht, dass ihr da mal rechts rüber müsst, hier kann das doch gar nicht gehen."
"Ein Stück nach rechts?"
"Ja."
"Los, nach rechts, hey, hier fehlt nur noch ein Eckchen."
"Jawoll, so gehts, ja, schieben, schiiiieben!!"
"So?"
"Ja, gut!"
"Weiter so, ja, noch ein Zentimeter."
"Durch!!"
Gemeinsam freuen sie sich über ihren Erfolg und schauen zufrieden genervt. Besinnlichkeit kann ich grad nicht finden. Aber wer braucht schon Besinnlichkeit, wenn er Haus hat? Ich finde das allemal eine akzeptable Alternative.
Montag, 27. Dezember 2010
71 Ruck Zuck
Morgen wollen wir das Fundament für die Stütze des neuen Dachs gießen.
"Bringst amal zwo Sackerl Schnellzement aus dem Baumarkt mit." trägt Ludwig mir auf.
"Entschuldigung, wo haben Sie denn hier Schnellzement?" frage ich die rot-weiß bekleidete Dame, die offensichtlich Mitarbeiterin des Baumarkts ist.
Sie führt mich um die Regal-Ecke und weist auf einen Kundenschalter.
"Bitte fragen Sie den Herrn dort, ja?"
"Na klar, danke."
"Gerne." erwidert sie im Weitergehen.
"Guten Tag."
"Guten Tag." antwortet der Herr in Rot-Weiß.
"Ich suche den Schnellzement."
"Der liegt da vorn." antwortet er "dort, auf der Palette."
"Ist das Schnellzement?" vergewissere ich mich, denn auf der Palette hatte ich nur normalen Zement entdeckt.
"Nein. Das ist ganz normaler Zement."
"Ich brauche aber Schnellzement." sage ich.
"Schnellzement haben wir nicht." antwortet er.
"Normaler Zement nützt mir nichts. Ich brauche Zement, der schnell bindet."
"Achso." Er denkt nach.
"Kommen Sie." sagt er, während er aus seinem Schalter heraus kommt und mich zu einem Regal hinter der Ecke führt, von der die Rot-weiße Dame mich an seinen Schalter empfohlen hat.
"Hier." sagt er und zeigt auf einen orangeweißen Sack.
"Ist das Schnellzement?"
"Nein." antwortet er, und ergänzt, auf den Aufdruck hinweisend, "das ist Ruck Zuck Beton."
Ruck Zuck Beton tut es wohl auch, denke ich, und kaufe zwei Sack davon. Für morgen.
"Bringst amal zwo Sackerl Schnellzement aus dem Baumarkt mit." trägt Ludwig mir auf.
"Entschuldigung, wo haben Sie denn hier Schnellzement?" frage ich die rot-weiß bekleidete Dame, die offensichtlich Mitarbeiterin des Baumarkts ist.
Sie führt mich um die Regal-Ecke und weist auf einen Kundenschalter.
"Bitte fragen Sie den Herrn dort, ja?"
"Na klar, danke."
"Gerne." erwidert sie im Weitergehen.
"Guten Tag."
"Guten Tag." antwortet der Herr in Rot-Weiß.
"Ich suche den Schnellzement."
"Der liegt da vorn." antwortet er "dort, auf der Palette."
"Ist das Schnellzement?" vergewissere ich mich, denn auf der Palette hatte ich nur normalen Zement entdeckt.
"Nein. Das ist ganz normaler Zement."
"Ich brauche aber Schnellzement." sage ich.
"Schnellzement haben wir nicht." antwortet er.
"Normaler Zement nützt mir nichts. Ich brauche Zement, der schnell bindet."
"Achso." Er denkt nach.
"Kommen Sie." sagt er, während er aus seinem Schalter heraus kommt und mich zu einem Regal hinter der Ecke führt, von der die Rot-weiße Dame mich an seinen Schalter empfohlen hat.
"Hier." sagt er und zeigt auf einen orangeweißen Sack.
"Ist das Schnellzement?"
"Nein." antwortet er, und ergänzt, auf den Aufdruck hinweisend, "das ist Ruck Zuck Beton."
Ruck Zuck Beton tut es wohl auch, denke ich, und kaufe zwei Sack davon. Für morgen.
70 Herzblatt: Geld oder Liebe?
So, Christiane, nun musst du dich entscheiden: nimmst du A) den schweigsamen Meister, der es dir mit seinem Know-how so bald wie möglich auf dem Fußboden heiß machen will oder möchtest du B) den feschen Installateur, der dir mit viel Fachwissen im Nu sein Heizungsrohr verlegen will oder soll es C) sein, der Handwerksspezialist, der dich schnell und ordentlich auf Temperatur bringen will? Du musst Dich jetzt entscheiden: Welcher von den dreien soll es sein?
Seit letzter Woche hole ich Angebote für meine Fußbodenheizung ein. Und nun muss ich mich mal entscheiden. Ich würde lieber das Geld nehmen. Ist das wohl bitte möglich, liebe Redaktion?
Nee, wirklich, ich finde das schwierig. Kein Angebot ist 1:1 mit dem anderen zu vergleichen. Und nett sind sie ja alle, jeder auf seine Weise. Wonach soll ich denn jetzt entscheiden? Geld? Wer mir das am günstigsten erscheinende Angebot macht? Oder Liebe? Wer mir am sympathischsten erscheint? Am besten beides. Gestern hat mir jemand vorgeschlagen, es auszupendeln. Naja, dachte ich, mal sehen, was dabei raus kommt. Tatsächlich hat die Person die Ergebnisse gesagt, die ich mir selbst gedacht hatte, ohne dass ich ein Wörtchen darüber gesprochen hätte, nichtmal Namen habe ich genannt. Ich war beeindruckt. Aber, was soll ich denn jetzt davon halten?
Am liebsten die Finger, denke ich, aber das bringt mich nun auch nicht weiter. Ich muss eine Entscheidung treffen, bald. Hiermit setze ich mir eine Deadline bis Mittwoch. Schalten Sie wieder ein, wenn es das nächste Mal heißt "Herzblatt: Geld oder Liebe?".
Seit letzter Woche hole ich Angebote für meine Fußbodenheizung ein. Und nun muss ich mich mal entscheiden. Ich würde lieber das Geld nehmen. Ist das wohl bitte möglich, liebe Redaktion?
Nee, wirklich, ich finde das schwierig. Kein Angebot ist 1:1 mit dem anderen zu vergleichen. Und nett sind sie ja alle, jeder auf seine Weise. Wonach soll ich denn jetzt entscheiden? Geld? Wer mir das am günstigsten erscheinende Angebot macht? Oder Liebe? Wer mir am sympathischsten erscheint? Am besten beides. Gestern hat mir jemand vorgeschlagen, es auszupendeln. Naja, dachte ich, mal sehen, was dabei raus kommt. Tatsächlich hat die Person die Ergebnisse gesagt, die ich mir selbst gedacht hatte, ohne dass ich ein Wörtchen darüber gesprochen hätte, nichtmal Namen habe ich genannt. Ich war beeindruckt. Aber, was soll ich denn jetzt davon halten?
Am liebsten die Finger, denke ich, aber das bringt mich nun auch nicht weiter. Ich muss eine Entscheidung treffen, bald. Hiermit setze ich mir eine Deadline bis Mittwoch. Schalten Sie wieder ein, wenn es das nächste Mal heißt "Herzblatt: Geld oder Liebe?".
Donnerstag, 23. Dezember 2010
69 Reflektionen
Das Dach ist drauf. Jedenfalls die erste Schicht. Hurra! Der Rest folgt, wenn das Wetter weniger winterlich ist. Eine ziemlich offene Prognose, wenn man bedenkt, dass der Winter offiziell erst heute angefangen hat. Die ein oder andere Million Schneeflocken hat das bekanntermaßen bisher nicht davon abgehalten, sich auf dem Grundstück, dem Dach und natürlich in der Küche niederzulassen. So schippe ich also heute, nach vollbrachtem Tageswerk und geschlossener Zimmerdecke, meine Küche leer. Bis zu 25 cm hoch dort, wo er nicht niedergetreten wurde.
Wenn ich zu wenig geschlafen habe, so wie heute, ist es irritierend für mich, wenn Freunde mein Haus-Projekt hochloben, meinen Mut betonen und darüber sprechen, wie schwierig das alles sein muss. Und dass alles immer teurer wird, als man denkt. Und überhaupt, dass das Geld meist nicht reicht.
Nach solchen Gesprächen passiert es mitunter, dass ich anfange, darüber nachzudenken, ob es wirklich so ein großes Projekt ist, wie sie sagen, was genau sie mit dem Mut meinen, den sie bei mir zu erkennen in der Lage sind, und wann genau ich merken würde, dass es tatsächlich alles sehr schwer ist. An solchen Tagen kann es sein, dass ich plötzlich anfange, den Mut zu verlieren, es für möglich zu halten, dass alles schwierig ist und mir vorstelle, dass ich mir zuviel aufgeladen habe. Es ist so, wie bei dem kleinen Kind, das munter und voller Selbstvertrauen den Baum hinauf klettert, bis jemand ruft: "Was machst du denn da? Wie gefährlich das ist! Was, wenn du herunter fällst?" Viele Kinder bekommen dann Angst, und so manches fällt.
Zum Glück kenne ich das schon. Ich bin immer auf die höchsten Bäume geklettert. Und ich weiß, dass die Ansichten der anderen mit meinen nichts zu tun haben. Es sei denn, ich übernehme sie von ihnen. Und riskiere, herunterzufallen.
Erinnerst du dich an Eintrag 1? Weißt du noch, dass ich immer mehr Geld habe, als ich brauche? Es ist im Moment fast alle. Willst du wissen, wie es weiter geht? Dann hab Geduld. Und Zuversicht. Ich hab sie für dich mit.
Das Fenster des kleinen Häuschens zeigt, dass man spekulieren darf, was diffus hinter Eisblumen verborgen liegt. Jeder kann etwas anderes sehen. Manche sehen gar nichts. Ich sehe dahinter Wachstum und Tore zu Wegen, auf denen ich gehen kann, wohin ich will.
Wenn ich zu wenig geschlafen habe, so wie heute, ist es irritierend für mich, wenn Freunde mein Haus-Projekt hochloben, meinen Mut betonen und darüber sprechen, wie schwierig das alles sein muss. Und dass alles immer teurer wird, als man denkt. Und überhaupt, dass das Geld meist nicht reicht.
Nach solchen Gesprächen passiert es mitunter, dass ich anfange, darüber nachzudenken, ob es wirklich so ein großes Projekt ist, wie sie sagen, was genau sie mit dem Mut meinen, den sie bei mir zu erkennen in der Lage sind, und wann genau ich merken würde, dass es tatsächlich alles sehr schwer ist. An solchen Tagen kann es sein, dass ich plötzlich anfange, den Mut zu verlieren, es für möglich zu halten, dass alles schwierig ist und mir vorstelle, dass ich mir zuviel aufgeladen habe. Es ist so, wie bei dem kleinen Kind, das munter und voller Selbstvertrauen den Baum hinauf klettert, bis jemand ruft: "Was machst du denn da? Wie gefährlich das ist! Was, wenn du herunter fällst?" Viele Kinder bekommen dann Angst, und so manches fällt.
Zum Glück kenne ich das schon. Ich bin immer auf die höchsten Bäume geklettert. Und ich weiß, dass die Ansichten der anderen mit meinen nichts zu tun haben. Es sei denn, ich übernehme sie von ihnen. Und riskiere, herunterzufallen.
Erinnerst du dich an Eintrag 1? Weißt du noch, dass ich immer mehr Geld habe, als ich brauche? Es ist im Moment fast alle. Willst du wissen, wie es weiter geht? Dann hab Geduld. Und Zuversicht. Ich hab sie für dich mit.
