Montag, 25. Oktober 2010

38 Rundumvertäfelt

Herr K, der Vorbesitzer, mochte, wie es scheint, Holzvertäfelung. Das Haus ist komplett eingetäfelt. Decken und Wände eines jeden Raums sind damit eingedeckt, Wohnraum, Schlafraum, Küche, Bad, Flur. Es gibt nirgendwo eine unvertäfelte Stelle. Das Haus wirkt dunkel und klein.

"Das muss alles raus", sagt Thomas, der Mann meiner Freundin Meryem, "Komplett. Erst dann kann man anfangen zu planen."
Ich stelle mir vor, wie ich das alleine mache und weiß nicht so recht, wie ich anfangen sollte.

Da kommt mir zum Glück Rene zu Hilfe. Er ist 1,90 m groß und sehr stark. Zwei Tage fegt er durch das Haus, und lässt nichts Überflüssiges mehr drin. Erst zerkloppt er die Möbel und dann rupft er die Vertäfelung ab. Draußen vor dem Fenster stapelt sich derweil ein riesiger, wachsender Sperrmüllhaufen. Ich helfe, wo ich kann, aber eigentlich kann ich das nicht. Rene ist einfach top.



Als er das Badezimmer leert, höre ich ihn laut auflachen.
"Gut, dass du dich entschieden hast, die Badewanne zu entfernen", sagt er, "nach einem Abflussrohr habe ich umsonst gesucht, das Wasser lief einfach in ein Sickerloch unter der Wanne."
Mir wird deutlich, warum die Wand des Badezimmers feucht und schimmelig ist. Rene ist nicht so glücklich über das Haus wie ich. Alle paar Minuten hat er etwas Neues zu beanstanden. Nach den ersten Stunden fühle ich mich bereits deprimiert. Ich bekomme das Gefühl, total daneben gegriffen zu haben, einen Fehlkauf gemacht zu haben, den ich niemals im Stande sein würde zu renovieren, da die Kosten mein Budget über das Doppelte übersteigen müssten. Rene kennt sich gut aus. Ich nicht. Ich glaube ihm, was soll ich denn sonst machen.

Fast verzweifelt gehe ich durch meinen Garten.
"Bitte schickt mir Hilfe jetzt, damit ich mit meinem Budget hinkomme."
Mir fällt nichts anderes ein, als diesen Wunsch in die Luft zu sagen. Ich entscheide mich, daran zu glauben, dass es schon klappt. Mein Gefühl hat mich bisher doch noch nie getrügt.
30 Minuten später guckt jemand durch die Türe herein.
"Hallo!" ruft eine fröhliche Stimme "Ich habe von Frau F gehört, dass Sie Brennholz zu verschenken haben. Darf ich etwas davon haben?"
Allein die fröhliche Stimme macht mir schon Freude. Nach Renes stundenlanger kritischer Bewertung meiner Ruine ist sie eine Wohltat für meine Ohren.
Die Frau stellt
sich als eine meiner 56 neuen Siedlungsnachbarn vor, hat gehört, dass ich Holz zu verschenken habe, freut sich, fragt, ob ich Hilfe brauche und stellt mir umgehend drei andere neue Nachbarn vor, die alle ihre Häuschen selbst fit gemacht haben, und mir gern helfen wollen. Ich solle einfach fragen, wenn ich Hilfe brauche. Zu guter Letzt schenkt mir ihre Freundin 1000 Liter Öl, das sie nicht mehr braucht, damit ich erstmal heizen kann.

Wie soll ich das jetzt nennen?

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