Sonntag, 22. August 2010

28 - 15.30 Uhr

Um Punkt 15.30 gehe ich den schmalen Weg bis zur Haustür. "Hallo" rufe ich hinein, "Hallo" antwortet es von drinnen. Und dann taucht Frau G an der Haustür auf.

Ich stelle mich vor und wir schütteln unsere Hände. Dabei schaut sie mich ein Momentchen länger an, als ich erwartet hätte. Wir sind uns gleich sympatisch, das merke ich.

"Kommen sie herein", sagt sie. Ich folge ihr in das düstere Häuschen. Viel Holzvertäfelung, wenig Licht.

"Haben sie Phantasie?"
"Und wie", antworte ich.
Dann stellen wir uns vor, was man alles daraus machen könnte. Den Boden raus, und den Blick frei bis hoch ins Dach! Wir sind beide begeistert. Als sie mir gerade das kleine Dachzimmer zeigt, klingelt mein Telefon. Wie peinlich.
"Darf ich rangehen? Vielleicht ist es ja derjenige, den ich erwarte", sage ich, und gehe ans Telefon.
"M hier", sagte der Baugutachter, "wo sind Sie denn?"
"Bin schon drinnen."
"Ich bin fast da", sagt er.
"Prima" freue ich mich.

Frau G und ich schauen weiter. Wieder klingelt es. Ich verdrehe ein wenig die Augen und zucke hilflos mit den Schultern.
"Wo ist das denn", fragt Herr M.
"Warten Sie, ich komme raus", sage ich, klettere schnell die kleine Treppe hinuter und gehe nach vorn auf den Zubringerweg. Da steht er, ich winke ihm zu.
"Hier" rufe ich, und da kommt er auch schon. Nett sieht er aus. So ein Glück.

"Am besten schauen wir erstmal von außen", sagte er.
Wir folgen ihm in den Garten. Er bleibt an der Hausecke stehen.
"Die Regenrinne ist schief", sagt er. "Das kann Probleme geben. Man muss ein Ablaufrohr installieren."
Ich frage mich, wieso das wichtig ist, sage aber nichts. Er lässt sich noch 1-2 weitere Minuten über die Regenrinne aus.
Da rutscht es mir heraus: "Ist doch egal, oder?"
"Ja", sagt er, "ich will es ja nur der Vollständigkeit halber erwähnen."
"Danke, ja, natürlich" erwidere ich, "machen Sie das, dafür habe ich Sie ja mitgenommen. Ich bin immer so schnell begeistert."
Wir gehen weiter. Er ist mit den weiteren Zuständen zufrieden.
"Gar nicht schlecht, der Zustand", sagt er.

Wir gehen hinein. Nach ein paar Minuten kommt eine Familie mit drei kleinen Kindern hinzu. Frau G kümmert sich nun um die Neuankömmlinge. Ich gehe mit Herrn M nochmal unter das Dach.
"Ja", sagt er, "das Dach muss isoliert werden. Man muss schauen, was hier drunter ist. Das ist laienhaft isoliert. Das muss neu."
"Mir gefällt es grundsätzlich", sage ich.
"Ja, mir auch", sagt er.
"Ich möchte es nehmen", sage ich.
"Dazu würde ich ich Ihnen auch raten", sagt er.
"Was soll ich nur sagen?" frage ich ihn.
"Sagen Sie doch einfach, Sie ziehen Montag ein."
Gute Idee.

Wir gehen wieder runter. Mittlerweile ist noch ein Pärchen eingetroffen. Es ist voll im kleinen Wohnzimmer und in der Küche. Was machen die alle in meinem Häuschen, frage ich mich? Als Herr M fortfährt, seine Baueinschätzung zu äußern, bremse ich ihn.
"Das können Sie mir ja dann gleich draußen erzählen."
Wir flüstern jetzt. Schließlich zahlen die anderen ihn ja nicht, da darf ich wohl seine Informationen für mich behalten, denke ich, obwohl ich sonst ja gern großzügig bin.

"Was soll ich nur anbieten?", frage ich ihn.
"Wie teuer sind denn die anderen Häuser gewesen?", fragt er mich.
"Welche anderen Häuser?"
"Na, Sie werden sich doch andere Häuser hier angeschaut haben", antwortet er.
"Nein wieso?", frage ich, "nur dieses hier. Ich brauche ja nur eins, das reicht doch. Ich will dieses."
"Sie sind ja entscheidungsfreudig", sagt er, "ich bewundere Sie dafür."
"Ja? Warum denn das?"
Mir ist nicht recht klar, was er meint. Ich denke, es ist nett gemeint.
"Danke" füge ich deshalb hinzu.

Frau G unterhält sich mit dem Familienvater. Ich will nicht weiter stören und nehme meine Jacke.
"Ich geh dann mal", sage ich.
"Sie haben ja noch ein bisschen Zeit", ruft Frau G mir zu.
Ich stutze. "Ja", sage ich, "klar."
Dann verschwindet sie mit dem Familienvater nach draußen und ich höre eben noch, wie er nach der Wasserleitung fragt. Da fällt mir ein, dass ich die natürlich auch noch sehen wollte. Ich gehe hinterher und winke Herrn M, der bereits draußen vor dem Grundstück wartet:
"Wir wollen uns eben noch die Wasserleitung ansehen."
"Achja", sagt er, und folgt uns.

Frau G hebt das Brett an und legt den Blick frei auf die Wasserleitung in der 1,50 m tiefen Grube. Wir schauen alle schweigend hinein.
"Sehr hübsch", entfährt es mir, und Frau G und ich lachen. Dann klappt sie den Deckel wieder zu. Der Familienvater geht zurück ins Haus und ich nutze die Gunst der Stunde, allein mit Frau G zu reden.
"Ich ziehe gleich morgen ein", sage ich.
Sie lacht. "Na, so schnell geht das nicht. Was bieten Sie denn?"
Ich winde mich.
"Ich weiß nicht, was soll ich denn sagen? Was, wenn andere dann mehr bieten," frage ich sie, "ich will doch das Haus."
"Sagen Sie doch einfach mal ein Angebot."
"Nein, wirklich, was soll ich denn sagen?"
"Na gut", sagt sie, "Machen wir es mal so. Der Sozialdienst freut sich, wenn er 20.000 bekommt, wenn es mehr ist, ist das gut, wenn es weniger ist, naja..."
"Ok", sage ich, und erinnere mich an Kinskys Worte, "ich habe hin und her überlegt und bin auf folgende Summe gekommen."
Frau G schaut mich interessert an.
"18.000", sage ich.
"Ah ja", erwidert sie, "das sind ja schon fast 20."
"Ja", sage ich.
"Geben Sie Ihr Gebot bitte schriftlich per mail ab, ja?"
"Ja, gern", antworte ich.
Wir verabschieden uns.

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