Das Fenster des kleinen Häuschens zeigt, dass man spekulieren darf, was diffus hinter Eisblumen verborgen liegt. Jeder kann etwas anderes sehen. Manche sehen gar nichts. Ich sehe dahinter Wachstum und Tore zu Wegen, auf denen ich gehen kann, wohin ich will.
Mittwoch, 22. Dezember 2010
68 Reaktionen
Gerade will ich das Haus verlassen, da klopft es an meine provisorische Tür. Meine Freundin Martina, die grad ums Eck wohnt, steht zu einem Überraschungsbesuch da. Ich freue mich, und bitte sie natürlich gleich herein. Besuch kommt dieser Tage noch eher sparsam. Vielleicht haben sie Sorge, dass sie helfen müssten. Dabei ist das natürlich Mumpitz. Helfen müssen darf hier niemand. Wenige ausgewählte Freunde dürfen helfen wollen. Das wurde vereinzelt auch schon gern mal angenommen. Ich denke da an Jens, Sebastian und Yosef zum Beispiel, und Ludwig natürlich zehnmal genannt, mindestens. Die Musketiere sind ebenso immer gern willkommen, und erfreulicherweise lassen sie sich das auch nicht nehmen.
Wie auch immer, ich bitte also Martina herein.
"Das hier ist mein Schlafzimmer." beginne ich die Führung.
"Sieht eher wie eine Pferdebox aus." trifft sie die Situation recht präzise.
"Streu rein, fertig."
Ich fühle mich veräppelt, und das bin ich ja auch.
"Ein Äffchen und ein Pferd." singe ich und überlege, wie sich das Pferd in meinem Schlafzimmer machen würde. Platz wäre ausreichend da. Streu rein, fertig, aber das hatte ich ja schon erwähnt.
"Etwas Tee, meine Liebe?" biete ich an, "Ein Tässchen frisch aufgebrühten Schutzengeltee aus meiner Thermoskanne? Und darf es etwas Gebäck sein?" Ich hatte gestern abend Rochers erstanden, und erfreue seitdem mich, und seit heute morgen auch alle Anwesenden damit.
"Nein?" sage ich, und lege es zurück.
"Doch doch, gerne." antwortet sie, während sie die nussige Schokokugel aus dem Goldpapier heraus pult.
Die Männer kommen herein. Sie wollen sich kurz aufzuwärmen. Heute ist Dachdeckertag. Endlich endlich kommt das Dach drauf. Seit Tagen verschob sich der Termin wegen des Wetters. Auch heute ist es wieder knackig kalt, aber es bleibt klar, den ganzen Tag, vereinzelt Sonnenschein. Mit der Wettervorhersage bin ich vertraut wie nie zuvor. Wetter war mir egal vorher. "Wetter ist immer." war mein Spruch und so ist es ja auch. Man müsste jedoch unterscheiden. Zum Beispiel kann ich nicht sagen, Maurerwetter ist immer oder Dachdeckerwetter ist immer. Das wäre falsch. Denn es gibt Wetter, da bleiben Maurer oder Dachdecker einfach weg.
Zum Glück aber ist heute Dachdeckerwetter. Und morgen schon wird es nicht mehr in meine Küche schneien. Allein der Gedanke daran hebt mein Wohngefühl um mindestens 180°, Celsius oder Fahrenheit ist mir dabei egal. Hauptsache warm.
Wie auch immer, ich bitte also Martina herein.
"Das hier ist mein Schlafzimmer." beginne ich die Führung.
"Sieht eher wie eine Pferdebox aus." trifft sie die Situation recht präzise.
"Streu rein, fertig."
Ich fühle mich veräppelt, und das bin ich ja auch.
"Ein Äffchen und ein Pferd." singe ich und überlege, wie sich das Pferd in meinem Schlafzimmer machen würde. Platz wäre ausreichend da. Streu rein, fertig, aber das hatte ich ja schon erwähnt.
"Etwas Tee, meine Liebe?" biete ich an, "Ein Tässchen frisch aufgebrühten Schutzengeltee aus meiner Thermoskanne? Und darf es etwas Gebäck sein?" Ich hatte gestern abend Rochers erstanden, und erfreue seitdem mich, und seit heute morgen auch alle Anwesenden damit.
"Nein?" sage ich, und lege es zurück.
"Doch doch, gerne." antwortet sie, während sie die nussige Schokokugel aus dem Goldpapier heraus pult.
Die Männer kommen herein. Sie wollen sich kurz aufzuwärmen. Heute ist Dachdeckertag. Endlich endlich kommt das Dach drauf. Seit Tagen verschob sich der Termin wegen des Wetters. Auch heute ist es wieder knackig kalt, aber es bleibt klar, den ganzen Tag, vereinzelt Sonnenschein. Mit der Wettervorhersage bin ich vertraut wie nie zuvor. Wetter war mir egal vorher. "Wetter ist immer." war mein Spruch und so ist es ja auch. Man müsste jedoch unterscheiden. Zum Beispiel kann ich nicht sagen, Maurerwetter ist immer oder Dachdeckerwetter ist immer. Das wäre falsch. Denn es gibt Wetter, da bleiben Maurer oder Dachdecker einfach weg.
Zum Glück aber ist heute Dachdeckerwetter. Und morgen schon wird es nicht mehr in meine Küche schneien. Allein der Gedanke daran hebt mein Wohngefühl um mindestens 180°, Celsius oder Fahrenheit ist mir dabei egal. Hauptsache warm.
Sonntag, 19. Dezember 2010
67 Styropor ist nützlich
Und weil das so, und Styropor außerdem sehr teuer ist, stellt Johannes es für mich auf einer Webseite für kostenlose Sachen und Dinge ein. Es gibt gleich einige Interessenten. Vor ein paar Tagen bereits habe ich elf der Styropor-Platten an einen jungen Mann verschenkt, dessen Onkel damit seine Garage dämmen möchte. Gestern abend nun bekomme ich noch eine neue Anfrage in mein email Postfach:
"Guten Tag,
ich wollte wegen der Styroporplatten nachfragen. Sind da noch welche zu haben?
Ich bräuchte für ein Kunstprojekt Styrporplatten, die ich auch in verschiedene Formate zurechtschneide.
Vielleicht bin ich schon zu spät dran, habe die Anzeige erst jetzt im Netz entdeckt.
Es würde mich aber freuen, wenn Sie mir auf jeden Fall eine kurze Rückmeldung geben könnten.
Schöne Grüße
Alois Späth"
Ich schreibe sogleich zurück, es seien noch Platten da, und gebe meine Telefonnummer an. Eine Minute später klingelt das Telefon.
"Ja?"
"Guten abend, ich rufe wegen der Styroporplatten an."
"So spät?!" frage ich, ein wenig entrüstet, denn es ist bereits nach 23.00 Uhr, keine Anrufzeit für Fremde, denke ich mir.
"Sie haben mir doch gerade eine email geschickt, da dachte ich, kann ich grad noch anrufen."
Auch wieder wahr.
"Ja, stimmt natürlich."
"Ich würde mir gern ein paar Platten abholen, bräuchte jedoch nur etwa fünf Stück. Geht das?"
"Nur fünf? Wofür brauchen Sie sie denn?"
"Für eine Klanginstallation." sagt er und erklärt mir kurz, was er damit vorhat.
Mir gefällt, dass Überreste meines Häuschens der Kunst dienlich sein können.
"Ja, klar. Fünf gehen auch. Woher kommen Sie denn?"
"Aus Charlottenburg."
"Ich wohne in Hermsdorf."
Betretenes Schweigen. Mir fällt auf, dass mein Gesprächspartner denken könnte, ich meinte ein Dorf außerhalb Berlins.
"Im Norden, kurz vor Frohnau. An der S1." konkretisiere ich.
"Ah." antwortet er, und ich meine, Erleichterung herauszuhören.
"Wann wäre es Ihnen denn Recht?" will er wissen, und wir verabreden, dass ich ihn am nächsten Tag nach meiner Fahrt nach Spandau der Einfachheit halber am S-Bahnhof abhole, weil es zu Fuß doch ein wenig unbequem ist, vor allem zurück, mit den Platten unterm Arm.
"Also, dann bis morgen, 17.04 Uhr, am Ausgang Schlossplatz."
"Bis morgen."
Nachmittags fahren Johannes und ich los. Ein Freund borgt mir zwei Katalyt-Öfen, damit ich das Häuschen heizen kann. Es ist doch recht frisch geworden in den letzten Tagen, heute nacht sollen es -20°C werden. Auf dem Weg von Spandau zurück passieren wir eine Filiale einer bekannten Fastfood-Kette.
"Mama, bitte, können wir uns nicht was holen da? Bitte! Ich lauf auch rein, und mache ganz schnell!" Seit einer Woche habe ich schon Appetit auf Pommes mit Mayo. Ich kann Johannes nicht widersprechen.
"Beeil dich, um 4 nach 5 muss ich am S-Bahnhof sein."
Er beeilt sich. Stilvollendet verzehren wir das erworbene Fastfood während der Fahrt. Es schmeckt lecker, kann man nicht anders sagen. Alle paar Monate freuen wir uns über diese Form der Nahrungsdarreichung. Mein Handy macht mich seit einer halben Stunde auf den fast leeren Akku aufmerksam. In der Eile versäume ich, die Nummer von Alois auf Johannes Handy zu übertragen. Nun fiept es ein letztes Mal, und geht dann aus.
Ich setze Johannes zu Hause ab und düse zum S-Bahnhof. 4 Minuten zu spät. Ich rechne damit, dass Alois ja noch eine Minute zum Ausgang braucht, drei Minuten Verspätung sind ja auszuhalten, selbst bei der Kälte heute.
Als ich auf den Bahnhofsplatz einbiege, sehe ich dort schon einen Mann warten. Ich halte direkt vor ihm und öffne schwungvoll die Beifahrertür.
"Hallo! Sorry, ich bin ein bisschen verspätet. Ich komme direkt aus Spandau!"
"Aus Spandau?" wundert sich der Mann, er hat das wohl vergessen, und ergänzt "Ist völlig OK, ich warte ja noch nicht lange. Hallo erstmal."
"Na dann, steig mal ein."
Das tut er. Wir schütteln uns zur Begrüßung die Hände.
"Bitte anschnallen. Kann sein, dass der Gurt in der Tür eingeklemmt ist" setze ich nach, als ich sehe, dass sein Ziehen am Gurt keinen Erfolg zeigt.
So ist es auch. Er schnallt sich an und ich fahre los.
"Und, wie war die Fahrt?"
"Gut. Es gab keine Verspätung. Die S-Bahn ist pünktlich gefahren. Umsteigen ging gut, ist prima gelaufen."
"Wow!" staune ich "Wirklich? Bei dem Wetter hätte ich das gar nicht vermutet. Wie lange hast du denn gebraucht?"
"Eine Stunde." sagt er. "Das geht, letztes Mal habe ich anderthalb Stunden gebraucht."
Ich wundere mich ein bisschen. Ich dachte, er kennt Hermsdorf noch gar nicht. Na, dann habe ich das wohl falsch verstanden. Ich mein, wenn er schonmal hier war.
"War da Schienenersatzverkehr? Oder warum hat es so lange gedauert?"
"Ja, mit Umsteigen in einen Bus, und später zurück in die S-Bahn."
Na also, er war wirklich schon hier.
"Oh, ich habe jetzt gar keine Taschenlampe mit, fällt mir gerade ein. Ich hoffe, wir können die Platten deutlich genug sehen." gebe ich zu Bedenken.
"Ach, geht schon, so dunkel ist es ja noch nicht." erwidert er.
Ja, da hat er wohl Recht. Geht schon. Muss ja, denn die Lampe liegt nunmal zu Hause, in meiner anderen Tasche.
Während ich uns durch die verschneiten Hermsdofer Straßen manövriere, schweigen wir ein wenig.
"Was für ein Kunstprojekt ist das denn genau, was du da machst?" versuche ich ein Gespräch zu knüpfen.
"Wie? Kunstprojekt?" fragt er und schaut irritiert aus.
"Na, das Projekt für das du die Styroporplatten brauchst." anworte ich. "Die Klanginstallation."
