Gerade will ich das Haus verlassen, da klopft es an meine provisorische Tür. Meine Freundin Martina, die grad ums Eck wohnt, steht zu einem Überraschungsbesuch da. Ich freue mich, und bitte sie natürlich gleich herein. Besuch kommt dieser Tage noch eher sparsam. Vielleicht haben sie Sorge, dass sie helfen müssten. Dabei ist das natürlich Mumpitz. Helfen müssen darf hier niemand. Wenige ausgewählte Freunde dürfen helfen wollen. Das wurde vereinzelt auch schon gern mal angenommen. Ich denke da an Jens, Sebastian und Yosef zum Beispiel, und Ludwig natürlich zehnmal genannt, mindestens. Die Musketiere sind ebenso immer gern willkommen, und erfreulicherweise lassen sie sich das auch nicht nehmen.
Wie auch immer, ich bitte also Martina herein.
"Das hier ist mein Schlafzimmer." beginne ich die Führung.
"Sieht eher wie eine Pferdebox aus." trifft sie die Situation recht präzise.
"Streu rein, fertig."
Ich fühle mich veräppelt, und das bin ich ja auch.
"Ein Äffchen und ein Pferd." singe ich und überlege, wie sich das Pferd in meinem Schlafzimmer machen würde. Platz wäre ausreichend da. Streu rein, fertig, aber das hatte ich ja schon erwähnt.
"Etwas Tee, meine Liebe?" biete ich an, "Ein Tässchen frisch aufgebrühten Schutzengeltee aus meiner Thermoskanne? Und darf es etwas Gebäck sein?" Ich hatte gestern abend Rochers erstanden, und erfreue seitdem mich, und seit heute morgen auch alle Anwesenden damit.
"Nein?" sage ich, und lege es zurück.
"Doch doch, gerne." antwortet sie, während sie die nussige Schokokugel aus dem Goldpapier heraus pult.
Die Männer kommen herein. Sie wollen sich kurz aufzuwärmen. Heute ist Dachdeckertag. Endlich endlich kommt das Dach drauf. Seit Tagen verschob sich der Termin wegen des Wetters. Auch heute ist es wieder knackig kalt, aber es bleibt klar, den ganzen Tag, vereinzelt Sonnenschein. Mit der Wettervorhersage bin ich vertraut wie nie zuvor. Wetter war mir egal vorher. "Wetter ist immer." war mein Spruch und so ist es ja auch. Man müsste jedoch unterscheiden. Zum Beispiel kann ich nicht sagen, Maurerwetter ist immer oder Dachdeckerwetter ist immer. Das wäre falsch. Denn es gibt Wetter, da bleiben Maurer oder Dachdecker einfach weg.
Zum Glück aber ist heute Dachdeckerwetter. Und morgen schon wird es nicht mehr in meine Küche schneien. Allein der Gedanke daran hebt mein Wohngefühl um mindestens 180°, Celsius oder Fahrenheit ist mir dabei egal. Hauptsache warm.
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