Hinter dem Türchen von heute hab ich eine Erkältung gefunden. Schon gestern abend hatte sie sich leise angekündigt. Sie muss mir durch eine Ritze hinterhergeschlüpft sein, als ich Türchen 2 gestern zum Abend verschloss. Da hat sie sich wohl an meine Fersen geheftet. Oder vielleicht kam sie auch direkt daher. Vor zwei Tagen hatte ich doch SO schmerzhaft und nachhaltig gefroren, vor allem in den Zehen. Von den Zehen zu den Fersen ist es ja kein weiter Weg.
Wie auch immer.
Ich friere. Obwohl ich heize, was die Heizköper hergeben. Heizung. Da fällt mir ein, dass ich die Gasag noch anrufen muss. Mein Kundenberater hatte mich schon vor einiger Zeit auf eine email hin angerufen, um mir die Anmeldung von Gas im Allgemeinen und das Verlegen der Leitungen im Speziellen zu erklären.
Nachdem ich mir einen Liter heißes Ingwerwasser aufgegossen habe, weil das bei mir Wunder wirkt, mich sozusagen von innen wärmt, ohne mich betrunken machen zu müssen, höre ich seine Nummer auf meinem AB ab und wähle.
"Der Teilnehmer ist zur Zeit leider nicht erreichbar... Piepton... Nummer hinterlassen..."
Ich spreche noch einmal mit dem AB, erzähle, was ich so vorhabe und welche Fragen ich seinem Herrchen stelle, wenn ich ihn dann live on air an der Strippe habe.
Doppelt warm angezogen, Halsschmerz durch Salzwasser weggegurgelt, Mütze auf dem Kopf, trinke ich heißes Ingwerwasser, mit ganzen Stücken, denn es heißt, diese seien besonders gut wirksam. Kinderleicht zu machen, und man kann eine Menge Geld für Medikamente sparen, falls man Ingwer mag. Das war ja nicht immer so bei mir.
Ich erinnere mich an eine eindrucksvolle Minute auf einer Rolltreppe einer Bielefelder Einkaufspassage. Ich hatte mir, etwa auf Stufenhöhe drei, ein schokoladenüberzogenes Bonbon in den Mund gesteckt. Es stammte aus einem "Süßigkeiten, gemischt, 100g Soundsoviel,fuffzig"-Glas eines Kaufhauses, dem ich es beim Vorbeigehen wie selbstverständlich entnommen hatte. Einfach so. Als Pubertierende fand ich das cool. Ein knackiger Biss und es entfaltete sich einer der ekelerregendsten Geschmäcker, die ich in meinem bis dahin noch jungen Leben kennengelernt hatte. Ich verspürte das dringende Bedürfnis, die Masse sofort auszuspeien. Aber, ich stand auf einer Rolltreppe, und ein anderer Teil meines Gehirns wies mich darauf hin, dass es eine Zumutung sei, die klebrige Masse zwischen die Ritzen zu spucken. So hielt ich inne, hin- und hergeschüttelt zwischen Vernunft und Brechreiz, und fuhr die Treppe regungslos in gefühlter Zeitlupe nach oben. Auf den letzten Stufen angelangt, stolperte ich dem nächststehenden Kleiderständer entgegen, riss ein Produktinformations-Booklet von einer Bluse, türkis mit Schulterpolstern, ab, und entledigte mich des Bonbons, das rechtlich gesehen ja nichtmal meines war.
Es klingelt. Herr Lenni meldet sich.
"Hallo, Guten Nabend Frau Schinkel, Lenni von der Gasag."
"Herr Lenni, wie schön, ich dachte sie wären schon im Feierabend."
"Nein, nein, ich war nur zu spät dran, das Handy lag auf dem Rücksitz. Was gibt es denn?"
Da er die Ansage wohl noch nicht abgehört hatte, wiederhole ich alles, was mir einfällt.
"Nun, wir schießen die Leitung durch den Grund bis ins Haus. Die meisten Kunden nehmen den kürzesten Weg."
Das werde ich auch tun, überlege ich mir gerade.
"Bis 14 Meter kostet es XY, darüber 1,5 Mal soviel.
"Auch wenn es nur ein Meter mehr wäre?"
"Ja."
"Wir könnten den Graben selber ausheben."
Ich habe mir gedacht, ich lasse einfach nur die Rohre einlegen, in die fertige Bahn, und spare das Einschießen.
"Wenn Sie den Graben für die Leitung selbst ausheben wollen, rückvergüten wir Ihnen pro Meter 6 Euro. Den Anschluss müssen Sie aber pauschal voll bezahlen."
Das erscheint mir nicht so richtig attraktiv. Auf der anderen Seite werden wir ohnehin einen Graben für die neue Stromleitung graben müssen. Und da müssen wir auf 1 Meter Tiefe gehen. Da kann man auch eben auf 80 cm das Gas mit dazulegen.
"Ich überlegs mir."
"Ja, tun Sie das. In jedem Fall können Sie sich ein Leerrohr bei mir abholen, für den Anschluss in die Bodenplatte."
Bodenplatte. Ja. Genau. Und Leerrohr, das Wort erkenne ich auch wieder. Sowas will Ludwig für die Kabellage ins Dach legen.
"Leerrohr, ja das ist gut. Das kann ich mir abholen?"
"Jawoll, dann müssen wir die Bodenplatte nicht nochmal aufbrechen."
"Um Himmelswillen. Nein. Die wird ja nigelnagelneu gegossen. Da wollen wir sie doch auch heile lassen."
"Jawoll."
Ich glaube, ich habe alle Informationen, die ich brauche, und die werde ich nächste Woche erstmal weitertragen.
Wieder gieße ich mir eine Tasse Ingwerwasser, heiß, ein. Und nehme ein Fußbad. Das erhöht die Körpertemperatur schnell auf angenehme Weise. Baden darf ich ja zur Zeit nicht. Wer sich erinnert, weiß, wovon ich spreche. Röschen und Ingwer, die begleiten mich in den Dezember. Türchendeko 2010? Ich glaub, ich gehe jetzt besser Schlafen.
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