Dienstag, 2. November 2010

42 Nee lass mal

Gerd hat Ahnung, und zwar richtig viel. Deshalb bin ich glücklich, als er mir zusagt, das Häuschen zu begutachten. Heute morgen war es soweit.

Er sieht gleich, dass viel zu tun ist. Naja, wie könnte man das Offensichtliche denn auch übersehen? Das Schöne für mich ist, dass er es richtig gut findet; Preis angemessen und Substanz ausreichend gut für ein Haus, das nunmal sarniert werden muss, wie alle Häuser, die kurz nach dem Krieg gebaut wurden. Der Dachstuhl ist noch mit Dielenbrettern aus Bombenhäusern zusammen gezimmert, der Giebel gemauert aus Trümmersteinen. Katharina hatte damals in der Nachkriegszeit mit einer Freundin pro Trümmerstein 5 Pfennige bekommen, und sie sagt, das Geld ist ihnen nicht geschenkt worden.

Zurück. Die Wasserleitung. Gerd weiß gleich, was zu tun ist und gibt mir Tipps. In jedem Fall vereinfacht die neue Küchenplanung das Ganze.

Nun weiß Gerd ja auch über mein Budget Bescheid. Also schaut er mit einem Spar-Auge. Dabei fällt der Plan über den Jordan, die Decke im Zimmer wegzumachen, um es bis hoch ins Dach zu öffnen. Ich schlucke. Klar, ja, natürlich. Ich verstehe, dass man eine Menge Arbeit und Materialgeld sparen kann. Aber was ist mein Haus mit einer gewöhnlichen, niedrigen Zimmerdecke?

Aber gut. Ein bisschen Schwund ist immer. Ich finde mich schon mit der Reduzierung zurecht. Wenn auch ungern. Wirklich.

Als ich abends meinen Sohn von seinem Klassenkameraden abhole, bittet mich die Mutter zum ersten Mal herein. Wir plauschen ein wenig, sie hat bereits Erfahrung mit Hausbau. Interessant, wie schnell sich der Themenkreis ändert. Nun, hab ich glaub ich gestern schon erwähnt.

Also zeigt sie mir ihr Haus. Schlüsselfertig, mit allem Drum und Dran. Ist natürlich eine andere Liga, das ist schon klar. Als ich aber in die erste Etage komme, tränt mir fast das Herz. Bis hoch hoch ins Dach läuft die Decke. Wie bei mir... bevor ich den Plan heute morgen begraben hab.

Ich argumentiere herum, um ihr, und wohl vor allem mir, zu erklären, warum ich die Decke nun nicht rausnehme.
"Was man am Anfang nicht macht, wird später viel mehr Aufwand und vor allem teurer." sagt sie.
Ja, ich weiß ja.

Später, als ich mit Linda telefoniere, sagt sie nur: "Christiane, ich hab dein Haus noch nichtmal gesehen. Aber wenn du die Decke drin lässt, dann ist das nicht dein Haus."

Ich glaub, die Decke kommt doch raus.

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