Komischer Kauz. Etwas vergesslich wie mir scheint.
"Ich frage mich gerade, ob ich im richtigen Auto sitze..." sagt er, und schaut mich ratlos an.
"Was? Wieso? Äh, wie heißt du denn?"
"Michael."
"Nein! Was?? Michael? Ich wollte einen Alois abholen!" Ich lache laut auf. "Super!"
"Oh.. das gibt's ja nicht!" findet Michael. "Das darf man ja niemand erzählen."
"Aber ja doch. Das ist doch eine geniale Geschichte!!" freue ich mich, während ich den Wagen wende. "Dann fahren wir mal zurück. Ohje, der arme Alois, ob der wohl noch da ist?" Mein Handy ist ja bedauerlicherweise leer.
"Kennst du denn den, den du abholen wolltest, gar nicht?"
"Nein! Wir haben nur telefoniert? Und du?"
"Ich dachte, du bist die Tochter meiner Freundin. Hoffentlich ist sie noch am Bahnhof. Ist das peinlich."
Gut, dass ich mir Peinlichkeit abgewöhnt habe.
"Ach was, das ist die beste Geschichte des Tages." freue ich mich ungebrochen.
Als ich Alois suche, finde ich ihn nicht. Der Arme. Den ganzen Weg umsonst gemacht, wie frustrierend das sein muss. Schnell fahre ich nach Hause. Als ich ihn von Johannes Handy aus erreiche, eröffnet er mir, dass er erst in Wittenau ist. Die S-Bahnen hatten Verspätung. Puh, Glück gehabt, Alois. Und besonders ich.
Johannes und ich winken Alois nach, als wir ihn später mit seinen Styroporplatten am S-Bahnhof absetzen. Styropor ist nützlich. Für die Kunst ebenso wie für die Geschichten, die mein Leben schreiben.
"Guten Tag,
ich wollte wegen der Styroporplatten nachfragen. Sind da noch welche zu haben?
Ich bräuchte für ein Kunstprojekt Styrporplatten, die ich auch in verschiedene Formate zurechtschneide.
Vielleicht bin ich schon zu spät dran, habe die Anzeige erst jetzt im Netz entdeckt.
Es würde mich aber freuen, wenn Sie mir auf jeden Fall eine kurze Rückmeldung geben könnten.
Schöne Grüße
Alois Späth"
Ich schreibe sogleich zurück, es seien noch Platten da, und gebe meine Telefonnummer an. Eine Minute später klingelt das Telefon.
"Ja?"
"Guten abend, ich rufe wegen der Styroporplatten an."
"So spät?!" frage ich, ein wenig entrüstet, denn es ist bereits nach 23.00 Uhr, keine Anrufzeit für Fremde, denke ich mir.
"Sie haben mir doch gerade eine email geschickt, da dachte ich, kann ich grad noch anrufen."
Auch wieder wahr.
"Ja, stimmt natürlich."
"Ich würde mir gern ein paar Platten abholen, bräuchte jedoch nur etwa fünf Stück. Geht das?"
"Nur fünf? Wofür brauchen Sie sie denn?"
"Für eine Klanginstallation." sagt er und erklärt mir kurz, was er damit vorhat.
Mir gefällt, dass Überreste meines Häuschens der Kunst dienlich sein können.
"Ja, klar. Fünf gehen auch. Woher kommen Sie denn?"
"Aus Charlottenburg."
"Ich wohne in Hermsdorf."
Betretenes Schweigen. Mir fällt auf, dass mein Gesprächspartner denken könnte, ich meinte ein Dorf außerhalb Berlins.
"Im Norden, kurz vor Frohnau. An der S1." konkretisiere ich.
"Ah." antwortet er, und ich meine, Erleichterung herauszuhören.
"Wann wäre es Ihnen denn Recht?" will er wissen, und wir verabreden, dass ich ihn am nächsten Tag nach meiner Fahrt nach Spandau der Einfachheit halber am S-Bahnhof abhole, weil es zu Fuß doch ein wenig unbequem ist, vor allem zurück, mit den Platten unterm Arm.
"Also, dann bis morgen, 17.04 Uhr, am Ausgang Schlossplatz."
"Bis morgen."
Nachmittags fahren Johannes und ich los. Ein Freund borgt mir zwei Katalyt-Öfen, damit ich das Häuschen heizen kann. Es ist doch recht frisch geworden in den letzten Tagen, heute nacht sollen es -20°C werden. Auf dem Weg von Spandau zurück passieren wir eine Filiale einer bekannten Fastfood-Kette.
"Mama, bitte, können wir uns nicht was holen da? Bitte! Ich lauf auch rein, und mache ganz schnell!" Seit einer Woche habe ich schon Appetit auf Pommes mit Mayo. Ich kann Johannes nicht widersprechen.
"Beeil dich, um 4 nach 5 muss ich am S-Bahnhof sein."
Er beeilt sich. Stilvollendet verzehren wir das erworbene Fastfood während der Fahrt. Es schmeckt lecker, kann man nicht anders sagen. Alle paar Monate freuen wir uns über diese Form der Nahrungsdarreichung. Mein Handy macht mich seit einer halben Stunde auf den fast leeren Akku aufmerksam. In der Eile versäume ich, die Nummer von Alois auf Johannes Handy zu übertragen. Nun fiept es ein letztes Mal, und geht dann aus.
Ich setze Johannes zu Hause ab und düse zum S-Bahnhof. 4 Minuten zu spät. Ich rechne damit, dass Alois ja noch eine Minute zum Ausgang braucht, drei Minuten Verspätung sind ja auszuhalten, selbst bei der Kälte heute.
Als ich auf den Bahnhofsplatz einbiege, sehe ich dort schon einen Mann warten. Ich halte direkt vor ihm und öffne schwungvoll die Beifahrertür.
"Hallo! Sorry, ich bin ein bisschen verspätet. Ich komme direkt aus Spandau!"
"Aus Spandau?" wundert sich der Mann, er hat das wohl vergessen, und ergänzt "Ist völlig OK, ich warte ja noch nicht lange. Hallo erstmal."
"Na dann, steig mal ein."
Das tut er. Wir schütteln uns zur Begrüßung die Hände.
"Bitte anschnallen. Kann sein, dass der Gurt in der Tür eingeklemmt ist" setze ich nach, als ich sehe, dass sein Ziehen am Gurt keinen Erfolg zeigt.
So ist es auch. Er schnallt sich an und ich fahre los.
"Und, wie war die Fahrt?"
"Gut. Es gab keine Verspätung. Die S-Bahn ist pünktlich gefahren. Umsteigen ging gut, ist prima gelaufen."
"Wow!" staune ich "Wirklich? Bei dem Wetter hätte ich das gar nicht vermutet. Wie lange hast du denn gebraucht?"
"Eine Stunde." sagt er. "Das geht, letztes Mal habe ich anderthalb Stunden gebraucht."
Ich wundere mich ein bisschen. Ich dachte, er kennt Hermsdorf noch gar nicht. Na, dann habe ich das wohl falsch verstanden. Ich mein, wenn er schonmal hier war.
"War da Schienenersatzverkehr? Oder warum hat es so lange gedauert?"
"Ja, mit Umsteigen in einen Bus, und später zurück in die S-Bahn."
Na also, er war wirklich schon hier.
"Oh, ich habe jetzt gar keine Taschenlampe mit, fällt mir gerade ein. Ich hoffe, wir können die Platten deutlich genug sehen." gebe ich zu Bedenken.
"Ach, geht schon, so dunkel ist es ja noch nicht." erwidert er.
Ja, da hat er wohl Recht. Geht schon. Muss ja, denn die Lampe liegt nunmal zu Hause, in meiner anderen Tasche.
Während ich uns durch die verschneiten Hermsdofer Straßen manövriere, schweigen wir ein wenig.
"Was für ein Kunstprojekt ist das denn genau, was du da machst?" versuche ich ein Gespräch zu knüpfen.
"Wie? Kunstprojekt?" fragt er und schaut irritiert aus.
"Na, das Projekt für das du die Styroporplatten brauchst." anworte ich. "Die Klanginstallation."
Komischer Kauz. Etwas vergesslich wie mir scheint.
"Ich frage mich gerade, ob ich im richtigen Auto sitze..." sagt er, und schaut mich ratlos an.
"Was? Wieso? Äh, wie heißt du denn?"
"Michael."
"Nein! Was?? Michael? Ich wollte einen Alois abholen!" Ich lache laut auf. "Super!"
"Oh.. das gibt's ja nicht!" findet Michael. "Das darf man ja niemand erzählen."
"Aber ja doch. Das ist doch eine geniale Geschichte!!" freue ich mich, während ich den Wagen wende. "Dann fahren wir mal zurück. Ohje, der arme Alois, ob der wohl noch da ist?" Mein Handy ist ja bedauerlicherweise leer.
"Kennst du denn den, den du abholen wolltest, gar nicht?"
"Nein! Wir haben nur telefoniert? Und du?"
"Ich dachte, du bist die Tochter meiner Freundin. Hoffentlich ist sie noch am Bahnhof. Ist das peinlich."
Gut, dass ich mir Peinlichkeit abgewöhnt habe.
"Ach was, das ist die beste Geschichte des Tages." freue ich mich ungebrochen.
Als ich Alois suche, finde ich ihn nicht. Der Arme. Den ganzen Weg umsonst gemacht, wie frustrierend das sein muss. Schnell fahre ich nach Hause. Als ich ihn von Johannes Handy aus erreiche, eröffnet er mir, dass er erst in Wittenau ist. Die S-Bahnen hatten Verspätung. Puh, Glück gehabt, Alois. Und besonders ich.
Johannes und ich winken Alois nach, als wir ihn später mit seinen Styroporplatten am S-Bahnhof absetzen. Styropor ist nützlich. Für die Kunst ebenso wie für die Geschichten, die mein Leben schreiben.
Mittwoch, 15. Dezember 2010
66 Lambda λ zieht ein
Heute habe ich gelernt, wie man Zeitangaben für die Lieferung nicht machen sollte, wenn man unpassenden Interpretationsspielraum, der sich dann in verspäteter Lieferung bemerkbar macht, vermeiden möchte.
"Am Dienstag schaffen wir es nur noch spät mit der Lieferung." sagte der Verkäufer zu mir, als ich meine Bestellung für Dämmmaterial am Freitag abgebe.
"Ist Ok." antworte ich, "Mittwoch reicht auch noch. Dann aber früh."
"Ok, ich setze Sie gleich auf 7.00 Uhr."
"Oh, das ist etwas früh. Ab neun ist es besser, um neun reicht."
Um 9.00 Uhr warten wir an der Straße auf den LKW. Ludwig war schon etwas eher da, um alles für die Lieferung und die heutige Arbeit vorzubereiten. Der Schnee fällt in dicken, samtigweichen Flocken. Wirklich schön! Und wirklich unpassend, falls man an den Verkehrsfluss auf den Straßen in und um Berlin denkt. Nach einer halben Stunde sind meine Füße in dem hübschen Schneegestöber bereits taub geworden.
"Ich geh mal rein Ludwig."
Ludwig entscheidet sich, an der Straße zu warten.
"Immer no koina da." äußert er sich, als er ein paar Minuten später durch die Tür tritt.
Wir warten. Gehen mal vor zur Straße. Und wieder zurück. Zwischendurch überlegen wir, was wir in der Zwischenzeit tun könnten. Nichts macht Sinn, weil wir sonst die Säge wieder aufbauen müssten, die wir ja eigens für die Dämmungsarbeiten heute abgebaut haben.
Um 10 vor 10 frage ich telefonisch nach.
"Der Fahrer steht gerade neben mir."
"Wie bitte? Er wollte um 9 hier sein."
"Er kommt gerade von einer anderen Tour. Und, Sie können es sich denken, das Wetter."
"Wann ist er denn dann hier?"
"In einer Stunde."
Eine Stunde. Also warten wir weiter. Ludwig reißt sich sehr zusammen, um die verlorenen Zeit nicht ständig zu erwähnen.
