Dienstag, 7. Dezember 2010

61 Wenn die Säge Salto macht

Nach einer kurzen betriebsbedingten Schließung am 2. Advent öffnet 'the Haus' am Montag wieder sein Türchen. Als ich um 12.30 Uhr eintreffe, sind der Dachdecker und Ludwig schon da und sichten die Bedingungen, um die weiteren Pläne zu besprechen. Ich wundere mich, um 9.00 Uhr hatte Ludwig noch aus Bayreuth angerufen, um mir zu sagen, dass er jetzt losfährt. Er muss geflogen sein. Und auch diesmal hat er wieder Selbstgebackenes im Gepäck: Zwei halbe Torten! Einmal Käsekuchen mit Mandarinen und und außerdem Espresso-Käsekuchen. Genial.

Die Frau des Dachdeckers ist beeindruckt.
"Was hier in den letzten zwei Wochen passiert ist, ist der Hammer!"
"Ja?" frage ich vorsichtig, obwohl ich das natürlich auch finde. Aber ich finde vieles Hammer, gerade Tags zuvor hatte mich Werner aufgefordert, nicht immer so begeistert zu sein.
"Wow!" hatte ich angesichts der sich zügig formatierenden Mauer ausgerufen, "Wie toll das aussieht!"
"Ja ja," sagte er, "Immer mit der Ruhe und mal halblang mit der Begeisterung."
"Warum?" fragte ich ihn erstaunt.
"Na, begeistert kannst Du sein, wenn es richtig los geht hier."
Wie meint er das denn? Wenn es richtig los geht? Ich finde, es geht seit Wochen richtig los hier.
"Ja," sagt also die Frau des Dachdeckers "wenn man bedenkt, wie es letztes Mal hier aussah. Und das bei der Kälte! Das ist doch doll!"
Sie kann sich genauso freuen wie ich, das macht Spaß. Und sie sieht eben auch die großen Fortschritte, die in den kleinen Dingen stecken. Zusammen machen wir die Runde durchs Häuschen und ich erfreue mich an ihrem Staunen. Sie hat ja so Recht.

Als sie und ihr Mann fahren, habe ich das erste Mal eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie das Dach aussehen wird. Hammer!

Ludwigs Wochenziel ist die Isolierung des Dachs im großen Raum. Stundenlang sägt er mit der Handkreissäge Bretter auf exaktes Maß. Und dann packt er meine Zug-, Kapp- und Gehrungssäge aus. Ein schönes Werkzeug. Schick, mit Rot und Stahl. Und wie solide sie aussieht.
Als ich nach ein paar Stunden von einer Arbeit auswärts wiederkomme, hat er bereits die Brettbinder, vielleicht hätte ich sie vor ein paar Wochen noch Querbalken genannt, aber jetzt weiß ich es ja besser, also die Brettbinder im hinteren Teil des Raumes für die Verschalung vorbereitet.
"Nur noch das letzte fertig machen."
"Kann ich dir helfen?"
"Ja, scho, I muss des nur gwschind vorbereiten."
Also stehe ich dort und schaue. Und während Ludwig abmisst, und anzeichnet, und Schrauben vorbereitet, schiebt er das Brett mit dem er arbeitet, ein wenig nach rechts.  Aus meinem Augenwinkel sehe ich, wie das Unterbrett kippt, und mit ihm die Säge. Es ist nur ein Augenblinzeln und das massive Gerät dreht sich anfangs langsam, und kippt dann blitzschnell nach hinten. Nach hinten, dort wo nichts mehr ist. Und genau dorthin fällt jetzt die bildschöne Zug-, Kapp- und Gehrungssäge.
"Ahhhhhhh," entfährt es mir, leise und irgendwie unwirklich, schon gar nicht glaubwürdig erschreckt, und hat genau die gleiche hohe Tonlage, wie an der Kreuzung letzten Winter, als um die Ecke vor mir zwei große Wildschweine direkt in meine Richtung geschossen kamen.
"Ahhhhhhh" also, gefolgt von einem satten Krach.
Ludwig dreht sich um.
"Sappalot" sagt er, und "die Säge ist runtergfolla."

Ich bin beeindruckt. Sappalot. Ein perfektes Wort für diese Situation. Die angehängte Bemerkung über das was passiert ist, krönt das Ganze in meinen Ohren noch. Sappalot. Während wir versuchen, den Schaden, den der Sturz hintenüber angerichtet hat, zu reparieren, freue ich mich über das Ereignis. Sappalot.

Hammer.

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