Donnerstag, 31. Dezember 2009

6 Der letzte Tag im alten Jahr

Heute ist Sylvester. Ich werde mit Freunden in Friedrichshain in das neue Jahr hinein meditieren. Das alte Jahr ist gut gelaufen, hat eine erfreuliche Wendung hingelegt. Nachdem ich im Sommer den sicheren, aber langweiligen Marketingjob losgeworden bin, bekam ich zum Oktober ein Angebot aus einer ganz neuen Branche. Ein völlig anderer Job, ganz nach meinen Talenten ausgerichtet, ein toller neuer Chef, regelmäßiges Einkommen, wirklich, es ist viel passiert. Heute abend werde ich dieses Jahr eintauschen gegen ein noch schöneres neues. Auf dem Weg halte ich schnell noch am Bankomat, um Geld für das Sylvesterbuffet abzuheben.

Mein Blick streift flüchtig den Kontostand, 50 Euro im Plus! Ich hatte doch noch fett Minus gehabt in den letzten Wochen. Toll. Als ich nochmal hinschaue, sehe ich, dass ich ein paar Nullen übersehen habe. Es sind 50.000!!! Die Auszahlungssumme übersteigt um 9.000 Euro die von mir erwartete Summe.

Krass. Ich bin reich. Ganz plötzlich. Gestern war ich noch in den Miesen. Ein guter Start für das neue Jahr, finde ich und fahre singend durch die Stadt.

Was für ein Gefühl! 50 Tausend Öcken, im Plus. Hervorragend. Ich habe ab jetzt immer mehr Geld als ich brauche...

Ich habe mehr Geld als ich brauche. Cool.

Donnerstag, 30. Juli 2009

5 Die Bestätigung

Jetzt ist es vollbracht. Alles läuft jetzt. Kein Umkehren. Warum auch?

Meine Beitragszahlungen werden nach Ende der Kündigungszeit eingestellt. Auszahlung soll zum Ende des Jahres erfolgen.

Ich kaufe ein Stück Land. Wooh. Wow. Wirklich?

Dienstag, 14. Juli 2009

4 Eine Woche später

Ich halte den Brief der Versicherung in der Hand. Irgendetwas um die 43 K ist mein Vertrag bei Auszahlung wert. Ich rechne meine eingezahlten Beträge nach und stelle fest, dass ich wenigstens genauso viel herausbekomme, wie ich eingezahlt habe.

Ich schreibe die formlose Kündigung.

Dienstag, 7. Juli 2009

3 Am Tag drauf

Am kommenden Tag finde ich die Idee immer noch so gut wie am Abend zuvor. Meine Entscheidung steht jetzt fest. Ich werde meine private Rentenversicherung kündigen.

Vorher rufe ich vorsichtshalber noch meinen Vater an. Als ich ihm von meiner Entscheidung erzähle, fragt er warum ich das tun möchte. So ganz überzeugend findet er meine Idee nicht. Man sollte für sein Alter sparen, findet er.

Nachdem er sich meine Beweggründe angehört hat, hat er aber auch nicht wirklich etwas dagegen. Das finde ich gut und es unterstützt mich in meiner Sicherheit. Nachdem wir aufgelegt haben, rufe ich die Versicherung an und frage nach den Kündigungsbedingungen. Man wird mir einen Brief dazu schicken, mit der Wertentwicklung und allen Konditionen zur Kündigung.

Ich kann es mir ja immer noch überlegen, denke ich. Aber ein Stück Land, das wär schon was Feines. Ich kann mir dann auch selbst Essen anbauen. Falls die Zeiten mal schlecht sein sollten. Gute Idee.

Montag, 6. Juli 2009

2 Irgendwann im Sommer 2009

In facebook stoße ich auf ein Video. Oskar hatte es gepostet. Mal ansehen. Es ist der Vortrag eines Mannes über die Wahrscheinlichkeit der nächsten, von den Lobbyisten strategisch kalkulierten, Finanzkrise. Etwas reißerisch, denke ich. Die Anmoderation von seinem Kollegen ist schleimig. Es gefällt mir gar nicht. Trotzdem schaue ich mir den Vortrag an, bis zum Schluss. 15 Minuten.

Während ich schaue, gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. Was, wenn er Recht hätte? Seine Verschwörungstheorie finde ich ein bisschen übertrieben. Aber was wäre wenn? Dann wär mein Erspartes, das ich eisern seit 13 Jahren in meine private Altersversicherung einzahle, weg. Bestimmt. Oder?

Aber alle sagen, dass man für das Alter vorsorgen soll. Alle. Warum eigentlich? Was, wenn nochmal eine Währungsreform kommt, oder etwas ähnliches. Dann ist mein Geld futsch. Und dann?

Land kaufen, denke ich. Ich kaufe mir ein Stück Land. Gut Idee. Ich kündige meine private Rentenversicherung, lasse mir das Geld auszahlen und kaufe ein Stück Land dafür. Ja, das tue ich.

13 Jahre zahle ich bereits monatlich fleißig ein. Manchmal hatte ich nichtmal genug für den Monat, musste mich einschränken, oder sogar den Dispo bemühen. Wie im Augenblick. Ich fühle mich arm, bin 2000 Euro im Minus. Es gibt Schöneres. Gut 40.000 Euro müsste ich bereits eingezahlt haben, rechne ich nach. Dafür bekomme ich doch was, ganz sicher. Mir gefällt die Idee zunehmend.

Na, nichts überstürzen, denke ich. Also beschließe ich, die obligatorische Nacht darüber zu schlafen und mich am nächsten Tag noch einmal zu befragen.

Aber die Idee, die gefällt mir. Sie gefällt mir...

Freitag, 9. Januar 2009

1 Neue Glaubenssätze für ein neues Jahr

Irgendwie finde ich, dass alles ganz gut läuft. Ich komme wirklich zurecht.

Und doch, habe ich mir überlegt, könnte es besser laufen. Deshalb lege ich mir jetzt neue Glaubenssätze zu, beschließe ich. Das Jahr ist jung und der Zeitpunkt wie gemacht für eine Änderung.
Mit Hilfe einer Freundin formuliere ich hin und her, damit auch bloß alles Wichtige drin ist. Und dann habe ich drei Sätze. Lange Sätze. Ellenlang könnte man auch sagen. Ich versuche, sie auswendig zu lernen, aber immer wieder verliere ich den Faden, verhaspel mich. Blöd. Selbst beim Vorlesen verspreche ich mich.

Monika lacht, als ich sie ihr vorlese. Zu lang sagt sie, und viel zu kompliziert. Und wirft mir eben mal drei neue Sätze hin. Kurz, knapp, griffiger. Die habe ich sofort drauf.

1. Ich habe immer mehr Geld als ich brauche.
2. Mein Beruf und meine Berufung sind eins.
3. Ich bin frei.

Ich mag die Sätze, die sie für mich gefunden hat. Sie sagen das, was ich drin haben wollte, auf perfekte Art und Weise. Ab sofort denke ich sie mehrmals täglich. 2009, die Zukunft hat gerade begonnen.