"Zwei Stunden!" sagt er immer wieder "Wir haben zwei Stunden verloren. Ich sag Dir, die haben uns einfach ans Ende der Liefertour gesetzt. Ich kenne diese Tourplaner."
Dann steht der Lastwagenfahrer endlich am Törchen und lacht. Fast zweieinhalb Stunden später als erwartet.
"Um neun wollten Sie hier sein!" Ludwig ist einen Hauch von entrüstet.
"Ab neun steht bei mir. Das heißt für mich zwischen 9 und 19 Uhr."
"Das ist nicht Ihr Ernst," gebe ich zu bedenken. "Um neun Uhr hatte ich gesagt. Wir haben keine andere Arbeit zu tun heut und warten hier seit 9.00 Uhr aus Sie."
"Oh, das tut mir leid!" erwidert der strahlende Fahrer.
Man kann ihm nicht wirklich böse sein. Dass er uns noch hilft, die Rollen zum Haus zu tragen, seine letzte Lieferung auf dem Wagen übrigens, macht es ein bisschen besser, wenn auch nicht viel. Und dass wir dann noch gwschind zum Baumarkt müssen, um ein größeres Messer zu kaufen für das neue Dämmmaterial, auch nicht.
"Drei Stunden!" sagt Ludwig "Wir haben drei Stunden verloren."
"Am Dienstag schaffen wir es nur noch spät mit der Lieferung." sagte der Verkäufer zu mir, als ich meine Bestellung für Dämmmaterial am Freitag abgebe.
"Ist Ok." antworte ich, "Mittwoch reicht auch noch. Dann aber früh."
"Ok, ich setze Sie gleich auf 7.00 Uhr."
"Oh, das ist etwas früh. Ab neun ist es besser, um neun reicht."
Um 9.00 Uhr warten wir an der Straße auf den LKW. Ludwig war schon etwas eher da, um alles für die Lieferung und die heutige Arbeit vorzubereiten. Der Schnee fällt in dicken, samtigweichen Flocken. Wirklich schön! Und wirklich unpassend, falls man an den Verkehrsfluss auf den Straßen in und um Berlin denkt. Nach einer halben Stunde sind meine Füße in dem hübschen Schneegestöber bereits taub geworden.
"Ich geh mal rein Ludwig."
Ludwig entscheidet sich, an der Straße zu warten.
"Immer no koina da." äußert er sich, als er ein paar Minuten später durch die Tür tritt.
Wir warten. Gehen mal vor zur Straße. Und wieder zurück. Zwischendurch überlegen wir, was wir in der Zwischenzeit tun könnten. Nichts macht Sinn, weil wir sonst die Säge wieder aufbauen müssten, die wir ja eigens für die Dämmungsarbeiten heute abgebaut haben.
Um 10 vor 10 frage ich telefonisch nach.
"Der Fahrer steht gerade neben mir."
"Wie bitte? Er wollte um 9 hier sein."
"Er kommt gerade von einer anderen Tour. Und, Sie können es sich denken, das Wetter."
"Wann ist er denn dann hier?"
"In einer Stunde."
Eine Stunde. Also warten wir weiter. Ludwig reißt sich sehr zusammen, um die verlorenen Zeit nicht ständig zu erwähnen.
"Zwei Stunden!" sagt er immer wieder "Wir haben zwei Stunden verloren. Ich sag Dir, die haben uns einfach ans Ende der Liefertour gesetzt. Ich kenne diese Tourplaner."
Dann steht der Lastwagenfahrer endlich am Törchen und lacht. Fast zweieinhalb Stunden später als erwartet.
"Um neun wollten Sie hier sein!" Ludwig ist einen Hauch von entrüstet.
"Ab neun steht bei mir. Das heißt für mich zwischen 9 und 19 Uhr."
"Das ist nicht Ihr Ernst," gebe ich zu bedenken. "Um neun Uhr hatte ich gesagt. Wir haben keine andere Arbeit zu tun heut und warten hier seit 9.00 Uhr aus Sie."
"Oh, das tut mir leid!" erwidert der strahlende Fahrer.
Man kann ihm nicht wirklich böse sein. Dass er uns noch hilft, die Rollen zum Haus zu tragen, seine letzte Lieferung auf dem Wagen übrigens, macht es ein bisschen besser, wenn auch nicht viel. Und dass wir dann noch gwschind zum Baumarkt müssen, um ein größeres Messer zu kaufen für das neue Dämmmaterial, auch nicht.
"Drei Stunden!" sagt Ludwig "Wir haben drei Stunden verloren."
| Lambda λ zieht ein. Tatsächlich und wirklich!! |
| Ludwig trägt die Rolle |
| ...und ich mache mir den Schnee zunutze. |
Montag, 13. Dezember 2010
65 Es ist vollbracht
Der Ringanker ist drauf. Er ist drauf, drauf, drauf! Fertig, rundum! U-Steine gemauert, Stahl rein, Beton gegossen. Nicht zu vergessen der Wärmedraht, geniale Idee. Wie man sich vorstellen kann, ist es der schönste Ringanker der Welt! Logisch, und natürlich völlig wertfrei gewertet. Weil er sich ja auf der Mauer meines Häuschens befindet, und gerade noch so vor dem richtigen Wintereinbruch fertig geworden ist.
Die Sonne scheint, als ich in den Garten komme. Die Musketiere zeigen bereits vollen Einsatz im Kampf der Gerechten. Dabei ergänzen sie sich wunderbar: Athos mauert, Porthos sägt die Steine zu, während Aramis das Ganze durch aktive Beihilfe steuert.
Porthos sieht mit seiner steinstaubbenetzten Zipfelmütze eher wie ein Schlumpf aus.
"Wenn der Mörtel knapp werden sollte, kein Problem," verlautet er in die Runde "ich habe davon noch reichlich in der Nase."
Ich bin überglücklich und schenke eine Runde frisch gebrühten Schutzengeltee aus. Das kann nur helfen, den Männern ebenso wie ihrem Werk. Als wir mit unserem Tee im großen Raum stehen, der endlich auch so etwas ähnliches wie warm ist, seit ich den Schalter decodiert und dabei herausgefunden habe, dass es außer -Aus, -kalte Luft pusten auch noch einen dritten Zustand gibt, nämlich -warme Luft pusten, betritt Musketier Ludwig den Raum. Er ist der Obermusk ( ...sagt man hier auch -etier?), weil er jede Woche aus Bayreuth angefahren kommt. Bei den anderen, und bei mir sowieso, erfreut er sich höchsten Respekts.
"Ah, Ludwig. Auch schon da?"
Der Ton zwischen den Ketieren ist rauh, das war mir schon zuvor aufgefallen.
"Hhh."antwortet Ludwig wortkarg. Das kleine Lächeln in seinen Mundwinkeln verrät allerdings seine Freude.
"Na, Ludwig, lass dir nich von der Arbeet abhalten. Oder schämste dir etwa, dir hier nackich vor uns umzuziehen ?"
"Fff." sagt Ludwig, glaube ich.
"Nun lasst ihn doch erstmal ankommen!" verteidige ich ihn. "Ihr seid ja nette Bauzicken"
Das sage ich aber nicht, auch wenn es gut gepasst hätte.
Abends kontrolliere ich nochmal den Wärmedraht, erfreue mich an seiner Temperatur, weil ich weiß, dass sie ihren Teil dazu beiträgt, dass die Mauer gelingt, und dann fahre ich glücklich und zufrieden nach Hause. Es ist vollbracht.
Die Sonne scheint, als ich in den Garten komme. Die Musketiere zeigen bereits vollen Einsatz im Kampf der Gerechten. Dabei ergänzen sie sich wunderbar: Athos mauert, Porthos sägt die Steine zu, während Aramis das Ganze durch aktive Beihilfe steuert.
Porthos sieht mit seiner steinstaubbenetzten Zipfelmütze eher wie ein Schlumpf aus.
"Wenn der Mörtel knapp werden sollte, kein Problem," verlautet er in die Runde "ich habe davon noch reichlich in der Nase."
Ich bin überglücklich und schenke eine Runde frisch gebrühten Schutzengeltee aus. Das kann nur helfen, den Männern ebenso wie ihrem Werk. Als wir mit unserem Tee im großen Raum stehen, der endlich auch so etwas ähnliches wie warm ist, seit ich den Schalter decodiert und dabei herausgefunden habe, dass es außer -Aus, -kalte Luft pusten auch noch einen dritten Zustand gibt, nämlich -warme Luft pusten, betritt Musketier Ludwig den Raum. Er ist der Obermusk ( ...sagt man hier auch -etier?), weil er jede Woche aus Bayreuth angefahren kommt. Bei den anderen, und bei mir sowieso, erfreut er sich höchsten Respekts.
"Ah, Ludwig. Auch schon da?"
Der Ton zwischen den Ketieren ist rauh, das war mir schon zuvor aufgefallen.
"Hhh."antwortet Ludwig wortkarg. Das kleine Lächeln in seinen Mundwinkeln verrät allerdings seine Freude.
"Na, Ludwig, lass dir nich von der Arbeet abhalten. Oder schämste dir etwa, dir hier nackich vor uns umzuziehen ?"
"Fff." sagt Ludwig, glaube ich.
"Nun lasst ihn doch erstmal ankommen!" verteidige ich ihn. "Ihr seid ja nette Bauzicken"
Das sage ich aber nicht, auch wenn es gut gepasst hätte.
Abends kontrolliere ich nochmal den Wärmedraht, erfreue mich an seiner Temperatur, weil ich weiß, dass sie ihren Teil dazu beiträgt, dass die Mauer gelingt, und dann fahre ich glücklich und zufrieden nach Hause. Es ist vollbracht.
Samstag, 11. Dezember 2010
64 Ein Hoch auf ATIKA
Meistens bin ich gegen Schleichwerbung. Heute mache ich allerdings gerne eine Ausnahme. Es geht um die ATIKA Maschinenfabrik von Wilhelm Pollmeier in der, man beachte, Schinkelstraße in 59227 Ahlen.
Jüngst hatte ich in einem namhaften Baumarkt eine Zug-, Kapp- und Gehrungssäge im Sonderangebot erstanden. Die Säge war nicht nur leistungsstärker als die der Konkurrenz, sie lieferte sogar noch ein Sägeblatt zusätzlich. Also, ein gutes Angebot. Bedauerlicherweise ließ Newton schon beim ersten Gebrauch grüßen. Durch ein Missgeschick fiel sie der Erdanziehungskraft anheim und in der Folge verbog sich ein wichtiges Teil. Ich nahm die Bedienungsanleitung mit nach Haus und rief am nächsten Werktag, Dienstag also, bei ATIKA an.
"Guten Tag, Christiane Schinkel hier. Ich habe da eine schöne Säge von Ihnen gekauft. Ich bin auch sehr zufrieden. Nur ist sie mir gleich am ersten Tag runter gefallen, und jetzt ist ein Teil verbogen. Ich wollte fragen, ob ich ein neues von Ihnen bekommen könnte."
"Da verbinde ich Sie mal mit dem Kundendienst."
"Ja, danke."
"Müller."
"Christiane Schinkel, guten Tag Herr Müller. Ich habe da eine schöne Säge von Ihnen gekauft. Ich bin auch sehr zufrieden. Nur ist sie mir gleich am ersten Tag runter gefallen, und jetzt ist ein Teil verbogen. Ich wollte fragen, ob ich ein neues von Ihnen bekommen könnte."
"Welches Modell haben Sie denn?"
"KGSZ 255."
"Ah ja, um welches Teil geht es denn?" fragt der Kundendienstmann.
"Also, es ist ein schwarzes flaches Metallteil. Das liegt genau neben dem Sägeblatt und schiebt den Plastikschutz hoch, wenn man das Sägeblatt runterzieht."
"Hat es links ein Loch, und dann kommt eine Erhöhung, so wie ein Berg?"
