Als ich gestern bei meinem Auto-Veit war, habe ich ihm erzählt, dass ich ein Haus gekauft hab. Da hat er nicht schlecht gestaunt. Wenn er wüsste, dass das Haus in etwa der Klasse meines Auto entspricht, wäre er vielleicht weniger begeistert.
"Es muss aber noch komplett neu gemacht werden", beschwichtige ich. "Schließlich war es ziemlich preiswert, im Prinzip", lege ich nach.
"Und, weißt Du, wie Du das machst?" fragt er, nicht ohne Überraschung in der Stimme.
"Nein, weiß nicht, ich habe keinen Plan. Aber vorgestern ist Ludwig gekommen, der hat Plan."
"Ha", lacht er auf, "Du bist ne Marke. Keinen Plan. Na, wird schon gut gehen. Du hast ja schon oft keinen Plan gehabt und es ist immer gut gegangen."
"Wird schon gut gehen." wiederholt er, wie um sich ein bisschen weniger zu wundern.
Ludwig ist da. Und mit ihm der Plan. Es ist ein Segen und Ludwig ist der Engel dazu.
"Da schneiden wir hier die Wand raus, und dann setzen wir eine Tür rein, 86er Türblatt, Metall Eckzarge links. Und hier ziehen wir eine Wand rein. Erstmal isolieren wir die Decke, klar, und hier wo die Fliesen sind, da kommt Rigips drüber, das isoliert. Der Stromschaltkasten muss verlegt werden, da frage ich mal den Thomas. Und dann machen wir uns mal Gedanken über...und auch... ja, das machen wir so... und so..."
Ich verstehe im Moment nur etwa zwei Drittel von dem, was er mir so ausführlich erläutert. Wie gesagt, Plan hatte ich bisher gar nicht. Aber dass das nicht so bleiben wird, ist so sicher wie das Pupsen nach einem Teller voller Bohnen. Das kann ich hier und heute garantieren. Bald weiß ich genau, wie man ein Haus baut.
Thomas kommt und guckt. Ich sage den Jungs, heute ist nämlich der Geburtstag meines Sohnes und die Hütte ist voll von Vierzehnjährigen, dass sie die Geburtstagstorten im Ofen beim Klingeln rausnehmen sollen, und fahre schnell zum Häuschen. Thomas und Ludwig haben schon einige Ideen und müssen mich dies und das fragen dazu. Ich habe den Plan des Hauses größer kopiert. Er dient den beiden als Grundlage für rege Diskussion. Welche Stromleitungen liegen hier? Wo ist der Schaltkasten? Was willst du später anschließen? Wo soll was hin? Wieviel Leitungs-Quadratmeter - oder so ähnlich. Die Einheit ist mir auch neu. Thomas zaubert aus der linken Hand Ideen und Vorschläge. Ich finde Handwerker toll. Was die immer gleich so wissen, und was sie dann daraus machen. Das ist mehr als Laberei. Das hat Hand und Fuß. Mein Haus hat auch bald Hand und Fuß.
Wir gehen raus auf den Fußweg vorm Haus. Ich klingele bei Andre, meinem Nachbarn, der hatte mir von 220 Volt und Kraftstrom, von Schaltkästen und Leitungen erzählt. Ich denke, wir fragen ihn mal, vielleicht kann er was sagen dazu. Zum Glück ist er da. Und er kommt raus. Gerade als er anfängt zu erzählen, was er weiß, kommt der Vereinsvorsitzende herbei geeilt.
"Dass hier kein Drehstrom liegt, brauchen Sie mir nicht zu erzählen. Das weiß ich schon" sagt er und grinst verschmitzt. Ein netter Vereinsvorsitzender, finde ich, ich schließe ihn gleich in mein Herz.
"Fragen Sie doch die, die es wissen. Kurz mal klimngeln geht doch schnell." sagt er, und ich staune immer noch, dass er, wie aus dem Nichts, genau passend zu unserem Gespräch gestoßen ist.
Thomas, Ludwig, Andre und er fachsimpeln, wie und wo am besten die Leitung langzuziehen ist.
"Aber auf dem Weg wird das Kabel nicht schief gelegt", betont er ausdrücklich.
"Nein, nein!" sagt Thomas, "natürlich nicht! Wir tackern es hier oben am Zaun lang, und dann hier um die Ecke, als Geländer..."
"... ha, ja" kontert nach einer kurzen Pause der Vereinsvorsitzende, der auch einen Namen hat, nämlich Herr P, "Ja, man kann auch Lampions daran befestigen."
Vier Männer und ich lachen, ich finde, es macht Spaß ein kaputtes Haus zu haben. Sonst wäre doch dieses Gespräch so nie entstanden.
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