Donnerstag, 23. Dezember 2010

69 Reflektionen

Das Dach ist drauf. Jedenfalls die erste Schicht. Hurra! Der Rest folgt, wenn das Wetter weniger winterlich ist. Eine ziemlich offene Prognose, wenn man bedenkt, dass der Winter offiziell erst heute angefangen hat. Die ein oder andere Million Schneeflocken hat das bekanntermaßen bisher nicht davon abgehalten, sich auf dem Grundstück, dem Dach und natürlich in der Küche niederzulassen. So schippe ich also heute, nach vollbrachtem Tageswerk und geschlossener Zimmerdecke, meine Küche leer. Bis zu 25 cm hoch dort, wo er nicht niedergetreten wurde.

Wenn ich zu wenig geschlafen habe, so wie heute, ist es irritierend für mich, wenn Freunde mein Haus-Projekt hochloben, meinen Mut betonen und darüber sprechen, wie schwierig das alles sein muss. Und dass alles immer teurer wird, als man denkt. Und überhaupt, dass das Geld meist nicht reicht.

Nach solchen Gesprächen passiert es mitunter, dass ich anfange, darüber nachzudenken, ob es wirklich so ein großes Projekt ist, wie sie sagen, was genau sie mit dem Mut meinen, den sie bei mir zu erkennen in der Lage sind, und wann genau ich merken würde, dass es tatsächlich alles sehr schwer ist. An solchen Tagen kann es sein, dass ich plötzlich anfange, den Mut zu verlieren, es für möglich zu halten, dass alles schwierig ist und mir vorstelle, dass ich mir zuviel aufgeladen habe. Es ist so, wie bei dem kleinen Kind, das munter und voller Selbstvertrauen den Baum hinauf klettert, bis jemand ruft: "Was machst du denn da? Wie gefährlich das ist! Was, wenn du herunter fällst?" Viele Kinder bekommen dann Angst, und so manches fällt.

Zum Glück kenne ich das schon. Ich bin immer auf die höchsten Bäume geklettert. Und ich weiß, dass die Ansichten der anderen mit meinen nichts zu tun haben. Es sei denn, ich übernehme sie von ihnen. Und riskiere, herunterzufallen.

Erinnerst du dich an Eintrag 1? Weißt du noch, dass ich immer mehr Geld habe, als ich brauche? Es ist im Moment fast alle. Willst du wissen, wie es weiter geht? Dann hab Geduld. Und Zuversicht. Ich hab sie für dich mit.


Das Fenster des kleinen Häuschens zeigt, dass man spekulieren darf, was diffus hinter Eisblumen verborgen liegt. Jeder kann etwas anderes sehen. Manche sehen gar nichts. Ich sehe dahinter Wachstum und Tore zu Wegen, auf denen ich gehen kann, wohin ich will.

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