"Ja, etwa 5 cm geht es 1 cm stark waagerecht und dann wird es breiter, wie die Zeichnung vom kleinen Prinzen."
"Und unter dem Berg ist noch eine Öffnung, in der gleichen Form."
"Ja, genau!"
"Das haben wir gar nicht als Ersatzteil."
"Das kann ich mir gut vorstellen. Normalerweise geht so etwas sicher nicht kaputt. Nur, beim dem Sturz hintenüber hat das Teil die ganze Wucht abbekommen. Ludwig hat es auch wieder zurecht gehämmert, aber irgendwie kriegen wir es nicht richtig hin. Es hakt."
"Ich schaue mal, ob wir eine Säge mit Transportschaden haben. Da können wir es ausbauen. Wie ist denn Ihre Adresse?"
Ich nenne ihm meine Daten und er verspricht, sich zu kümmern.
"Vielen Dank."
"Gerne, Frau Schinkel. Auf Wiederhören."
"Eine schöne Adventszeit! Auf Wiederhören."
Als ich meinen Briefkasten heute leere, finde ich einen kleinen braunen Umschlag von der ATIKA Maschinenfabrik. Inhalt ist ein kleines flaches schwarzes Metallteil das links ein Loch hat und dann kommt eine Erhöhung, so wie ein Berg. Auf dem Lieferschein steht: Ihr Auftrag vom 08.12.2010., telef., kostenlos. Ich bin begeistert!
ATIKA hat sich verdient, in meinem Blog einen ehrenvollen Platz zu bekommen: Danke ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA in der Schinkelstraße 97.
Jüngst hatte ich in einem namhaften Baumarkt eine Zug-, Kapp- und Gehrungssäge im Sonderangebot erstanden. Die Säge war nicht nur leistungsstärker als die der Konkurrenz, sie lieferte sogar noch ein Sägeblatt zusätzlich. Also, ein gutes Angebot. Bedauerlicherweise ließ Newton schon beim ersten Gebrauch grüßen. Durch ein Missgeschick fiel sie der Erdanziehungskraft anheim und in der Folge verbog sich ein wichtiges Teil. Ich nahm die Bedienungsanleitung mit nach Haus und rief am nächsten Werktag, Dienstag also, bei ATIKA an.
"Guten Tag, Christiane Schinkel hier. Ich habe da eine schöne Säge von Ihnen gekauft. Ich bin auch sehr zufrieden. Nur ist sie mir gleich am ersten Tag runter gefallen, und jetzt ist ein Teil verbogen. Ich wollte fragen, ob ich ein neues von Ihnen bekommen könnte."
"Da verbinde ich Sie mal mit dem Kundendienst."
"Ja, danke."
"Müller."
"Christiane Schinkel, guten Tag Herr Müller. Ich habe da eine schöne Säge von Ihnen gekauft. Ich bin auch sehr zufrieden. Nur ist sie mir gleich am ersten Tag runter gefallen, und jetzt ist ein Teil verbogen. Ich wollte fragen, ob ich ein neues von Ihnen bekommen könnte."
"Welches Modell haben Sie denn?"
"KGSZ 255."
"Ah ja, um welches Teil geht es denn?" fragt der Kundendienstmann.
"Also, es ist ein schwarzes flaches Metallteil. Das liegt genau neben dem Sägeblatt und schiebt den Plastikschutz hoch, wenn man das Sägeblatt runterzieht."
"Hat es links ein Loch, und dann kommt eine Erhöhung, so wie ein Berg?"
"Ja, etwa 5 cm geht es 1 cm stark waagerecht und dann wird es breiter, wie die Zeichnung vom kleinen Prinzen."
"Und unter dem Berg ist noch eine Öffnung, in der gleichen Form."
"Ja, genau!"
"Das haben wir gar nicht als Ersatzteil."
"Das kann ich mir gut vorstellen. Normalerweise geht so etwas sicher nicht kaputt. Nur, beim dem Sturz hintenüber hat das Teil die ganze Wucht abbekommen. Ludwig hat es auch wieder zurecht gehämmert, aber irgendwie kriegen wir es nicht richtig hin. Es hakt."
"Ich schaue mal, ob wir eine Säge mit Transportschaden haben. Da können wir es ausbauen. Wie ist denn Ihre Adresse?"
Ich nenne ihm meine Daten und er verspricht, sich zu kümmern.
"Vielen Dank."
"Gerne, Frau Schinkel. Auf Wiederhören."
"Eine schöne Adventszeit! Auf Wiederhören."
Als ich meinen Briefkasten heute leere, finde ich einen kleinen braunen Umschlag von der ATIKA Maschinenfabrik. Inhalt ist ein kleines flaches schwarzes Metallteil das links ein Loch hat und dann kommt eine Erhöhung, so wie ein Berg. Auf dem Lieferschein steht: Ihr Auftrag vom 08.12.2010., telef., kostenlos. Ich bin begeistert!
ATIKA hat sich verdient, in meinem Blog einen ehrenvollen Platz zu bekommen: Danke ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA ATIKA in der Schinkelstraße 97.
Freitag, 10. Dezember 2010
63 Grundlos optimistisch
Heute morgen bin ich ein wenig nervös. Wie hat Werner wohl entschieden? Wie geht es weiter mit dem Ringanker? Mauern sie? Oder nicht? Als ich aufwache, springe ich sofort aus meinem Bett und gehe schnurstracks zum Telefon. Werners Anschluss ist besetzt. Da weiß ich, dass er gerade für mich telefoniert. Natürlich weiß ich es nicht, und doch weiß ich es, und deshalb beschließe ich zu warten. Nach 10 Minuten ruft er an.
"Hallo und einen guten Morgen!" grüßt er mich, und da weiß ich schon, dass es nichts wird mit der Mauerei. Natürlich weiß ich es nicht.
"Weißt Du," holt er aus, "ich habe heute nacht noch Fachbücher gewälzt, und mich heut um halb sechs mit Rolf besprochen. Wir haben eben noch telefoniert. Ich kann es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Es ist zu kalt. Das Risiko ist zu groß. Das kann ich nicht vor mir verantworten."
"Ja Werner, das kann ich verstehen." sage ich, denn das tue ich. Die Wörter fühlen sich an wie Watte in meinem Mund. Ein kleiner Film läuft in meinem Gehirn ab, und ich zeige derweil Ludwig, der mich gespannt anschaut, den Daumen nach unten. Reglos nimmt er diese Information auf.
"Es ist einfach zu kalt."
"Aber am Wochenende sollen Plusgrade kommen" sage ich, so als ob ich ihm einen neuen Aspekt eröffnen könne, der alles richtig rücken kann.
"Das tut nicht viel, das Material ist ja auf Minus eingefroren. Jeglicher Versuch den Beton zum Binden zu bringen, scheitert daran. Selbst wenn wir die Steine vorher anwärmen. Das wäre eine Möglichkeit, wir müssten die Steine drinnen aufwärmen, mit dem Brenner die Schicht draußen anwärmen, ach, aber das sind alles Notkrücken. Möglich wäre es vielleicht. Warten wir mal ab."
"Ja." Mir gefriert meine Stimme, wird brüchig, so wie die Steine und der Beton von dem wir reden.
"Ich weiß wie enttäuschend das für Dich ist, aber ich kann nicht anders entscheiden. Und vielleicht wird das Wetter ja wieder besser."
Die 16-Tage Vorschau vermittelt ein anderes Bild. Aber, man weiß ja nie.
"Das Wetter kann ja auch anders werden, als sie ansagen." versucht Werner mich zu ermutigen.
"Ja, Werner, das weiß ich und ich danke dir sehr für deine Entscheidung. Ich weiß, dass sie dir schwer fällt."
"Ja, Christiane. So ist das manchmal. Wetter ist Wetter. Lass das Nachdenken sein, das hilft nicht."
Allein der Gedanke, dass er nach seiner Sause mit einem Freund gestern Abend um halb 12 nachts noch Fachbücher für mich wälzt, und schon um halb sechs Uhr früh wieder in meiner Angelegenheit telefoniert, rührt mich zutiefst. Wieviel Liebe zu seiner Aufgabe darin steckt. Der Mut, diese nachhaltig schwierige Entscheidung zu treffen, beschert ihm meinen Respekt und meine Dankbarkeit.
Als ich den Hörer auflege, stehe ich da, einfach so. Die Gedanken rattern mir durch den Kopf. Kein Ringanker, ab nächster Woche kalt und kälter, kein Dach, Weihnachten, Feiertage, kein Dach, alles nass, kalt und klamm, offener Rohbau.
"So eine ---(zensiert)---!" heule ich auf. "Warum mache ich das alles? Nichts klappt. Ein Tag, nur EIN Tag fehlt. Das kann doch nicht wahr sein! Keine Mauer, kein Dach und noch nichtmal der Gasanschluss. Dann kann ich es auch ganz lassen. Alles geht doch kaputt. Ich kann nicht weiter machen. Im April einziehen kann ich vergessen."
Ludwig lächelt still und verständnisvoll.
"Nu b'ruhig dich amal. Wer weiß, v'lleicht wirds Wedder no besser. V'lleicht kriagn sies ja doch no ferdich. Wart amal ab."
Während ich Frühstück bereite, achte ich außerordentlich auf meine Gedanken und Gefühle. Dabei bemerke ich, dass es eine große Bereitschaft in mir gibt, mich der Desillusion, Enttäuschung und Unzufriedenheit hinzugeben. Und genau das beschließe ich zu vermeiden. Stattdessen pflege ich ununterbrochen bewusst eine künstliche, völlig grundlos optimistische Haltung. Jedes Mal, wenn sich meine Gedanken pessimistischen Inhalten zuwenden, stoppe ich sie, und denke: "Optimistisch bleiben. Es wird gut. Ich bekomme mein Dach, noch vor Weihnachten, wie geplant. Grundlos optimistisch bleiben."
Mittags klingelt das Telefon.
"Hallo, hier ist Werner."
"Werner?! Was gibt's?"
"Ich hatte da vorhin so eine Idee. Man macht das bei Klempnerarbeiten, wenn es friert. Und ich habe überlegt, wir könnten das für uns nutzen. Es gibt da so Wärmedrähte, mit denen umwickelt man die Leitungen, damit sie nicht frieren."
"Ja?"
"Und da habe ich mal ein bisschen rumtelefoniert."
"Ja?"
"Im ersten Geschäft hatten sie welchen, aber nur zweimal 3 Meter. Das ist zu wenig."
"Ja?"
"Im nächsten Geschäft hatten sie ihn gar nicht."
"..."
"Und dann bin ich zu einem dritten gefahren. Dort habe ich zweimal 9 Meter gekauft. Die mauern wir mit ein. Später kann man sie abschneiden."
"Ja?" Ich wage kaum, etwas anderes zu sagen. "Das ist ja toll!!!"
"Montag fangen wir an."
"Wirklich? Werner! Ja? Montag?"
"Wann kommt der Zimmermann?"
"Am Donnerstag."
"Montag, Dienstag, Mittwoch. Passt. Drei Tage muss der Beton aushärten. "
"Ja!"
"Na, dann sehen wir uns Montag."
"Werner, du bist ein Schatz!"
Werner lacht verlegen. Aber er widerspricht mir nicht. Zu Recht.
Ich hüpfe im Kreis und juchze. Wie gut, dass ich auf grundlosen Pessimismus verzichtet habe. Nicht nur, dass ich den Morgen so gut überstanden habe mit meinem gepflegten grundlosen Optimismus, es hat sich sogar aus dem Nichts eine so unerwartete Lösung ergeben, dass ich darauf sowieso nicht hätte kommen können. Irgendwie schwant mir ein Zusammenhang. Aber natürlich weiß ich es nicht.
P.S. Mein online Horoskop hat schon die letzten Tage immer gut getroffen. Dieses hier will ich mir merken:
You may need to make an important decision regarding issues concerning work or wellness today, Libra, and it would be a good idea for you to get a broader overview of the situation before you make that decision. Rather than thinking the issue to death, get an expert opinion, and be willing to take action on the basis of your acceptance or rejection of this opinion. This is especially true if this is an issue concerning a co-worker, or someone working for you. Don't use this decision making process as an excuse to put off a commitment today.
