Donnerstag, 6. Januar 2011

78 Vergiss das grad wieder

Heute, als ich vom Grundstück eines Nachbarn komme, und den Weg zurück zu meinem laufe, erblicke ich einen Fußgänger, der mir entgegen kommt. Ich grüße ihn und winke, und biege dann in mein Törchen ab. Als ich mich umdrehe, um den Haufen Schrott zu betrachten und zu überlegen, wie ich die Metallwanne in meinen Seicento bekomme, erkenne ich, dass der Fußgänger Heiner ist, der Nachbar meiner Freundin, und ja bald auch mein Nachbar, denn er wohnt mit seiner Familie etwa 70 Meter ums Eck.
"Heiner!" rufe ich, "Was machst du denn hier?"
"Hallo" sagt er und strahlt mich an. "Ick war jrad zum Briefkasten."
"Stell dir vor, hier wohne ich! Guck mal, das ist mein Häuschen." freue ich mich und schwenke meinen Arm über das Grundstück. "Frohes neues Jahr!"
"Ja, weeß ick doch." Er grinst. "Ick war jrad zum Briefkasten, und da hab ick dein Auto jesehn, da dacht ick, komm ick jetz ma kieken hier, wo du bald wohnen tust."
"Na los, komm rein, ich geb dir ne Führung", sage ich und schiebe ihn Richtung Eingang.
"Also hier kommt die Eingangstür hin." erkläre ich, "Die Tür hab ich versehentlich zu groß bestellt. Jetzt müssen wir das Haus der Tür anpassen. Blöd, gerade weil sie ja schon Sonderanfertigung ist. Extra teuer. Und da hab ich sie versehentlich zu groß gemacht."
"Nee, wa?" Heiner guckt.
"Naja, ach, wird schon." entgegne ich gelassen. "Was nicht passt, wird passend gemacht, wa?"
Wir lachen, auch wenn Heiner etwas skeptisch drein blickt.
"So." sagt er, läuft gerade hinein in den Flur, und schaut sich schon im Raum dahinter um.
"Haaalt!" bremse ich ihn, "komm mal gleich wieder, hierher, das darfst du noch gar nicht sehen! Vergiss jetzt sofort, was du gerade gesehen hast."
Er hält inne, kommt wieder vor zu mir, und wir betreten das Haus durch die provisorische Tür.
"Oh!" "Whoa." "Pff." "Nee, wa?" und ähnlich fassungslose Kommentare entweichen ihm fortwährend, als ich ihm die verschiedenen Räume zeige und erkläre.
"Und jetzt," sage ich erwartungsfroh "jetzt zeige ich dir die Küche!"
Als ich daraufhin die Bautür öffne, und sich ihm nun meine Küche dahinter offenbart, kommt spontan ein überaus überraschtes Staunen über seine Lippen.
"Wow!! Super!" und ich kann ihm ansehen, dass er den Raum eben gar nicht gesehen hat.
Hat er ja auch nicht. Denn ich habe ja ausdrücklich gesagt, dass er alles wieder vergessen soll. Und ich habe schließlich Hypnose gelernt.
Ein bisschen wundere ich mich dann schon noch, dass es so gut wirkt, obwohl ich nichtmal eine klitzekleine Anzüglichkeit, Doppeldeutigkeit oder F-Wörter verwendet habe. Aber das bleibt ja ein ganz anderes Thema.

Abends, als dann ein Freund von mir kurz noch vorbei kommt, um zu schauen, weiß ich schon, was zu tun ist.
"Langsam, langsam," bremse ich ihn, noch bevor er um die Ecke luken kann. "Das Museum muss vorschriftsmäßig durch die Vordertüre betreten werden."
"Bitteschön."
Drinnen, als ich ihm alles gezeigt habe, sagt er zu mir "Haste jut jemacht. Nee, würklisch! Ick bewundere deinen Mut und deine Fähigkeit, zu sehen wie et mal werden soll. Det wird echt schau!"
Und ich weiß gar nicht warum, aber diesmal fühle ich mich wie hypnotisiert.

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