Donnerstag, 9. Dezember 2010

62 Solche Tage gibt es auch

Der Schornsteinfeger bringt Glück. Und an der Gartenpforte hängt ein Nikolaus.

Der Ofen brennt. Wenn auch nur kurz.

Dach verschalen, Aufhängung wegflexen.

Werner zeigt das Fundstück, das er in die Wand eingebaut fand.

Der Nikolaus zieht ein in unser Haus.

Meine Zug-, Gehrungs- und Kappsäge, tapfer trotz ihrer Lädierung vom Vortag.

Styropor-Women!
Heute ist einer von den Tagen an denen ich mir unbedingt bewusst mache, dass auch wieder andere Tage kommen. Ludwig verschalt das Dach und hat mit allerhand Unwegsamkeiten und Komplikationen zu tun. Heute hat er geflucht, erzählt er mir später, als ich von der Arbeit zurückkehre. Der Gasinstallateur kommt, zum ersten Mal, und eröffnet mir im Rahmen seiner Enthüllungen zum Thema Gasheizung, dass das Gas gelegt sein muss, bevor der Estrich gegossen werden kann. Die Heizung muss zu dem Zeitpunkt fertig installiert sein und funtionieren. Davon habe ich noch nie gehört. Klar, ich habe hier von fast Allem noch nie etwas gehört.
"Ach." erwidere ich. Mehr fällt mir im Moment einfach nicht ein. Eigentlich wäre dieser Moment wie gemacht für ein Sappalot.
Der Gasag Mann kann mir keine verbindliche Aussage machen, zu wann ich die Gasleitung geschossen bekommen kann.
"Das hängt vom Wetter ab."
"Wie meinen Sie?" frage ich, aber eigentlich kenne ich die Antwort.
"Wenn es friert, kann man die Leitung nicht legen."
Die Wetter.com Vorhersage ist für alle Wintersportfans eine Augenweide. Ich bin derzeit kein Wintersportfan. In einem kurzen Moment ist mir zum Heulen zumute. Auch wenn ich weiß, dass es gar nicht hilft. Deshalb höre ich gleich wieder auf damit. Trotzdem, so ein Momentchen des Selbstmitleids darf ich mir ja wohl mal leisten. Das kommt ja nicht von ungefähr, immerhin bin ich Bauherrin und Bauleiterin in einem, und dabei ahnungslos wie ein frisch geschlüpftes Küken.
Piep.

Ich erfahre, wie das Wetter in den nächsten Tagen werden soll. Als Werner mir auf meine Frage nach dem letzten fehlenden Teil der Mauer, dem Ringanker, kurz am Telefon erklärt, er ist nämlich eigentlich gar nicht da, dass das doch derzeit alles keinen Sinn macht, weil das Wetter so mies ist, da verändert sich meine Stimmung.
"Da fehlen einfach mal 4 Wochen." sagt er.
Und natürlich hat er Recht. Unter den jetzigen Bedingungen ist alles mühsamer, dauert länger und die Kälte behindert den Bau. Der Dachdecker will nächste Woche das Dach bauen, wir sind prima im Zeitplan, ohne Ringanker ist das allerdings unmöglich.
Ich rufe Werner noch zweimal an, und spreche in seiner Vertretung mit seiner netten Schwägerin. Sie hat vollstes Verständnis für mein Anliegen und mich, das hilft mir jedoch nicht wirklich weiter.
Ich brauche einen Ringanker, und der muss vor Donnerstag 3 Tage getrocknet haben. Außerdem muss es trocken sein, Regen oder Schnee sind also am Tage der Maurerei auszuschließen.
"Na, wie sagt man so schön," sagt Werners Schwägerin am Ende unseres Telefonats "Überlassen wir es mal dem Schicksal, und schauen, ob es das Schicksal gut mit Ihnen meint."
"Danke." bringe ich nur heraus und frage mich schon, wie wohl die Antwort sein wird. Trotz allen Pessimismus glaube ich daran, dass es schon klappen wird. Ich bekomme den Ringanker, das Dach, und die neuen Fenster. Ganz nach Plan.

Als ich dem Dachdecker abends zusage, teilt er mir mit, dass ich doch die Form des Daches bekomme, die ich gern gehabt hätte. Ich hatte mich schon mit der B-Version versöhnt, jetzt wird es doch A. Ein Grund zur Freude. Derweil brennt in der Küche das Essen an. Der Schaden ist jedoch noch so klein, dass ich den Großteil retten kann. Später sagt Ludwig, dass das Essen sehr lecker gewesen ist.

Am Ende des Tages ich jetzt froh, dass er um ist. Und morgen ist ein neuer Tag. Zum Glück.

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