"Hallo und einen guten Morgen!" grüßt er mich, und da weiß ich schon, dass es nichts wird mit der Mauerei. Natürlich weiß ich es nicht.
"Weißt Du," holt er aus, "ich habe heute nacht noch Fachbücher gewälzt, und mich heut um halb sechs mit Rolf besprochen. Wir haben eben noch telefoniert. Ich kann es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Es ist zu kalt. Das Risiko ist zu groß. Das kann ich nicht vor mir verantworten."
"Ja Werner, das kann ich verstehen." sage ich, denn das tue ich. Die Wörter fühlen sich an wie Watte in meinem Mund. Ein kleiner Film läuft in meinem Gehirn ab, und ich zeige derweil Ludwig, der mich gespannt anschaut, den Daumen nach unten. Reglos nimmt er diese Information auf.
"Es ist einfach zu kalt."
"Aber am Wochenende sollen Plusgrade kommen" sage ich, so als ob ich ihm einen neuen Aspekt eröffnen könne, der alles richtig rücken kann.
"Das tut nicht viel, das Material ist ja auf Minus eingefroren. Jeglicher Versuch den Beton zum Binden zu bringen, scheitert daran. Selbst wenn wir die Steine vorher anwärmen. Das wäre eine Möglichkeit, wir müssten die Steine drinnen aufwärmen, mit dem Brenner die Schicht draußen anwärmen, ach, aber das sind alles Notkrücken. Möglich wäre es vielleicht. Warten wir mal ab."
"Ja." Mir gefriert meine Stimme, wird brüchig, so wie die Steine und der Beton von dem wir reden.
"Ich weiß wie enttäuschend das für Dich ist, aber ich kann nicht anders entscheiden. Und vielleicht wird das Wetter ja wieder besser."
Die 16-Tage Vorschau vermittelt ein anderes Bild. Aber, man weiß ja nie.
"Das Wetter kann ja auch anders werden, als sie ansagen." versucht Werner mich zu ermutigen.
"Ja, Werner, das weiß ich und ich danke dir sehr für deine Entscheidung. Ich weiß, dass sie dir schwer fällt."
"Ja, Christiane. So ist das manchmal. Wetter ist Wetter. Lass das Nachdenken sein, das hilft nicht."
Allein der Gedanke, dass er nach seiner Sause mit einem Freund gestern Abend um halb 12 nachts noch Fachbücher für mich wälzt, und schon um halb sechs Uhr früh wieder in meiner Angelegenheit telefoniert, rührt mich zutiefst. Wieviel Liebe zu seiner Aufgabe darin steckt. Der Mut, diese nachhaltig schwierige Entscheidung zu treffen, beschert ihm meinen Respekt und meine Dankbarkeit.
Als ich den Hörer auflege, stehe ich da, einfach so. Die Gedanken rattern mir durch den Kopf. Kein Ringanker, ab nächster Woche kalt und kälter, kein Dach, Weihnachten, Feiertage, kein Dach, alles nass, kalt und klamm, offener Rohbau.
"So eine ---(zensiert)---!" heule ich auf. "Warum mache ich das alles? Nichts klappt. Ein Tag, nur EIN Tag fehlt. Das kann doch nicht wahr sein! Keine Mauer, kein Dach und noch nichtmal der Gasanschluss. Dann kann ich es auch ganz lassen. Alles geht doch kaputt. Ich kann nicht weiter machen. Im April einziehen kann ich vergessen."
Ludwig lächelt still und verständnisvoll.
"Nu b'ruhig dich amal. Wer weiß, v'lleicht wirds Wedder no besser. V'lleicht kriagn sies ja doch no ferdich. Wart amal ab."
Während ich Frühstück bereite, achte ich außerordentlich auf meine Gedanken und Gefühle. Dabei bemerke ich, dass es eine große Bereitschaft in mir gibt, mich der Desillusion, Enttäuschung und Unzufriedenheit hinzugeben. Und genau das beschließe ich zu vermeiden. Stattdessen pflege ich ununterbrochen bewusst eine künstliche, völlig grundlos optimistische Haltung. Jedes Mal, wenn sich meine Gedanken pessimistischen Inhalten zuwenden, stoppe ich sie, und denke: "Optimistisch bleiben. Es wird gut. Ich bekomme mein Dach, noch vor Weihnachten, wie geplant. Grundlos optimistisch bleiben."
Mittags klingelt das Telefon.
"Hallo, hier ist Werner."
"Werner?! Was gibt's?"
"Ich hatte da vorhin so eine Idee. Man macht das bei Klempnerarbeiten, wenn es friert. Und ich habe überlegt, wir könnten das für uns nutzen. Es gibt da so Wärmedrähte, mit denen umwickelt man die Leitungen, damit sie nicht frieren."
"Ja?"
"Und da habe ich mal ein bisschen rumtelefoniert."
"Ja?"
"Im ersten Geschäft hatten sie welchen, aber nur zweimal 3 Meter. Das ist zu wenig."
"Ja?"
"Im nächsten Geschäft hatten sie ihn gar nicht."
"..."
"Und dann bin ich zu einem dritten gefahren. Dort habe ich zweimal 9 Meter gekauft. Die mauern wir mit ein. Später kann man sie abschneiden."
"Ja?" Ich wage kaum, etwas anderes zu sagen. "Das ist ja toll!!!"
"Montag fangen wir an."
"Wirklich? Werner! Ja? Montag?"
"Wann kommt der Zimmermann?"
"Am Donnerstag."
"Montag, Dienstag, Mittwoch. Passt. Drei Tage muss der Beton aushärten. "
"Ja!"
"Na, dann sehen wir uns Montag."
"Werner, du bist ein Schatz!"
Werner lacht verlegen. Aber er widerspricht mir nicht. Zu Recht.
Ich hüpfe im Kreis und juchze. Wie gut, dass ich auf grundlosen Pessimismus verzichtet habe. Nicht nur, dass ich den Morgen so gut überstanden habe mit meinem gepflegten grundlosen Optimismus, es hat sich sogar aus dem Nichts eine so unerwartete Lösung ergeben, dass ich darauf sowieso nicht hätte kommen können. Irgendwie schwant mir ein Zusammenhang. Aber natürlich weiß ich es nicht.
P.S. Mein online Horoskop hat schon die letzten Tage immer gut getroffen. Dieses hier will ich mir merken:
You may need to make an important decision regarding issues concerning work or wellness today, Libra, and it would be a good idea for you to get a broader overview of the situation before you make that decision. Rather than thinking the issue to death, get an expert opinion, and be willing to take action on the basis of your acceptance or rejection of this opinion. This is especially true if this is an issue concerning a co-worker, or someone working for you. Don't use this decision making process as an excuse to put off a commitment today.
Donnerstag, 9. Dezember 2010
62 Solche Tage gibt es auch
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| Der Schornsteinfeger bringt Glück. Und an der Gartenpforte hängt ein Nikolaus. |
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| Der Ofen brennt. Wenn auch nur kurz. |
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| Dach verschalen, Aufhängung wegflexen. |
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| Werner zeigt das Fundstück, das er in die Wand eingebaut fand. |
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| Der Nikolaus zieht ein in unser Haus. |
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| Meine Zug-, Gehrungs- und Kappsäge, tapfer trotz ihrer Lädierung vom Vortag. |
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| Styropor-Women! |
"Ach." erwidere ich. Mehr fällt mir im Moment einfach nicht ein. Eigentlich wäre dieser Moment wie gemacht für ein Sappalot.
Der Gasag Mann kann mir keine verbindliche Aussage machen, zu wann ich die Gasleitung geschossen bekommen kann.
"Das hängt vom Wetter ab."
"Wie meinen Sie?" frage ich, aber eigentlich kenne ich die Antwort.
"Wenn es friert, kann man die Leitung nicht legen."
Die Wetter.com Vorhersage ist für alle Wintersportfans eine Augenweide. Ich bin derzeit kein Wintersportfan. In einem kurzen Moment ist mir zum Heulen zumute. Auch wenn ich weiß, dass es gar nicht hilft. Deshalb höre ich gleich wieder auf damit. Trotzdem, so ein Momentchen des Selbstmitleids darf ich mir ja wohl mal leisten. Das kommt ja nicht von ungefähr, immerhin bin ich Bauherrin und Bauleiterin in einem, und dabei ahnungslos wie ein frisch geschlüpftes Küken.
Piep.
Ich erfahre, wie das Wetter in den nächsten Tagen werden soll. Als Werner mir auf meine Frage nach dem letzten fehlenden Teil der Mauer, dem Ringanker, kurz am Telefon erklärt, er ist nämlich eigentlich gar nicht da, dass das doch derzeit alles keinen Sinn macht, weil das Wetter so mies ist, da verändert sich meine Stimmung.
"Da fehlen einfach mal 4 Wochen." sagt er.
Und natürlich hat er Recht. Unter den jetzigen Bedingungen ist alles mühsamer, dauert länger und die Kälte behindert den Bau. Der Dachdecker will nächste Woche das Dach bauen, wir sind prima im Zeitplan, ohne Ringanker ist das allerdings unmöglich.
Ich rufe Werner noch zweimal an, und spreche in seiner Vertretung mit seiner netten Schwägerin. Sie hat vollstes Verständnis für mein Anliegen und mich, das hilft mir jedoch nicht wirklich weiter.
Ich brauche einen Ringanker, und der muss vor Donnerstag 3 Tage getrocknet haben. Außerdem muss es trocken sein, Regen oder Schnee sind also am Tage der Maurerei auszuschließen.
"Na, wie sagt man so schön," sagt Werners Schwägerin am Ende unseres Telefonats "Überlassen wir es mal dem Schicksal, und schauen, ob es das Schicksal gut mit Ihnen meint."
"Danke." bringe ich nur heraus und frage mich schon, wie wohl die Antwort sein wird. Trotz allen Pessimismus glaube ich daran, dass es schon klappen wird. Ich bekomme den Ringanker, das Dach, und die neuen Fenster. Ganz nach Plan.
Als ich dem Dachdecker abends zusage, teilt er mir mit, dass ich doch die Form des Daches bekomme, die ich gern gehabt hätte. Ich hatte mich schon mit der B-Version versöhnt, jetzt wird es doch A. Ein Grund zur Freude. Derweil brennt in der Küche das Essen an. Der Schaden ist jedoch noch so klein, dass ich den Großteil retten kann. Später sagt Ludwig, dass das Essen sehr lecker gewesen ist.
Am Ende des Tages ich jetzt froh, dass er um ist. Und morgen ist ein neuer Tag. Zum Glück.
Dienstag, 7. Dezember 2010
61 Wenn die Säge Salto macht
Nach einer kurzen betriebsbedingten Schließung am 2. Advent öffnet 'the Haus' am Montag wieder sein Türchen. Als ich um 12.30 Uhr eintreffe, sind der Dachdecker und Ludwig schon da und sichten die Bedingungen, um die weiteren Pläne zu besprechen. Ich wundere mich, um 9.00 Uhr hatte Ludwig noch aus Bayreuth angerufen, um mir zu sagen, dass er jetzt losfährt. Er muss geflogen sein. Und auch diesmal hat er wieder Selbstgebackenes im Gepäck: Zwei halbe Torten! Einmal Käsekuchen mit Mandarinen und und außerdem Espresso-Käsekuchen. Genial.
Die Frau des Dachdeckers ist beeindruckt.
"Was hier in den letzten zwei Wochen passiert ist, ist der Hammer!"
"Ja?" frage ich vorsichtig, obwohl ich das natürlich auch finde. Aber ich finde vieles Hammer, gerade Tags zuvor hatte mich Werner aufgefordert, nicht immer so begeistert zu sein.
"Wow!" hatte ich angesichts der sich zügig formatierenden Mauer ausgerufen, "Wie toll das aussieht!"
