Mittwoch, 3. November 2010

43 Der Plan

Mein Haus hat einen Kamin. Und daran ist ein kleines Öl-Kachelöfchen angeschlossen. Hübsch, wie ich finde. Und praktikabel, weil ich ja jetzt 1000 Liter Heizöl habe. Im Januar diesen Jahres hatte der Schornsteinfeger einen Mängelbericht erstellt, weil unten am Kamin die Reinigungsklappe fehlt. Es bestünde Brandgefahr beim Heizen. Es muss also erst eine neue Klappe eingesetzt werden, bevor der Ofen genutzt werden darf. 100 Euro soll das kosten. Mein Nachbar Frank hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich das auch selber einsetzen kann. Selber machen ist gut.
Die Klappe, die ich daraufhin gekauft hab, passte aber nicht, dachte ich, weshalb ich sie zurückbringe und einen Termin mit dem Schornsteinfeger verabrede. 100 Euro hin oder her, ich brauche ja den Ofen.

Als Johannes letzte Woche Fußballprobetrainig hat, warte ich auf dem Platz, um zuzuschauen. Der Platzwart kommt vorbei und als ich grüße, erkenne ich, dass es Frank ist, mein neuer Nachbar vis-à-vis.
"Frank!"
Er dreht sich um und lächelt, als er mich erkennt.
"Du bist der Platzwart, das ist ja toll. Da hast du letzte Woche die Jacke von meinem Sohn gefunden, was? Wie geht es Dir? "
"Gut! Und Dir? Wie kommst du voran? Hast du schon die Klappe eingebaut?"
Ich erkläre kurz, was passiert ist.
"Warum hast du denn nicht mich gefragt?"
"Hätte ich das tun sollen?" frage ich verlegen.
"Na ja, klar, warum nicht? Ich kann sie dir doch einbauen."
"Ja? Wirklich?"
Er nickt zustimmend.
"Eigentlich wäre der Termin gestern gewesen, aber da hat er verschoben. Zum Glück."
Am nächsten Morgen sage ich dem Schornsteinfeger gleich ab.

Klappe Nr. 2 wird also heute von Frank eingebaut. Der ist noch grad bei unserer Nachbarin gegenüber, um etwas zu reparieren. Als er fertig ist, kommt er rüber.
"Passt doch super. Ich haue fix die alten Klappenreste raus, klebe die neue mit Mörtel rein, kann sie auch reinschrauben, das geht alles schnell."
"Ja." stimme ich zu, das geht bestimmt schnell. Dann lasse ich ihn alleine, denn ich will noch eine Wagenladung Sperrmüll zur BSR bringen, bevor der Dachdecker kommt. Als ich wieder komme, sitzt sie unten am Kamin, fest, zum Auf- und Zumachen. Toll.
Ich klingle bei Frank und frage, ob ich ihm etwas dafür geben darf.
"Ah", winkt er ab "Behalt es selber."
"Darf ich Dir ein Brot dafür backen?"
Er wirkt irritiert.
"Ich backe das beste Brot von Berlin."
"Ja, äh, gut." sagt er.
Wird gemacht.
Neue Klappe, Gott sei Dank! (Liegen ist hoffentlich weniger schmerzhaft...)









Das Wichtigste ist ein Plan. Damit klar ist, was gemacht werden muss, in welcher Reihenfolge, wieviel Zeit was braucht, und wie teuer alles wird. Vor allem das. Vorher fängt man besser gar nicht an. Das kann sonst alles schnell aus dem Ruder laufen.

Ich stell mir vor, dass ich bald einen super Plan hab. Da habe ich völliges Vertrauen. Denn morgen kommt Ludwig. Er hat Erfahrung. Plan haben gehört zu seinen Spezialitäten. Und Torte backen, aber das ist eine andere Baustelle.
Auf Ludwigs Bestreben hin war heute der Dachdecker da. Als er in den Dachboden schaute, war seine erste Bemerkung "Das sieht ja schonmal gut aus." Sehr beruhigend, sehr sehr beruhigend finde ich das.

Die Zwischendecke muss raus, sagt er, damit er auch die Balken in der Decke beurteilen kann.

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