"Ja ja," sagte er, "Immer mit der Ruhe und mal halblang mit der Begeisterung."
"Warum?" fragte ich ihn erstaunt.
"Na, begeistert kannst Du sein, wenn es richtig los geht hier."
Wie meint er das denn? Wenn es richtig los geht? Ich finde, es geht seit Wochen richtig los hier.
"Ja," sagt also die Frau des Dachdeckers "wenn man bedenkt, wie es letztes Mal hier aussah. Und das bei der Kälte! Das ist doch doll!"
Sie kann sich genauso freuen wie ich, das macht Spaß. Und sie sieht eben auch die großen Fortschritte, die in den kleinen Dingen stecken. Zusammen machen wir die Runde durchs Häuschen und ich erfreue mich an ihrem Staunen. Sie hat ja so Recht.
Als sie und ihr Mann fahren, habe ich das erste Mal eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie das Dach aussehen wird. Hammer!
Ludwigs Wochenziel ist die Isolierung des Dachs im großen Raum. Stundenlang sägt er mit der Handkreissäge Bretter auf exaktes Maß. Und dann packt er meine Zug-, Kapp- und Gehrungssäge aus. Ein schönes Werkzeug. Schick, mit Rot und Stahl. Und wie solide sie aussieht.
Als ich nach ein paar Stunden von einer Arbeit auswärts wiederkomme, hat er bereits die Brettbinder, vielleicht hätte ich sie vor ein paar Wochen noch Querbalken genannt, aber jetzt weiß ich es ja besser, also die Brettbinder im hinteren Teil des Raumes für die Verschalung vorbereitet.
"Nur noch das letzte fertig machen."
"Kann ich dir helfen?"
"Ja, scho, I muss des nur gwschind vorbereiten."
Also stehe ich dort und schaue. Und während Ludwig abmisst, und anzeichnet, und Schrauben vorbereitet, schiebt er das Brett mit dem er arbeitet, ein wenig nach rechts. Aus meinem Augenwinkel sehe ich, wie das Unterbrett kippt, und mit ihm die Säge. Es ist nur ein Augenblinzeln und das massive Gerät dreht sich anfangs langsam, und kippt dann blitzschnell nach hinten. Nach hinten, dort wo nichts mehr ist. Und genau dorthin fällt jetzt die bildschöne Zug-, Kapp- und Gehrungssäge.
"Ahhhhhhh," entfährt es mir, leise und irgendwie unwirklich, schon gar nicht glaubwürdig erschreckt, und hat genau die gleiche hohe Tonlage, wie an der Kreuzung letzten Winter, als um die Ecke vor mir zwei große Wildschweine direkt in meine Richtung geschossen kamen.
"Ahhhhhhh" also, gefolgt von einem satten Krach.
Ludwig dreht sich um.
"Sappalot" sagt er, und "die Säge ist runtergfolla."
Ich bin beeindruckt. Sappalot. Ein perfektes Wort für diese Situation. Die angehängte Bemerkung über das was passiert ist, krönt das Ganze in meinen Ohren noch. Sappalot. Während wir versuchen, den Schaden, den der Sturz hintenüber angerichtet hat, zu reparieren, freue ich mich über das Ereignis. Sappalot.
Hammer.
Die Frau des Dachdeckers ist beeindruckt.
"Was hier in den letzten zwei Wochen passiert ist, ist der Hammer!"
"Ja?" frage ich vorsichtig, obwohl ich das natürlich auch finde. Aber ich finde vieles Hammer, gerade Tags zuvor hatte mich Werner aufgefordert, nicht immer so begeistert zu sein.
"Wow!" hatte ich angesichts der sich zügig formatierenden Mauer ausgerufen, "Wie toll das aussieht!"
"Ja ja," sagte er, "Immer mit der Ruhe und mal halblang mit der Begeisterung."
"Warum?" fragte ich ihn erstaunt.
"Na, begeistert kannst Du sein, wenn es richtig los geht hier."
Wie meint er das denn? Wenn es richtig los geht? Ich finde, es geht seit Wochen richtig los hier.
"Ja," sagt also die Frau des Dachdeckers "wenn man bedenkt, wie es letztes Mal hier aussah. Und das bei der Kälte! Das ist doch doll!"
Sie kann sich genauso freuen wie ich, das macht Spaß. Und sie sieht eben auch die großen Fortschritte, die in den kleinen Dingen stecken. Zusammen machen wir die Runde durchs Häuschen und ich erfreue mich an ihrem Staunen. Sie hat ja so Recht.
Als sie und ihr Mann fahren, habe ich das erste Mal eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie das Dach aussehen wird. Hammer!
Ludwigs Wochenziel ist die Isolierung des Dachs im großen Raum. Stundenlang sägt er mit der Handkreissäge Bretter auf exaktes Maß. Und dann packt er meine Zug-, Kapp- und Gehrungssäge aus. Ein schönes Werkzeug. Schick, mit Rot und Stahl. Und wie solide sie aussieht.
Als ich nach ein paar Stunden von einer Arbeit auswärts wiederkomme, hat er bereits die Brettbinder, vielleicht hätte ich sie vor ein paar Wochen noch Querbalken genannt, aber jetzt weiß ich es ja besser, also die Brettbinder im hinteren Teil des Raumes für die Verschalung vorbereitet.
"Nur noch das letzte fertig machen."
"Kann ich dir helfen?"
"Ja, scho, I muss des nur gwschind vorbereiten."
Also stehe ich dort und schaue. Und während Ludwig abmisst, und anzeichnet, und Schrauben vorbereitet, schiebt er das Brett mit dem er arbeitet, ein wenig nach rechts. Aus meinem Augenwinkel sehe ich, wie das Unterbrett kippt, und mit ihm die Säge. Es ist nur ein Augenblinzeln und das massive Gerät dreht sich anfangs langsam, und kippt dann blitzschnell nach hinten. Nach hinten, dort wo nichts mehr ist. Und genau dorthin fällt jetzt die bildschöne Zug-, Kapp- und Gehrungssäge.
"Ahhhhhhh," entfährt es mir, leise und irgendwie unwirklich, schon gar nicht glaubwürdig erschreckt, und hat genau die gleiche hohe Tonlage, wie an der Kreuzung letzten Winter, als um die Ecke vor mir zwei große Wildschweine direkt in meine Richtung geschossen kamen.
"Ahhhhhhh" also, gefolgt von einem satten Krach.
Ludwig dreht sich um.
"Sappalot" sagt er, und "die Säge ist runtergfolla."
Ich bin beeindruckt. Sappalot. Ein perfektes Wort für diese Situation. Die angehängte Bemerkung über das was passiert ist, krönt das Ganze in meinen Ohren noch. Sappalot. Während wir versuchen, den Schaden, den der Sturz hintenüber angerichtet hat, zu reparieren, freue ich mich über das Ereignis. Sappalot.
Hammer.
Freitag, 3. Dezember 2010
60 Türchen 3
Hinter dem Türchen von heute hab ich eine Erkältung gefunden. Schon gestern abend hatte sie sich leise angekündigt. Sie muss mir durch eine Ritze hinterhergeschlüpft sein, als ich Türchen 2 gestern zum Abend verschloss. Da hat sie sich wohl an meine Fersen geheftet. Oder vielleicht kam sie auch direkt daher. Vor zwei Tagen hatte ich doch SO schmerzhaft und nachhaltig gefroren, vor allem in den Zehen. Von den Zehen zu den Fersen ist es ja kein weiter Weg.
Wie auch immer.
Ich friere. Obwohl ich heize, was die Heizköper hergeben. Heizung. Da fällt mir ein, dass ich die Gasag noch anrufen muss. Mein Kundenberater hatte mich schon vor einiger Zeit auf eine email hin angerufen, um mir die Anmeldung von Gas im Allgemeinen und das Verlegen der Leitungen im Speziellen zu erklären.
Nachdem ich mir einen Liter heißes Ingwerwasser aufgegossen habe, weil das bei mir Wunder wirkt, mich sozusagen von innen wärmt, ohne mich betrunken machen zu müssen, höre ich seine Nummer auf meinem AB ab und wähle.
"Der Teilnehmer ist zur Zeit leider nicht erreichbar... Piepton... Nummer hinterlassen..."
Ich spreche noch einmal mit dem AB, erzähle, was ich so vorhabe und welche Fragen ich seinem Herrchen stelle, wenn ich ihn dann live on air an der Strippe habe.
Doppelt warm angezogen, Halsschmerz durch Salzwasser weggegurgelt, Mütze auf dem Kopf, trinke ich heißes Ingwerwasser, mit ganzen Stücken, denn es heißt, diese seien besonders gut wirksam. Kinderleicht zu machen, und man kann eine Menge Geld für Medikamente sparen, falls man Ingwer mag. Das war ja nicht immer so bei mir.
Ich erinnere mich an eine eindrucksvolle Minute auf einer Rolltreppe einer Bielefelder Einkaufspassage. Ich hatte mir, etwa auf Stufenhöhe drei, ein schokoladenüberzogenes Bonbon in den Mund gesteckt. Es stammte aus einem "Süßigkeiten, gemischt, 100g Soundsoviel,fuffzig"-Glas eines Kaufhauses, dem ich es beim Vorbeigehen wie selbstverständlich entnommen hatte. Einfach so. Als Pubertierende fand ich das cool. Ein knackiger Biss und es entfaltete sich einer der ekelerregendsten Geschmäcker, die ich in meinem bis dahin noch jungen Leben kennengelernt hatte. Ich verspürte das dringende Bedürfnis, die Masse sofort auszuspeien. Aber, ich stand auf einer Rolltreppe, und ein anderer Teil meines Gehirns wies mich darauf hin, dass es eine Zumutung sei, die klebrige Masse zwischen die Ritzen zu spucken. So hielt ich inne, hin- und hergeschüttelt zwischen Vernunft und Brechreiz, und fuhr die Treppe regungslos in gefühlter Zeitlupe nach oben. Auf den letzten Stufen angelangt, stolperte ich dem nächststehenden Kleiderständer entgegen, riss ein Produktinformations-Booklet von einer Bluse, türkis mit Schulterpolstern, ab, und entledigte mich des Bonbons, das rechtlich gesehen ja nichtmal meines war.
Es klingelt. Herr Lenni meldet sich.
"Hallo, Guten Nabend Frau Schinkel, Lenni von der Gasag."
"Herr Lenni, wie schön, ich dachte sie wären schon im Feierabend."
"Nein, nein, ich war nur zu spät dran, das Handy lag auf dem Rücksitz. Was gibt es denn?"
Da er die Ansage wohl noch nicht abgehört hatte, wiederhole ich alles, was mir einfällt.
"Nun, wir schießen die Leitung durch den Grund bis ins Haus. Die meisten Kunden nehmen den kürzesten Weg."
Das werde ich auch tun, überlege ich mir gerade.
"Bis 14 Meter kostet es XY, darüber 1,5 Mal soviel.
"Auch wenn es nur ein Meter mehr wäre?"
"Ja."
"Wir könnten den Graben selber ausheben."
Ich habe mir gedacht, ich lasse einfach nur die Rohre einlegen, in die fertige Bahn, und spare das Einschießen.
"Wenn Sie den Graben für die Leitung selbst ausheben wollen, rückvergüten wir Ihnen pro Meter 6 Euro. Den Anschluss müssen Sie aber pauschal voll bezahlen."
Das erscheint mir nicht so richtig attraktiv. Auf der anderen Seite werden wir ohnehin einen Graben für die neue Stromleitung graben müssen. Und da müssen wir auf 1 Meter Tiefe gehen. Da kann man auch eben auf 80 cm das Gas mit dazulegen.
"Ich überlegs mir."
"Ja, tun Sie das. In jedem Fall können Sie sich ein Leerrohr bei mir abholen, für den Anschluss in die Bodenplatte."
Bodenplatte. Ja. Genau. Und Leerrohr, das Wort erkenne ich auch wieder. Sowas will Ludwig für die Kabellage ins Dach legen.
"Leerrohr, ja das ist gut. Das kann ich mir abholen?"
"Jawoll, dann müssen wir die Bodenplatte nicht nochmal aufbrechen."
"Um Himmelswillen. Nein. Die wird ja nigelnagelneu gegossen. Da wollen wir sie doch auch heile lassen."
"Jawoll."
Ich glaube, ich habe alle Informationen, die ich brauche, und die werde ich nächste Woche erstmal weitertragen.
Wieder gieße ich mir eine Tasse Ingwerwasser, heiß, ein. Und nehme ein Fußbad. Das erhöht die Körpertemperatur schnell auf angenehme Weise. Baden darf ich ja zur Zeit nicht. Wer sich erinnert, weiß, wovon ich spreche. Röschen und Ingwer, die begleiten mich in den Dezember. Türchendeko 2010? Ich glaub, ich gehe jetzt besser Schlafen.
Wie auch immer.
Ich friere. Obwohl ich heize, was die Heizköper hergeben. Heizung. Da fällt mir ein, dass ich die Gasag noch anrufen muss. Mein Kundenberater hatte mich schon vor einiger Zeit auf eine email hin angerufen, um mir die Anmeldung von Gas im Allgemeinen und das Verlegen der Leitungen im Speziellen zu erklären.
Nachdem ich mir einen Liter heißes Ingwerwasser aufgegossen habe, weil das bei mir Wunder wirkt, mich sozusagen von innen wärmt, ohne mich betrunken machen zu müssen, höre ich seine Nummer auf meinem AB ab und wähle.
"Der Teilnehmer ist zur Zeit leider nicht erreichbar... Piepton... Nummer hinterlassen..."
Ich spreche noch einmal mit dem AB, erzähle, was ich so vorhabe und welche Fragen ich seinem Herrchen stelle, wenn ich ihn dann live on air an der Strippe habe.
Doppelt warm angezogen, Halsschmerz durch Salzwasser weggegurgelt, Mütze auf dem Kopf, trinke ich heißes Ingwerwasser, mit ganzen Stücken, denn es heißt, diese seien besonders gut wirksam. Kinderleicht zu machen, und man kann eine Menge Geld für Medikamente sparen, falls man Ingwer mag. Das war ja nicht immer so bei mir.
Ich erinnere mich an eine eindrucksvolle Minute auf einer Rolltreppe einer Bielefelder Einkaufspassage. Ich hatte mir, etwa auf Stufenhöhe drei, ein schokoladenüberzogenes Bonbon in den Mund gesteckt. Es stammte aus einem "Süßigkeiten, gemischt, 100g Soundsoviel,fuffzig"-Glas eines Kaufhauses, dem ich es beim Vorbeigehen wie selbstverständlich entnommen hatte. Einfach so. Als Pubertierende fand ich das cool. Ein knackiger Biss und es entfaltete sich einer der ekelerregendsten Geschmäcker, die ich in meinem bis dahin noch jungen Leben kennengelernt hatte. Ich verspürte das dringende Bedürfnis, die Masse sofort auszuspeien. Aber, ich stand auf einer Rolltreppe, und ein anderer Teil meines Gehirns wies mich darauf hin, dass es eine Zumutung sei, die klebrige Masse zwischen die Ritzen zu spucken. So hielt ich inne, hin- und hergeschüttelt zwischen Vernunft und Brechreiz, und fuhr die Treppe regungslos in gefühlter Zeitlupe nach oben. Auf den letzten Stufen angelangt, stolperte ich dem nächststehenden Kleiderständer entgegen, riss ein Produktinformations-Booklet von einer Bluse, türkis mit Schulterpolstern, ab, und entledigte mich des Bonbons, das rechtlich gesehen ja nichtmal meines war.
Es klingelt. Herr Lenni meldet sich.
"Hallo, Guten Nabend Frau Schinkel, Lenni von der Gasag."
"Herr Lenni, wie schön, ich dachte sie wären schon im Feierabend."
"Nein, nein, ich war nur zu spät dran, das Handy lag auf dem Rücksitz. Was gibt es denn?"
Da er die Ansage wohl noch nicht abgehört hatte, wiederhole ich alles, was mir einfällt.
"Nun, wir schießen die Leitung durch den Grund bis ins Haus. Die meisten Kunden nehmen den kürzesten Weg."
Das werde ich auch tun, überlege ich mir gerade.
"Bis 14 Meter kostet es XY, darüber 1,5 Mal soviel.
"Auch wenn es nur ein Meter mehr wäre?"
"Ja."
"Wir könnten den Graben selber ausheben."
Ich habe mir gedacht, ich lasse einfach nur die Rohre einlegen, in die fertige Bahn, und spare das Einschießen.
"Wenn Sie den Graben für die Leitung selbst ausheben wollen, rückvergüten wir Ihnen pro Meter 6 Euro. Den Anschluss müssen Sie aber pauschal voll bezahlen."
Das erscheint mir nicht so richtig attraktiv. Auf der anderen Seite werden wir ohnehin einen Graben für die neue Stromleitung graben müssen. Und da müssen wir auf 1 Meter Tiefe gehen. Da kann man auch eben auf 80 cm das Gas mit dazulegen.
"Ich überlegs mir."
"Ja, tun Sie das. In jedem Fall können Sie sich ein Leerrohr bei mir abholen, für den Anschluss in die Bodenplatte."
Bodenplatte. Ja. Genau. Und Leerrohr, das Wort erkenne ich auch wieder. Sowas will Ludwig für die Kabellage ins Dach legen.
"Leerrohr, ja das ist gut. Das kann ich mir abholen?"
"Jawoll, dann müssen wir die Bodenplatte nicht nochmal aufbrechen."
"Um Himmelswillen. Nein. Die wird ja nigelnagelneu gegossen. Da wollen wir sie doch auch heile lassen."
"Jawoll."
Ich glaube, ich habe alle Informationen, die ich brauche, und die werde ich nächste Woche erstmal weitertragen.
Wieder gieße ich mir eine Tasse Ingwerwasser, heiß, ein. Und nehme ein Fußbad. Das erhöht die Körpertemperatur schnell auf angenehme Weise. Baden darf ich ja zur Zeit nicht. Wer sich erinnert, weiß, wovon ich spreche. Röschen und Ingwer, die begleiten mich in den Dezember. Türchendeko 2010? Ich glaub, ich gehe jetzt besser Schlafen.
Donnerstag, 2. Dezember 2010
59 Mein Adventskalender
Dieses Jahr habe ich einen ganz besonderen Adventskalender. Er hat nur ein Türchen. Das reicht vollkommen. Jeden Tag, wenn ich es aufmache, sehe ich etwas anderes dahinter. Heute, an Tag 2, entdecke ich zum Beispiel, dass sich die gestrige erste Reihe Steine vermehrt hat. Im ehemaligen Schlafzimmer steht jetzt schon fast die ganze Wand. Traumhaft!Sebastian ist aus Marburg angereist. Zusammen haben wir heute Presslufthammertag eingelegt und große Teile des ehemaligen Schlafzimmerbodens in handliche Stücke zerlegt, um sie dann eimerweise zum Container zu karren. Bei -9 Grad. Gefroren haben wir nicht. Bewegung ist alles. Auf diese Weise vermisse ich meine Spaziergänge fast gar nicht. Abends beim Yoga habe ich Schwierigkeiten, die Arme zu heben. Bei einer Übung nicke ich kurz weg.
Mittwoch, 1. Dezember 2010
58 Hui
Als ich heute morgen ankomme, sehe ich schon, dass Werner bereits da ist. Und als ich um die Ecke biege, staune ich nicht schlecht. Er hat doch tatsächlich die erste Lage Steine gesetzt. Sperrschicht, Zementmörtel, Stein. So siehts aus. Wunderschön. Ich bin entzückt!
Ich weiß nicht, was seine Entscheidung verändert hat. Das Wetter war es ganz sicher nicht. Es ist ja noch kälter als vor zwei Tagen. Deutlich sogar. Aber Werner scheint das nicht zu stören. Er lacht mich an.
"Ich habe einfach Frostschutzmittel hineingegeben."
"Ich dachte, sowas gießt man nur in Autos.", staune ich.
"Na, nee, damit's nicht friert, bevor es getrocknet ist."
"Wow."
Zu mehr Worten bin ich nicht fähig. Es scheint, als frören sie mir noch im Mund an. So kalt ist es.
Ich bewundere Werner, wie er das so kann. Ich halte die Kälte kaum aus. Damit ich mich nützlich mache, schlage ich vor, einen Kaffee zu kochen.
"Ja, mach doch mal."
Mach ich. Ich wills noch ein bisschen gemütlich machen, und stelle mir vor, dass ich den Ofen anmache. Wie heimelig es wirkt, als er brennt. Erst. Dann aber verlischt er, und im weiteren Verlauf gelingt es mir einfach nicht, ihn wieder anzuzünden. Ich habe sogar eigens die Handschuhe dafür ausgezogen. Mittlerweile kann ich meine Finger kaum noch spüren. Das Feuerzeug, 49 Cent bei toom, viermal benutzt bisher, spendiert eine Flamme, die gerade so groß ist, dass man sie mit bloßem Auge erkennen kann. Zusammen aber mit den Streichhölzern, deren schwefelhaltige Beschichtung beim Anreißen immer absplittert, gelingt es mir immerhin noch dreimal, eine Flamme entstehen zu lassen. Die dann jedes Mal, wenn ich sie im Anzündloch versenke, ausgeht. Völlig erfolglos. Ich bemerke, dass ich die Zehen meines linken Fußes nun auch nicht mehr spüre und räume das Feld.
Es ist SO kalt. Und ich bin SO froh. Wie die Steine da so nebeneinander auf dem Boden liegen, sieht SO schön aus. Hätte ich mir nie ausgemalt, wie glücklich mich eine Reihe von weißen Porenbetonsteinen machen kann.
Ich weiß nicht, was seine Entscheidung verändert hat. Das Wetter war es ganz sicher nicht. Es ist ja noch kälter als vor zwei Tagen. Deutlich sogar. Aber Werner scheint das nicht zu stören. Er lacht mich an.
"Ich habe einfach Frostschutzmittel hineingegeben."
"Ich dachte, sowas gießt man nur in Autos.", staune ich.
"Na, nee, damit's nicht friert, bevor es getrocknet ist."
"Wow."
Zu mehr Worten bin ich nicht fähig. Es scheint, als frören sie mir noch im Mund an. So kalt ist es.
Ich bewundere Werner, wie er das so kann. Ich halte die Kälte kaum aus. Damit ich mich nützlich mache, schlage ich vor, einen Kaffee zu kochen.
"Ja, mach doch mal."
Mach ich. Ich wills noch ein bisschen gemütlich machen, und stelle mir vor, dass ich den Ofen anmache. Wie heimelig es wirkt, als er brennt. Erst. Dann aber verlischt er, und im weiteren Verlauf gelingt es mir einfach nicht, ihn wieder anzuzünden. Ich habe sogar eigens die Handschuhe dafür ausgezogen. Mittlerweile kann ich meine Finger kaum noch spüren. Das Feuerzeug, 49 Cent bei toom, viermal benutzt bisher, spendiert eine Flamme, die gerade so groß ist, dass man sie mit bloßem Auge erkennen kann. Zusammen aber mit den Streichhölzern, deren schwefelhaltige Beschichtung beim Anreißen immer absplittert, gelingt es mir immerhin noch dreimal, eine Flamme entstehen zu lassen. Die dann jedes Mal, wenn ich sie im Anzündloch versenke, ausgeht. Völlig erfolglos. Ich bemerke, dass ich die Zehen meines linken Fußes nun auch nicht mehr spüre und räume das Feld.
Es ist SO kalt. Und ich bin SO froh. Wie die Steine da so nebeneinander auf dem Boden liegen, sieht SO schön aus. Hätte ich mir nie ausgemalt, wie glücklich mich eine Reihe von weißen Porenbetonsteinen machen kann.
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